Jahrespressekonferenz Caritas für Offenheit und Zusammenhalt

19.07.2018

Drei Monate vor der bayerischen Landtagswahl will die Caritas der Erzdiözese sich weiter politisch positionieren. Caritasdirektor Georg Falterbaum erläuterte die Forderungen.

Unter dem Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ tourt der Caritasverband mit seiner „Roadshow“ derzeit durch ganz Oberbayern. Caritasdirektor Georg Falterbaum will damit auf die Wohungsnot nicht nur in München aufmerksam machen. © Kiderle

München – Drei Themen sind es, die Georg Falterbaum besonders am Herzen liegen: Wohnungsbau, Fachkräftemangel und Integration von Asylsuchenden. Drei Monate vor der bayerischen Landtagswahl will der Caritasdirektor der Erzdiözese München und Freising seinen Verband dazu klar in Stellung bringen, um so Einfluss sowohl auf die Politiker als auch auf die Wähler zu nehmen. Denn, so Falterbaum bei der Jahrespressekonferenz des Diözesan-Caritasverbandes: „Wir streben eine Kultur der Offenheit und des Zusammenhalts an. Eigene Vorurteile reflektieren, bewusst mit Worten und Urteilen umgehen – das fordern wir von der Politik und von uns selbst ein.“ Als Träger von insgesamt 350 sozialen Einrichtungen verschiedenster Art und Arbeitgeber von 8.944 Mitarbeitern ist die Caritas nach den Worten ihres Direktors „Anwalt für diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sondern am Rande der Gesellschaft“.

Krisendienst Psychiatrie eingerichtet

Konkret bedeutet das, dass die verschiedenen Dienste und Einrichtungen sich um insgesamt 65.000 Klienten kümmern, seien es alte Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderung oder Asylsuchende. Besonders hob Falterbaum zwei Beispiele hervor. Zum einen ein neues Caritas-Haus in Traunstein, das Modellcharakter aufweist. Hier befinden sich Altenheim und Caritas-Zentrum mit seinen unterschiedlichen sozialen Diensten unter einem Dach. Ein offenes Haus also, zu dem jeder Zugang hat, der auf der Suche nach Hilfe ist. Herzstück der neuen Einrichtung ist eine Cafeteria, die als Zuverdienstprojekt für 15 Menschen mit psychischen Erkrankungen geführt wird. Diese Personengruppe steht auch im Mittelpunkt des zweiten Beispiels, das Falterbaum nennt: des Krisendiensts Psychiatrie, den die Caritas zusammen mit dem Bezirk für ganz Oberbayern etabliert hat. Über eine einheitliche Telefonnummer (0180/6553000) bekommen Betroffene Soforthilfe bei Krisen und in Notfällen. Besetzt ist die Leitstelle täglich von 9 bis 24 Uhr.

Auch politisch habe der Caritasverband einiges bewegt. Falterbaum verwies dabei auf das von der Bayerischen Staatsregierung neu gefasste Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz. Nachdem zahlreiche Betroffene und Verbände lautstark ihre Kritik daran geäußert hätten, sei auf die geplante Zentraldatei und die Speicherung von Patientendaten verzichtet worden. Darüber hinaus sei auf eine Initiative von Caritas-Diözesan- und Landesverband erreicht worden, dass „entgegen der politischen Großwetterlage“ Stellen in der Asylsozialberatung aufgestockt werden konnten.
Das Thema Wohnungsnot wird die Caritas auch in Zukunft weiter beschäftigen. Mit ihrer Jahreskampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ (wir berichteten) will der Verband sich weiterhin für die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen in München, aber auch im Umland einsetzen. Wohnungsnot sei, so erklärte Falterbaum, längst nicht mehr nur ein Problem der sozial Schwachen. Zunehmend sei auch die bürgerliche Mitte davon betroffen.

Finanzen "mehr als ausgeglichen"

Caritas-Vorstandsmitglied Gabriele Stark-Angermeier konkretisierte im Anschluss an Falterbaums Ausführungen die Forderungen der Caritas in den Bereichen Kinderbetreuung, Pflege und Personal und mahnte hierfür tragfähige Finanzierungslösungen an. Stark-Angermeier ging auch auf den bestehende Fachkräftemangel im sozialen Bereich ein. So sei, führte sie aus, „die Gewinnung und Bindung von qualifiziertem Personal eine entscheidende Zukunftsfrage für den Caritasverband.
Zum Schluss der Jahrespressekonferenz präsentierte Finanzvorstand Thomas Schwarz schließlich noch die Zahlen des vergangenen Jahres. So habe der Verband im Geschäftsjahr 2017 ein „mehr als ausgeglichenes“ Ergebnis erzielt. Dies, erläuterte Schwarz, grenze angesichts der vielen Angebote, die nicht ausreichend oder teils gar nicht refinanziert seien, an „eine Meisterleistung“. Der Jahresüberschuss betrug rund 2,1 Millionen Euro (2016: 814.000 Euro) bei einer Bilanzsumme von 427 Millionen Euro. Auf der Einnahmenseite konnte die Caritas insgesamt rund 8,4 Millionen Euro aus Spenden, Erbschaften und ihren jährlich stattfindenden Sammlungen verbuchen. Der Zuschuss der Erzdiözese München und Freising aus Kirchensteuermitteln belief sich im vergangennen Jahr auf rund 31 Millionen Euro.

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Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de


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