Finanzskandal im Bistum Eichstätt Bischofsberater sieht Versäumnisse auch bei Kirche

06.02.2018

Ein Finanzskandal erschüttert aktuell das Bistum Eichstätt, ein ehemaliger Mitarbeiter sitzt in Untersuchungshaft. Im Raum steht ein Schaden bis zu einer Höhe von knapp 50 Millionen Euro. Am Dienstag gab das Bistum neue Details zu dem Fall bekannt.

Blick auf den Eichstätter Dom
Blick auf den Eichstätter Dom © pde

Eichstätt – Das Bistum Eichstätt hat am Dienstag auf einer Pressekonferenz Details zum Skandal um ungesicherte Darlehen in Millionenhöhe bekanntgegeben. Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl, der das Bistum seit Herbst 2015 berät, betonte im Interview: "Das Bistum ist Opfer und nicht Täter." Die Diözese sei mit hoher krimineller Energie und Täuschungshandlungen geschädigt worden.

Laut Wastl fädelte ein inzwischen verhafteter, ehemaliger leitender Mitarbeiter der Finanzkammer zwischen März 2014 und Mai 2016 insgesamt 31 großteils unbesicherte Darlehensgeschäfte mit US-Immobilienprojektierern über eine Gesamtsumme von umgerechnet 48,2 Millionen Euro ein. Diese Summe entspricht nach den Worten des Juristen dem höchsten denkbaren Schaden, der sich derzeit aber noch nicht endgültig beziffern lasse. Allerdings seien bereits fällige Kredite in Höhe von 21,5 Millionen Euro bis heute nicht zurückgezahlt worden. Gemeinsam mit einer amerikanischen Kanzlei versuche man, die Vermögenswerte in den USA "so weit wie möglich zu sichern".

Vertrauen statt Kontrolle

Gleichwohl bescheinigte Wastl dem Bistum auch Missstände und Versäumnisse in den Mechanismen der Vermögensverwaltung. Zu lange habe man an alten Strukturen, "die sehr kirchlich geprägt waren", festgehalten. Und zu lange sei nach dem Prinzip "Vertrauen ersetzt Kontrolle" gehandelt worden.

Generalvikar Isidor Vollnhalls sprach von einer "schmerzlichen Erfahrung" und zeigte sich "fassungslos" über den Vertrauensbruch des ehemaligen Mitarbeiters. "Aber auch die Mitarbeiter der Kirche bestehen nicht nur aus Heiligen", so der Generalvikar. Man müsse nun versuchen, die Vorgänge den Gläubigen im Bistum zu erklären. Dabei würden nur "Offenheit und Ehrlichkeit" helfen.

Geschäfte in den USA

Wastl bestätigte Medienberichte, wonach das Gesamtvolumen der dubiosen Darlehen etwa einem Sechstel der Finanzanlagen des Bistums entspreche. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Vermögen der Diözese. Die Projektgrundstücke befänden sich überwiegend in und um Dallas/Texas sowie in Florida. Der Diözese seien bei den Geschäften sieben bis zehn Prozent Zinsen in Aussicht gestellt worden. Alle Verträge seien nach dem Vieraugenprinzip getätigt worden. Das bedeutet, dass sie auch vom damaligen Finanzdirektor abgesegnet wurden. Dieser sei von seinem Mitarbeiter womöglich getäuscht worden, fügte der Anwalt hinzu. Eine Genehmigung der Geschäfte durch den Diözesanvermögensverwaltungsrat sei nicht erforderlich gewesen.

Wastl und Vollnhalls stellten klar, dass der entstandene Schaden weder die Stellen und Löhne von Mitarbeitern im Bistum noch Projekte der Pfarrgemeinden gefährde. Der Schaden sei dem Vermögen der Diözese entstanden; Kirchensteuereinnahmen, aus denen die laufenden Ausgaben bestritten werden, seien nicht betroffen.

Fachleute statt Geistliche

Der Bistumsberater führte außerdem aus, welche Maßnahmen inzwischen auch auf Betreiben von Bischof Gregor Maria Hanke zur Neuordnung der Vermögensverwaltung ergriffen worden seien. So laute eine Vorgabe des Bischofs, künftig Geistliche von der Kontrolle des Vermögens fernzuhalten. Dies sei im neu besetzten Diözesanvermögensverwaltungsrat bereits realisiert worden, in den ausschließlich externe Fachleute berufen worden seien.

Neue Anlagerichtlinien sähen außerdem das Verbot von Eigenanlagen vor. Alle von Dienstleistern getätigten Investments müssten ethischen Grundsätzen entsprechen. In den nächsten Tagen werde ein Statut in Kraft gesetzt, das die Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Zustimmungsvorbehalte in der Vermögensverwaltung des Bistums völlig neu regle. (KNA/ksc)


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