Coronavirus in Italien Bozener Bischof wirbt für Nähe

10.03.2020

Ivo Muser, Bischof der Diözese Bozen-Brixen, hat angesichts des sich rasant verbreitenden Coronavirus zur Solidarität aufgerufen. Der Südtiroler Oberhirte zeigte sich schmerzlich berührt von der Aussetzung vieler religiöser Feiern und Riten.

Bischof Ivo Muser
© Bistum Bozen-Brixen

Bozen – Bischof Muser hat vor dem Hintergrund der Corona-Krise in Italien an die Gläubigen appelliert, Nähe zu Erkrankten herzustellen, indem man zum Beispiel gerade für ältere Leute Einkäufe miterledige oder öfter mit ihnen telefoniere. Das erklärte Muser im Interview mit dem Münchner Kirchenradio.

Keine Gemeindegottesdienste

Ministerpräsident Guiseppe Conte hatte ganz Italien zur Sperrzone erklärt und seine Landsleute ermahnt, das Haus nur zu verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. Ältere und kranke Bürger sollen möglichst ganz darauf verzichten. Schulen bleiben geschlossen, Großveranstaltungen sind abgesagt. Die Regelungen gelten vorerst bis 3. April. Und natürlich hat die Situation auch Auswirkungen auf die Kirche: öffentliche Gottesdienstfeiern sind in ganz Italien ausgesetzt worden. Bischof Muser behilft sich dadurch, dass er den Gottesdienst live im diözesanen Kirchensender „Radio Grüne Welle“ feiert. Die Gläubigen seien auch durch Pfarrsender verbunden, die es in mehreren Pfarreien gebe. „Die Entscheidungen, die in den letzten Tagen zu treffen waren, waren schon sehr schmerzlich. Das hat Auswirkungen … eben auch auf die religiöse Praxis.“ Von den Pfarr-Radiostationen aus versucht die Kirche, den Kontakt gerade mit kranken und älteren Menschen zu halten. Firmungen sind bis auf weiteres ausgesetzt, Beerdigungen finden nur im engsten Kreis statt.

Herausforderung als Chance

Bischof Muser zeigt aber Verständnis für die rigorose Politik der italienischen Regierung und wirbt um Vertrauen für die Entscheidungsträger. Er habe den Eindruck gewonnen, dass immer mehr dieser Entscheidungsträger im sozialen, politischen und vor allem auch im medizinischen Bereich an einem Strang zögen. Trotz der großen Herausforderung durch den Coronavirus könne so auch wieder neue Gemeinschaft entstehen. Bischof Muser sagt, er wünsche sich, dass ein neuer Hunger entstehe: nach Gemeinschaft, nach dem Wort Gottes und nach der Eucharistie. „Wie arm wären wir, wenn wir das alles nicht hätten – unsere Gesellschaft wäre viel kälter, viel unmenschlicher, viel trostloser."

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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