Diskussion vor der Landtagswahl Bunte Ideen für die Bildung

21.09.2018

Vertreter von sieben Parteien diskutierten vor der Landtagswahl zum Thema Bildung in der Jugendkirche in München. Mit welchen Punkten die Politiker bei den Zuschauern punkten wollten, lesen Sie hier.

"Bildung gestaltet Gesellschaft" lautete das Motto der Diskussionsrunde in der Jugendkirche in München.
"Bildung gestaltet Gesellschaft" lautete das Motto der Diskussionsrunde in der Jugendkirche in München. © Kiderle

München – Bildung ist für die Parteien, die zur Landtagswahl in Bayern antreten, ein äußerst wichtiges Thema. Auf diesen knappen Nenner lässt sich die Diskussion der Vertreter von sieben Parteien (CSU, SPD, FDP, Linkspartei, Freie Wähler, Grüne und AfD) in der Jugendkirche zusammenfassen. Dorthin haben die Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese, die Katholische Erwachsenenbildung und der Sankt Michaelsbund unter dem Motto "Bildung gestaltet Gesellschaft" eingeladen, um ihre Reihe "Das Kreuz vor der Wahl" mit insgesamt vier Veranstaltungen zur Landtagswahl abzuschließen.

Gut 60 Interessierte sind gekommen. Sie erfahren eingangs, dass nicht nur für den CSU-Abgeordneten Thomas Goppel der Glaube wichtig ist. Michael Piazolo, der für die Freien Wähler im Landtag sitzt, berichtet, dass er unter anderem an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten studiert hat und dass ihm die katholische Soziallehre viele Argumente für die politische Arbeit liefert. Und die evangelische SPD-Abgeordnete Diana Stachowitz erklärt, dass Christsein für sie bedeutet, „zuerst auf die Schwachen zu schauen“. FDP-Kandidat Jakob Schäuble, der sich nicht konfessionell outet, ist immerhin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik und Sozialpolitik der Katholischen Universität Eichstätt.

Klaus Müller kommentierte die Diskussion live per Leinwand-Übertragung mit seinen Karikaturen.
Klaus Müller kommentierte die Diskussion live per Leinwand-Übertragung mit seinen Karikaturen. © Kiderle

Mehr Lehrkräfte für die Schulen

In der Diskussion geht es zunächst um die schulische Bildung. „Dafür geben wir zu wenig Geld aus. Wir wollen, dass künftig sieben Prozent des bayerischen Haushalts statt bisher vier Prozent dafür verwendet werden“, fordert Ates Gürpinar, der für die Linke in den Landtag einziehen möchte. Seine Partei will außerdem „eine Schule für alle Kinder, dafür mit kleineren Klassen“. Thomas Goppel fordert, dass Lehrkräfte mehr Zeit für die individuelle Begleitung der Schülerinnen und Schüler haben müssten. Michael Piazolo will Lehrerinnen und Lehrer schützen, da sie zunehmend Opfer von Mobbing und Gewalt würden. Außerdem plädiert er für eine 110-prozentige Lehrerversorgung, „damit nicht gleich die erste Grippewelle den Unterricht zusammenbrechen lässt.“

Martin Sichert von der AfD fordert, dass Eltern dann, wenn sie zu Hause bleiben um ihre Kinder zu erziehen, den dadurch entstehenden Verdienstausfall voll ersetzt bekommen sollten. „Das wäre eine echte Wahlfreiheit.“ Diana Stachowitz von der SPD wünscht sich multiprofessionelle Teams mit Pädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen in den Schulen. „Wir brauchen zwar mehr Lehrer, aber die Zahlen sind nicht so entscheidend,“ betont dagegen FDP-Kandidat Jakob Schäuble. „Wichtig ist die Motivation der Lehrer und dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben können.“ Der grüne Abgeordnete Ludwig Hartmann wünscht sich eine bessere technische Ausstattung für die Schulen: „Es kann nicht sein, dass die Geräte, die die Schüler in der Tasche haben, leistungsfähiger sind als die PCs im Klassenzimmer.“

Schauplatz des Geschehens war die Jugendkirche in München-Haidhausen.
Schauplatz des Geschehens war die Jugendkirche in München-Haidhausen. © Kiderle

Lebenslanges Lernen wird wichtiger

Anschließend geht es um die Themen „lebenslanges Lernen“ und „Digitalisierung“. Hier herrscht Konsens, dass es in Zeiten rapiden Wandels nötig ist, sich laufend weiterzubilden, um beruflich einsetzbar zu bleiben. Michael Piazolo von den freien Wählern wünscht sich wieder eine bessere Anerkennung der beruflichen Ausbildung. „Wir brauchen nicht nur Akademiker, sondern ebenso dringend Facharbeiter.“ In der Abschlussrunde erklärt jeder, was er oder sie in den kommenden fünf Jahren konkret im Landtag anpacken will. Thomas Goppel will sich beispielsweise dafür einsetzen, dass die Lehrerbesoldung geändert wird, damit die Leistungen von Lehrkräften an Grund- und Mittelschulen besser anerkannt werden. Ludwig Hartmann will vor allem mit seiner Partei Entscheidungen treffen können. „Wir wollen Regierungsverantwortung übernehmen“, betont er.

Moderatorin Bettina Bäumlisberger hat die Diskussionsrunde gut im Griff. Nach allerspätestens drei Minuten ist jeder mit seinem jeweiligen Beitrag zu Ende. Auch der Umgang miteinander bleibt sachlich. Nach einer guten Stunde Podium gibt es für Interessierte noch die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Parteienvertretern. „Hat Spaß gemacht“, postet am Ende des Tages FDP-Mann Schäuble mit einem Gruppenselfie auf seiner Webseite. (Gabriele Riffert)


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