Organspende Bundestag stimmt gegen Widerspruchslösung

16.01.2020

Die radikale Neuregelung der Organspende wurde abgelehnt. Damit entsprachen die Abgeordneten der Haltung der katholischen Kirche.

Übergabe eines symbolischen Herzens
Es gibt keine radikale Neuerung der Organspende. © ©vchalup - stock.adobe.com

Berlin – Der Bundestag hat sich gegen eine radikale Wende bei der Organspende ausgesprochen. Auch künftig bleibt die ausdrückliche Zustimmung des Betroffenen Voraussetzung für eine Organentnahme. Bei der Abstimmung am Donnerstag war der Fraktionszwang aufgehoben. Den Abgeordneten lagen zwei konkurrierende Gesetzentwürfe vor; beide Initiativen verfolgen das Ziel, die in Deutschland niedrige Zahl an Organspendern zu erhöhen.

Mit 432 Abgeordneten sprach sich eine deutliche Mehrheit für den Entwurf einer Abgeordnetengruppe um die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping aus. Dagegen stimmten 200. Zentral für die "erweiterte Entscheidungsregelung" ist, dass eine Organentnahme nur möglich ist, wenn der Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Bürger sollen aber künftig verstärkt auf Organspende angesprochen werden, beispielsweise bei der Beantragung des Personalausweises oder des Führerscheins sowie beim Arzt. In einem Online-Register soll jeder Bürger seine Haltung zur Organspende dokumentieren und jederzeit ändern können.

Enspricht der Haltung der Kirche

Zuvor hatte das Parlament die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geforderte Widerspruchslösung mit 379 gegen 292 Stimmen abgelehnt. Nach ihrem Willen sollte jede Person ab 16 Jahren automatisch als Organspender gelten - es sei denn, sie hat dem zuvor ausdrücklich widersprochen. Die beiden großen Kirchen in Deutschland hatten sich zuvor gegen eine Widerspruchslösung ausgesprochen.

Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte dementsprechend die Bundestagsentscheidung als "wichtiges Zeichen für den Erhalt und Schutz grundlegender (medizin)ethischer und grundrechtlicher Prinzipien, auf denen das Wertefundament unserer Gesellschaft fußt".

Derzeit befinden sich mehr als 9.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr spendeten 932 Menschen nach ihrem Tod Organe. Das waren 23 weniger als im Vorjahr. Ihnen wurden 2.995 Organe entnommen. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Rainer Maria Schießler
© SMB

Organspende Es gibt kein Recht sich nicht damit zu beschäftigen

Pfarrer Rainer Maria Schießler findet es richtig, dass die Widerspruchslösung abgelehnt worden ist. Aber das soll nicht heißen, die Debatte jetzt ruhen zu lassen.

20.01.2020

Franziska Liebhardt befürwortet die Widerspruchslösung.
© SMB/ Br

Organspende Wir leben doch in einer Solidargemeinschaft

Franziska Liebhardt hat zwei Spenderorgane in ihrem Körper, mit denen sie olympisches Gold gewonnen hat. Zur Abstimmung im Bundestag hat sie eine klare Meinung.

16.01.2020

Anatomiemodell eines menschlichen Herzens.
© StockSnap - pixabay.com

Debatte um Organspende Beide großen Kirchen lehnen die Widerspruchsregelung ab

Die Bischöfe haben "rechtliche, ethische und seelsorgliche Bedenken" gegenüber einem "quasi automatischen Zugriff" des Staates auf den Körper Verstorbener. Sie empfehlen Information und seelsorgliche...

15.01.2020

Ein ausgefüllter Organspendeausweis
© Julia Steinbrecht/KNA

Umstrittene Widerspruchsregelung Fragen und Antworten zur Reformdebatte über Organspende

Wie ist die Organspende geregelt? Wie viele Organspenden gab es 2019? Wie ist die Organspende in anderen europäischen Ländern geregelt? Antworten rund um das Thema Organspende.

14.01.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren