Zeichen an den Kar- und Ostertagen Blaues Laser-Kreuz auf der Felsenwand

11.04.2020

Auf dem Wallberg über dem Tegernsee ist an diesem Wochenende ein großes Lichtkreuz zu sehen. Es weist auf das Osterfest hin, das in diesem Jahr völlig anders ist.

Blaues Laser-Kreiz auf dem Wallberg
Blaues Laser-Kreiz auf dem Wallberg © Allerstorfer

Tegernsee/Rottach-Egern – Am Karfreitag ist Pfarrer Walter Waldschütz noch spät am Abend mit dem Auto unterwegs gewesen. Als er wieder daheim war, warteten schon jede Menge E-Mails und What´s App-Nachrichten auf ihn. Denn das Tegernseer Tal steht an diesem Wochenende weithin sichtbar unter dem Zeichen des Kreuzes. Im Garten von Bürgermeister Christan Köck in Rottach-Egern steht ein Projektor mit Speziallinsen. „Der hat ungefähr die Abmessungen einer größeren Stereoanlage“, erklärt Pfarrer Waldschütz gegenüber mk online.

Nach einem ersten Probelauf am Gründonnerstag wirft der Apparat nun bis zum Ostersonntag jeden Abend von 20.45 bis 22.15 Uhr ein Laserkreuz in blauen Farben auf den Wallberg. Der Geistliche schätzt, dass ungefähr ein Drittel bis ein Viertel des Tegernseer Hausberges von dem Bild bedeckt ist.

Christliches Zeichen im Dunkeln

Am Karfreitagabend hat er wissen wollen, wie das Kreuz von verschiedenen Stellen aus wirkt und von welchen Punkten es die Betrachter entdecken können. Etlichen Anwohnern hat es auch gleich in die Seele gestrahlt: „Eine Frau hat mir geschrieben, dass sie geweint hat, als sie dieses christliche Zeichen im Dunkeln gesehen hat“, berichtet Pfarrer Waldschütz. Es ging aber auch ein besorgter Anruf bei der Polizei ein, die jedoch versichern konnte, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Als die Idee zu diesem Bild-Wurf bei Pfarrer Waldschütz und dem Trachtenverein D’Wallberger gereift war, setzte er sich am vergangenen Montag ans Telefon und an den Computer. In einer schnellen Informationskette zwischen den Bürgermeistern im Tegernseer Tal und dem Landratsamt bekam der Pfarrverband eine Genehmigung für das Kreuz aus Licht auf dem nächtlichen Berg. Eine Biologin der Unteren Naturschutzbehörde hat sogar überprüft, ob Insekten oder geschützte Tiere darunter zu leiden hätten. Es gab aber keine Einwände. Nun leuchtet das Kreuz auf den Tegernsee herab und ist von vielen Stellen aus sichtbar, wie sich Walter Waldschütz und Mitglieder aus dem Pfarrverbandsrat überzeugt haben.

Keine Sensation, sondern Hoffnungszeichen

Viele Anwohner hätten Photos gemacht. „Aber ohne sich in Gruppen zu versammeln, soweit ich gesehen habe, waren da alle sehr vernünftig“, sagt der Geistliche zufrieden am Telefon. „Das Laserkreuz soll auch keine Sensation sein, sondern an das Hoffnungszeichen erinnern, das für Christen im Mittelpunkt der Ostertage steht.“ Der Pfarrverband wolle die Menschen in der Umgebung in einer Zeit stärken, „wo sie jeden Tag nur Zahlen von Infizierten und Toten hören.“ Das war der katholischen Gemeinde 2700 Euro wert, die sie an die Spezialfirma zahlen muss, die für die technische Umsetzung sorgt „und die uns da ganz großzügig entgegengekommen ist“. Doch innerhalb weniger Stunden haben sich Spender gemeldet, so dass die Kosten bereits gedeckt sind.

Wiederholen will der Pfarrer die Projektion im kommenden Jahr nicht. „Das ist ein Symbol dafür, dass Christus uns Zuversicht gibt und wir in der Coronakrise zusammengehören, auch wenn wir nicht im persönlichen Kontakt stehen können.“ Für 2021 hofft er, dass die Pandemie eingedämmt ist und die Menschen im Tegernseer Tal die Heilige Woche wieder in der Kirche feiern können.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Karwoche Ostern Corona - Pandemie

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