Hedwig von Andechs in Endorf Bühne frei für ein "Starkes Weib"

05.06.2019

Das Volkstheater Bad Endorf startet am Pfingstmontag wieder sein traditionelles Heiligenspiel. Dieses Mal steht eine bayerische Herzogin auf dem Programm.

Drei Mal Hedwig und immer im Vordergrund: Greta Hofmann, Emilia Gianetta und Christine Roßmy verkörpern die Heilige aus Oberbayern in ihren verschiedenen Lebensphasen. © Feichtner

Bad Endorf - Papst Klemens IV. nannte sie im Jahr 1267 bei ihrer Heiligsprechung eine „mulier fortis“, also ein „starkes Weib“. Die Rede ist von Hedwig von Andechs, der Herzogin von Schlesien, die von 1174 bis 1243 lebte. Die Bad Endorfer Theatergesellschaft hat ihre spannende Lebensgeschichte jetzt zum Anlass genommen, ab Pfingstmontag, 10. Juni, das historisch-religiöse Stück „Hedwig von Andechs, Herzogin von Schlesien“ zur Aufführung zu bringen. Das Volkstheater Bad Endorf ist nicht irgendeine Laienbühne, die sich jetzt entschlossen hat, das Leben einer religiösen Persönlichkeit auf die Bühne zu bringen. Das Theater hat Tradition: Seit 229 Jahren, nämlich seit 1790, spielt das drittälteste Theater Bayerns mit nur wenigen Ausnahmen jedes Jahr ein religiöses Stück.

Autorin und Regisseurin in einer Person

Dieses Jahr übernimmt Paula Aiblinger die Spielleitung, für sie ein Debüt, auch wenn sie als Schauspielerin schon seit 40 Jahren für das Theater tätig ist. „Es ist eine wirklich spannende Aufgabe, die mir viel Spaß bereitet“, erklärt die Bad Endorferin. Doch Aiblinger führt nicht nur Regie, sie hat das Theaterstück auch selbst geschrieben. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Hedwig von Andechs, hat viele Bücher gelesen, recherchiert, Szenen geschrieben, verworfen, neu arrangiert, bis schließlich alles so war, dass sie es für schlüssig und gut befunden hat. „Ein großer Vorteil ist, dass ich die Schauspieler alle gut kenne, so hatte ich schon beim Schreiben die entsprechenden Personen vor Augen und konnte ihnen die Rollen auf den Leib schreiben“, berichtet die Spielleiterin.

Geschichtsunterricht im Theater

Entstanden ist ein Theaterstück, bei dem insgesamt 62 Schauspieler auf der Bühne stehen, darunter fast 20 Kinder. „Wichtig war mir, dass wir das Leben der Hedwig historisch korrekt darstellen ohne religiöse Verklärung. Allerdings habe ich die Sprache der heutigen Zeit angepasst“, ergänzt Aiblinger. Auch wisse sie, dass die
Zuschauer keine rein religiösen Stücke mehr sehen wollen. „Das Stück ist spannender Geschichtsunterricht, der sich mit Hedwig als Person aus unserer Gegend beschäftigt. Sie war eine Persönlichkeit, eine starke Frau. Gerade für die damalige Zeit agierte sie politisch außergewöhnlich und zerbrach dank ihres starken Glaubens nicht an Schicksalsschlägen“, beschreibt Aiblinger das Geschehen auf der Bühne. Natürlich gebe es auch lustige Szenen. Insgesamt sind drei Hedwigs auf der Bühne zu sehen. Die Hauptrolle – Hedwig in den mittleren Jahren ihres Lebens – übernimmt Emilia Gianetta, die bereits seit Kindesbeinenin Bad Endorf auf der Bühne steht, heuer das erste Mal in einer Hauptrolle. Hedwig als Kind spielt Greta Hofmann, die Herzogin in ihrer letzten Lebensphase verkörpert Christine Roßmy. (Yvonne Feichtner)

Das Theater Bad Endorf spielt "Hedwig von Andechs noch bis zum 14. Juli an allen Freitagen und Sonntagen. Die Karten kosten zwischen 8 und 15 Euro.


Das könnte Sie auch interessieren

© Prien Marketing GmbH

Veranstaltungstipp Kirchenführung in Urschalling

Die Fresken der Urschallinger Kirche zählen zu den besterhaltenen im oberbayerischen Raum. Ab Donnerstag, 20. Juni, zeigt Gästeführerin Helga Schömmer Interessierten einmal im Monat das Gotteshaus.

13.06.2019

Die Erler Kinder begleiten die Abendmahlszene als Chor.
© Peter Kitzbichler/Passionsspiele Erl 2019

Passionsspiele Erl Viel Licht und kein Kunstblut

Am kommenden Sonntag beginnen in Tirol die Erler Passionsspiele. Rund 500 der 1450 Einwohner Erls beteiligen sich aktiv an der Inszenierung.

20.05.2019

© Feichtner

Theaterstück "Der verlorene Sohn" Erstmals inszeniert eine Frau in Bad Endorf

In der 228-jährigen Geschichte der Theatergesellschaft Bad Endorf steht heuer erstmals eine Frau am Regiepult: Christine Roßmy. Wie sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn inszeniert, lesen Sie hier.

18.05.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren