Asylpolitik Caritas begrüßt Lockerung des Arbeitsverbots für Flüchtlinge

01.08.2018

Gut integrierten Flüchtlingen soll das Arbeiten leichter ermöglicht werden. Das hat Ministerpräsident Markus Söder angekündigt. Die Caritas hat das schon lange gefordert.

Gut integrierten Flüchtlingen soll das Arbeiten leichter ermöglicht werden.
Gut integrierten Flüchtlingen soll das Arbeiten leichter ermöglicht werden. © imago

München – Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hat den Kurswechsel von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begrüßt, gut integrierten Flüchtlingen das Arbeiten leichter zu ermöglichen. Schon lange fordere die Caritas, die Arbeitsverbote für Flüchtlinge zu lockern, erinnerte Direktor Georg Falterbaum am Dienstag in München. Dies sei auch jüngst in einem offenen Brief des katholischen Wohlfahrtsverbands an Politiker aller Parteien verlangt worden. Umso erfreulicher sei es, dass Söder jetzt bei der Einweihung des neuen Landesamtes für Asyl auf die Vorschläge von Caritas und Erzdiözese eingegangen sei.

Human, menschenwürdig und sensibel

Sollte das Landesamt die Bleibemöglichkeiten von integrationswilligen Flüchtlingen dauerhaft verbessern, "begrüßen wir das außerordentlich", erklärte Falterbaum. Die Caritas plädiere dafür, Asylsuchenden nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt zu geben, vor allem wenn sie hülfen, ihre Identität nachzuweisen. Dies solle unabhängig vom Verfahrensstand ihres Asylgesuchs oder Herkunftslandes gelten. "Wer Integrationsinteresse zeigt, soll auch dafür belohnt werden." So könne sich eine Win-Win-Situation ergeben, wenn sich Flüchtlinge etwa in sogenannten Mangelberufen wie der Pflege engagierten.

Grundsätzlich gelte für die Caritas, "solange die Zufluchtsuchenden bei uns sind, müssen sie human, menschenwürdig und sensibel behandelt werden", ergänzte Falterbaum. Erneut übte der Verband jedoch Kritik an den ab 1. August geplanten Anker-Zentren in den sieben bayerischen Regierungsbezirken.

Caritas-Direktor Georg Falterbaum
Caritas-Direktor Georg Falterbaum © Caritasverband München und Freising

Flüchtlinge und Ausbildung

Die SPD-Landtagsfraktion forderte in Sachen Ausbildungserlaubnis für Flüchtlinge die Staatsregierung am Dienstag ihrerseits auf, umgehend tätig zu werden. In ganz Bayern stünden motivierte Männer und Frauen mit Fluchthintergrund mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche in den Startlöchern. Mit einer einfachen Anweisung an die Ausländerbehörden könne die Neuregelung schon ab morgen angewendet werden, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Partei, Angelika Weikert.

Wirtschaft und Handwerk suchten händeringend nach Arbeitskräften, fügte die SPD-Politikerin hinzu. Bisher lasse die Staatsregierung viele Flüchtlinge aber nicht arbeiten, sondern zwinge sie zur Untätigkeit und halte sie in ständiger Angst vor Abschiebung: "Dem versprochenen Paradigmenwechsel müssen jetzt Taten folgen." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Flucht & Asyl

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