900 Jahre Kloster Scheyern Bodenständige Religiosität

03.05.2019

Seit 1119 prägen die Benediktiner von Kloster Scheyern Menschen und Kultur in der ganzen Region. Zum Jubiläum gibt es feierliche Gottesdienste in der frisch renovierten Basilika und Einblicke in sonst nicht zugängliche Räumlichkeiten der Abtei.

Abt Markus Eller (von rechts) und Pater Lukas Wirth mit Ausstellungsbesuchern im barocken Bibliothekssaal. © Kiderle

Scheyern – Hell ausgeleuchtet ist die nach neun Jahren gerade fertig renovierte Basilika Heilig Kreuz und Mariä Himmelfahrt des Klosters Scheyern. Golden schimmern die filigranen Stuckaturen aus der Wessobrunner Schule, bunt leuchtet das Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffene Fries mit Episoden aus der Vita des heiligen Benedikt im Licht der Schweinwerfer, die der Bayerische Rundfunk aufgestellt hat. Denn der Gottesdienst zum 900-jährigen Wirken der Benediktiner in Scheyern wird heute, am Fest der Patrona Bavariae, live im Fernsehen übertragen. Und viele sind in die imposante, idyllisch gelegene Klosteranlage an der Grenze der Bistümer München und Freising, Augsburg und Regensburg gekommen, ist sie doch ein Zentrum für die ganze Region.

Zu Ehren der "Putzfrau" Scheyerns

Abt Markus Eller nimmt zu Beginn mit einem Scherz die Anspannung: Ein Prediger habe hier einst aus Versehen statt von der Schutzfrau Bayerns von der „Putzfrau Scheyerns“ gesprochen. Nicht nur die Basilika sei hier in der Tat für das Jubiläum „abgestaubt“ worden, ergänzt der humorige Kloster-Vorsteher. Auch mit ihrer Geschichte habe sich die Abtei beschäftigt.

Denn diese ist wohl wie nur wenige andere Klöster mit der bayerischen Historie verbunden. Die Abtei geht auf eine Stiftung der Wittelsbacher und vormaligen Grafen von Scheyern zurück (siehe Infokasten). So ist es Ehrensache, dass Herzog Franz von Bayern mit weiteren Vertretern des Adelshauses den Gottesdienst mitfeiert. Auch viele andere Gäste zeigen, welch wichtiger Referenzpunkt das Kloster ist. Unter ihnen sind etwa der Münchner Domdekan Lorenz Wolf und die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern, Rosa Maria Dick, beide stammen aus der Region. In der Gemeinde sitzt auch Unternehmer und Künstler Professor Claus Hipp, der in der Nähe lebt. Die oberbayerische Regierungspräsidentin Maria Els und Wirtschaftsstaatsekretär Roland Weigert (beide CSU) betonen später beim Festakt in ihren Grußworten die Bedeutung der Abtei für Land und Leute.

Die Geschichte von Kloster Scheyern

Ihren Ursprung hat die heutige Benediktinerabtei Scheyern in Cell, dem heutigen Bayrischzell, wo die Scheyrer Gräfin Haziga, Witwe des Grafen Otto II., bereits 1076/77 ein Kloster stifteten. Später zogen die Mönche zunächst nach Fischbachau, dann auf den Petersberg bei Dachau. Im Jahr 1119 schenkten die Grafen von Scheyern den Benediktinern ihre alte Stammburg in Scheyern, die zum Kloster umgebaut wurde. Die Grafen selbst zogen nach Oberwittelsbach bei Aichach um und nahmen nach ihrem neuen Wohnsitz auch den Namen „Wittelsbacher“ an. Bis 1252 nutzte das Adelshaus das Kloster als Grablege.

Wichtiger Moment für Kardinal Marx

Auch für Kardinal Reinhard Marx, der dem Jubiläumsgottesdienst vorsteht, ist Scheyern ein besonderer Ort: Hier betrat er vor elf Jahren auf dem Weg zu seiner Amtseinführung als Münchner Erzbischof das Gebiet der Erzdiözese. „Den damaligen Segen mit der Kreuzreliquie werde ich nie vergessen“, erinnert er sich bewegt. Er dankt den Benediktinern der Abtei für ihr Wirken: dass sie den Menschen zeigten, dass „wir den Himmel offen sehen können“, dass sie die Herzen öffneten für die „Möglichkeiten Gottes“.

