Museum am Dom in Würzburg Blick auf Mensch und Gott

11.10.2013

Ein kirchliches Kunstmuseum, das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung findet: Das gilt für das Museum am Dom in Würzburg. Mit der Präsentation von konfessionslosen ostdeutschen Künstlern setzte es immer wieder besondere Akzente. Nun feiert das Museum seinen zehnten Geburtstag.

2009: Museumsleiter Jürgen Lenssen (links) und Stifter Peter Mathar umrahmen die Zeichnung "Der Gekreuzigte" von Wolfgang Mattheuer im Museum am Dom in Würzburg (Bild: POW)

Würzburg - Das Museum am Dom in Würzburg feiert in diesen Tagen sein zehntes Jubiläum. Das Konzept des Museums sei es, Kunst früherer Kulturepochen und zeitgenössische Kunst miteinander zu verbinden, sagte Museumsleiter Domkapitular Jürgen Lenssen den Münchner Kirchennachrichten. Es soll deutlich werden, dass sich die Künstler über Jahrhunderte immer wieder neu mit drei Grundfragen auseinandergesetzt hätten: "Wer bin ich? Woraus lebe ich? Und worauf zu?"

Gerade die ostdeutschen, überwiegend konfessionslosen Künstler machen das Museum am Dom zu einem besonderen Ort. "Ungeachtet ihrer Nichtsozialisierung kirchlicherseits lassen sie sich ganz und gar auf den Mensch ein", betont Lenssen. Das gleiche gelte für das Museum. Denn erst wenn der Mensch zu sich selbst finde, könne er seinen Blick hin zu Gott öffnen, so der Kunstreferent der Diözese Würzburg.

Große Namen wie etwa Joseph Beuys, Otto Dix, Pablo Picasso oder Albrecht Dürer sind in der Sammlung des Museums vertreten. Sie hängen gemeinsam in einem großen Ausstellungsraum. Viele Werke wurden gestiftet, andere auch aus den Pfarreien nach Würzburg geholt, etwa die von Tilman Riemenschneider. Eine Sonderschau zu Ehren des Meisters im Jahr 2004 war mit über 150.000 Besuchern der bisherige Höhepunkt unter den wechselnden Ausstellungen im Museum. 600.000 Interessierte kamen insgesamt in den vergangenen Jahren, 300.000 Euro beträgt der Jahresetat.

Lenssen geht es nicht nur um die Präsentation von Preziosen, sondern um Konfrontation und Provokation - Begriffe, die das Wirken des Referenten ebenso begleiten wie sein Haus. Schon die ersten Pläne versetzten Würzburg in Aufregung. Das alte, marode Kilianshaus sollte umgestaltet werden. Große, graue Steinquader zwischen den altehrwürdigen Gotteshäusern Dom und Neumünster? Der Protest erreichte sogar den Vatikan, das Museum wurde trotzdem gebaut.

Den inhaltlichen Grundstein aber legte Lenssen mit seiner schier unerschöpflichen Sammlungstätigkeit. Als großzügiger Förderer von Kunst und Kultur erwies sich außerdem der frühere Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele. Der hielt so manchen Widerstand aus, auch nach der Öffnung des Hauses, das nach Ansicht einiger Demonstranten bis heute immer wieder "zur Sünde verführt".

Auch der spätere Papstmaler Michael Triegel bekam diese Vorbehalte zu spüren. In einem Triptychon hatte er den Auferstandenen ganz nackt dargestellt - der Protest war absehbar. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann ließ das Werk schließlich im Jahr 2005 abhängen.

Der Anziehungskraft des Hauses haben solche schlagzeilenträchtigen Vorgänge nicht unbedingt geschadet. Die Kunstsammlung der Diözese - die Lenssen zufolge größte kirchliche jenseits der Vatikanischen Mussen - ist international bekannt. Bis nach New York werden Werke aus Würzburg verliehen. (ksc/kna)

Museum am Dom

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