Artenschutz im eigenen Garten Blühendes Paradies für Mensch und Tier

18.05.2019

Wer einen eigenen Garten hat, kann dort viel für die Natur bewirken. Blühwiese statt Rasenfläche, Kompost ausbringen statt Kunstdünger streuen, damit ist schon einiges für die Insektenvielfalt erreicht.

Ein naturnaher Garten kann Anziehungspunkt für Insekten und andere Tiere sein.
Ein naturnaher Garten kann Anziehungspunkt für Insekten und andere Tiere sein. © imago / Harald Lange

München - "Wenn man alle Privatgärten zusammenrechnet, ergäbe das ein ganz schön große Fläche“, die Hobbygärtnerin und Gartenpflegerin Tanja Sixt ist überzeugt: wer einen Garten hat, können dort was für die Natur bewirken. Mehr Arbeit muss das nicht bedeuten: „Naturnah gärtnern, das heißt oft einfach, etwas bleiben zu lassen.“

Tanja Sixt ist ein Landei in der Stadt, wie sie sagt. Rund um das Elternhaus ihres Mannes im Münchner Stadtteil Hadern pflegt sie mit ihrer Familie einen mittelgroßen Garten: Einige alte Bäume, viele Blühpflanzen und ein paar Gemüsebeete, nichts Überkandideltes, alles sehr harmonisch und auf die Natur ausgerichtet. Außerdem hat die gebürtige Fränkin eine Fortbildung zur Gartenpflegerin absolviert, um ihre Praxiserfahrung mit solidem Wissen aufzustocken. Das gibt sie regelmäßig in Workshops weiter.

Naturnaher Garten

Lebensräume für Insekten sind darin immer wieder Thema. Eine Grundregel: möglichst Pflanzen mit offenen Blüten wählen, in denen die Staubgefäße gut erreichbar sind, keine gefüllten Blüten, so schön sie sein mögen. Für die Sommerbepflanzung hat sie einen Favoriten: „Phloxe sind für Bienen und Schmetterlinge ein Paradies“. Und wenn der Schnittlauch oder andere Kräuter zu blühen anfangen: Kein Problem im Gegenteil, die Insekten werden die Blüten umschwärmen.

Hobbygärtnerin und Gartenpflegerin Tanja Sixt
Hobbygärtnerin und Gartenpflegerin Tanja Sixt © SMB/Hafner

Nicht jedes Insektenhotel von der Stange taugt als Unterkunft, raue Oberflächen können die Flügel der Bienen verletzen. Viele Arten schlüpfen ohnehin in Mauerritzen, Steinfugen oder leeren Schneckenhäuser unter. „Mal ruhig was liegen lassen in einer Ecke, nicht alles so aufräumen“, schlägt Tanja Sixt vor. Dort können sich auch Igel oder Eidechsen ansiedeln.

Aktionismus verträgt sich sowieso nicht mit dem naturnahen Gärtnern. Das gilt besonders für den Boden: „Auf keinen Fall einfach drauflosdüngen!“, warnt die Gärtnerin: „Der Boden ist ein komplexer Lebensbereich mit verschiedenen Zonen. Wenn ich das störe durch Düngen oder ständiges Umgraben, dann kann ich das Bodenleben kaputt machen.“ Wer es genau wissen will, kann eine Bodenprobe untersuchen lassen, empfiehlt Tanja Sixt. „Die Labore schicken mit dem Ergebnis auch Empfehlungen zurück“. In ihrem Garten düngt sie vor allem mit Kompost: „Naturnäher geht es eigentlich nicht. Ich muss nichts kaufen, habe keine Fahrten.“

Hier finden Sie praxisnahe Tipps für den Garten.

Und statt dem Rasen - lieber eine blühende Naturwiese wachsen lassen? Eine Entscheidung die man sich gut überlegen sollte. „Man kann nicht einfach den Samen auf die alte Rasenfläche schmeißen“, gibt Tanja Sixt zu bedenken: „Der Rasen hat eine Filzschicht gebildet, da kommt der neue Samen gar nicht durch.“ Also muss die Rasenschicht komplett entfernt, der Boden aufgeraut und „abgemagert“ werden. Erst dann kann der neue Samen drauf. Der Rasenmäher kann dann in den Ruhestand. Statt dessen ist Sensen gefragt, aber nur ein oder zweimal pro Jahr. Für Nachwuchsfussballer eignet sich eine Naturwiese aber nicht mehr. Familie Sixt hat sich dagegen entschieden. Tanja Sixt sieht dem Gartensommer entspannt entgegen: Naturnah gärtnern bedeutet für sie auch weniger Stress.


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