Bald sind diese feierlichen Worte verklungen, ebenso wie die letzten Takte der dem heiligen Benedikt gewidmeten Messe von Valentin Rathgeber (1682 – 1750), aufgeführt von der renommierten Basilikamusik unter Leitung von Martin Seidl. Die Scheinwerfer gehen aus. Dennoch bleiben nach dem Gottesdienst noch viele Gläubige, um vor dem von Kardinal Marx erwähnten Reliquiar mit dem wertvollen Kreuzpartikel, dem so genannten Scheyrer Kreuz, zu beten. Seit Jahrhunderten ist es Ziel von Wallfahrten nach Scheyern, vor allem rund um die Feste der Kreuzauffindung (3. Mai) und der Kreuzerhöhung (14. September).

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Kardinal Reinhard Marx feierte den Jubiläumsgottesdienst in der Scheyrer Basilika. © Kiderle

Viele persönliche Geschichten sind mit der Abtei verbunden. Rosa Buchberger zum Beispiel ist gebürtige Scheyerin. Die 75-Jährige wurde geprägt durch die Spiritualität der Mönche: „Durch sie bin ich mit einer ganz bodenständigen Religiosität aufgewachsen“, sagt sie dankbar. Das Engagement der Benediktiner lobt sie in den höchsten Tönen. „Und wenn ich die Glocken des Klosters höre, flippe ich aus“, freut sie sich. Mit seiner Familie ist heute wie jeden Sonntag auch Andreas Tatus im Gottesdienst. Der 41-Jährige kam vor zweieinhalb Jahren aus Schlesien nach Scheyern, wo er auch dank des Klosters eine neue (spirituelle) Heimat gefunden hat.

Beliebtes Ausflugsziel für Gourmets und Kulturbegeisterte

Täglich kommen auch hunderte junge Menschen in das Kloster, dessen Schultradition bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, als die Abtei auch für ihre Malschule und ihr Skriptorium Bekanntheit erlangte. Heute sind im Kloster eine Berufsober- und eine Fachoberschule, ein Schülerwohnheim sowie ein Tagungs- und Bildungshaus angesiedelt. Die Patres betreuen außerdem vier Pfarreien im Umkreis des Klosters seelsorglich. Die Klosterbrauerei und die in den hauseigenen landwirtschaftlichen Betrieben erzeugten Produkte locken viele Ausflügler in die Abtei. Kulturbegeisterte sind bei den beliebten Sommerkonzerten unter freiem Himmel vor Ort oder beim Künstlerfestival „Kunst im Gut“. Viele Wege führen also nach Scheyern.

Eine von Cellerar Pater Lukas Wirth kurzweilig und informativ aufbereitete Ausstellung macht diese 900-jährige Geschichte des Klosters sichtbar: vom Gemälde des Ordensgründers Benedikt bis zu prunkvollen Paramenten aus der Jugendstilzeit, vom „Scheyrer Strumpf“, in dem die kostbare Reliquie 1180 nach Kloster Scheyern gekommen sein soll, bis zu Urkunden und Original-Flugblättern von Martin Luther. Im prachtvollen barocken Bibliothekssaal des Klosters sind wertvolle Handschriften und Buchdrucke ausgestellt. Denn – und das sollte man sich nicht entgehen lassen – für die Schau haben die Mönche sonst nicht zugänglichen Räume der Abtei geöffnet, wie eben den Bibliothekssaal, das Refektorium oder die Hauskapelle.

Einmaliger Einblick in Klosterräume

Zum Schluss wartet noch ein besonderes Zuckerl: In einem gelungenen 15-minütigen Film stellen sich die elf aktuell in Scheyern lebenden Mönche mit ihren jeweiligen Schwerpunkten vor und geben so einen lebendigen und sympathischen Einblick in die heutigen Aktivitäten von Kloster Scheyern. In der Ausstellung ist immer einer der Ordensmänner präsent, denn vor allem Begegnung möchte die Gemeinschaft im Rahmen des Jubiläums ermöglichen, wie Abt Markus betont. Davor scheuen sich die Scheyrer Benediktiner nicht, wie man es an diesem Festtag und auch bei jedem anderen Besuch im Kloster erleben kann.

Weihbischof Bernhard Haßlberger feiert zum Jubiläum am Sonntag, 26. Mai, um 10 Uhr einen Gottesdienst in der Scheyrer Basilika. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 23. Juni, zu sehen. Näheres zum Jubiläumsprogramm finden Sie hier. Mitte Mai erscheint das von Pater Lukas Wirth herausgegebene Buch „Kloster Scheyern. 900 Jahre Benediktiner am Stammsitz der Wittelsbacher“ im Pustet-Verlag. Es ist für 49,95 Euro auch bestellbar in der Buchhandlung Michaelsbund unter Telefon 089/23225-420 sowie online erhältlich.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


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