Massnahmen gegen Corona Bücherei-Schließungen "nicht nachvollziehbar"

01.12.2020

Der katholische Büchereifachverband Sankt Michaelsbund appelliert an die bayerische Staatsregierung, den Betrieb öffentlicher Büchereien von den Corona-Beschrankungen auszunehmen.

© SMB/Sanetra

Update 4.12.2020: Nach Protesten hat die bayerische Staatsregierung die Schließung öffentlicher Bibliotheken und Archive im Zuge verschärfter Kontaktbeschränkungen zurückgenommen. Für die Ausleihe blieben sie "weiterhin unter Einhaltung der gängigen Schutz- und Hygienemaßnahmen" zugänglich, teilte Kunstminister Bernd Sibler (CSU) am Donnerstag in München mit. Medien könnten aber nur ausgeliehen werden. Eine Präsenznutzung sei in den Bibliotheken selbst nicht möglich. Die Archivbeschäftigten stünden außerdem weiter für Auskünfte am Telefon oder via E-Mail zur Verfügung. (kna)

München - Die Schließung der öffentlichen Bibliotheken in Bayern stößt beim katholischen Büchereifachverband Sankt Michaelsbund auf „erhebliche Irritationen“. Die Verschärfung der Maßnahmen sei für die weit über 1.000 Mitgliedsbüchereien und die sie begleitende Landesfachstelle des Verbandes „nicht nachvollziehbar“.
Der Freistaat hatte angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen durch das Coronavirus angeordnet, dass öffentliche Büchereien ab dem 1. Dezember erneut ihren Betrieb einstellen müssen, wie das bereits im Frühjahr der Fall war. Die Beschlüsse der gemeinsamen Konferenz der Bundeskanzlerin und den Länderchefs sahen eine solche Schließung aktuell nicht vor.

"Empfindliche Einschränkung des Bildungs-Grundrechts"

„Der Sankt Michaelsbund ist davon überzeugt, dass die Versorgung mit Bildungsangeboten auch und gerade in Zeiten einer Pandemie von ebenso großer Bedeutung ist wie die Versorgung mit Gütern des täglichen Lebens“, erklärte der Geschäftsführende Direktor Stefan Eß.  Es sei nicht davon auszugehen, dass in öffentlichen Büchereien ein größeres Infektionsrisiko bestehe als in Supermärkten oder anderen Geschäften des täglichen Bedarfs, die nach wie vor geöffnet blieben, ebenso wie Schulen und Hochschulbibliotheken. Die über 11.000 größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büchereien hätten nach dem ersten Lockdown zudem Schutz- und Hygienekonzepte erstellt, umfangreiche Abstands- und Hygieneauflagen eingehalten. Vor allem die Ehrenamtlichen hätten sie mit erheblichem Aufwand „laufend umgesetzt und überwacht“. Der Sankt Michaelsbund appellierte deshalb „an die Mandatsträger im Freistaat Bayern, diese empfindliche Einschränkung des Grundrechts auf frei zugängliche Bildung zu überdenken."

Vorsitzender des Bibliotheksverbandes: "Lage annehmen"

Auch der Vorsitzende des Bayerischen Bibliotheksverbandes und CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp bedauerte gegenüber mk-online die Schließung der öffentlichen Büchereien. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter hätten in der Coronakrise „engagiert, motiviert und kreativ“ Bildungsperspektiven vor allem für Schüler und Studenten ermöglicht. Die Schließung sei den hohen Infektionszahlen geschuldet: „Wir müssen die Lage annehmen“, so Hopp. Er regte an, Hol- und Bringdienste in den Büchereien einzuführen oder zu verstärken, wo sie schon bestünden. „Die Büchereien werden gebraucht in dieser Zeit und da müssen wir neue Ideen und Lösungen einbringen.“ Es gebe aber „keine Blaupause“.

Der Bayerische Bibliotheksverband wolle zudem darauf hinwirken, dass „die Büchereien als erste wieder vollständig arbeiten können, sobald das Infektionsgeschehen es zulässt“. Bei den wissenschaftlichen Bibliotheken sei ein Kompromiss gefunden worden, „um das wissenschaftliche und studentische Leben fortführen zu können“. Allerdings sei auch dort der Betrieb erheblich eingeschränkt. (pm/alb)


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