Jahresbericht 2020 Caritas München zieht Krisen-Bilanz

14.07.2021

In der Jahrespressekonferenz der Caritas wird vor allem eines deutlich: Auch hier hat die Pandemie für Mehraufwand gesorgt. Der Sozialverband appelliert für mehr Tempo in den Behörden.

Seit April bilden Gabriele Stark-Angermeier und Thomas Schwarz die Doppelspitze des Vorstands der Caritas München und Oberbayern.
Seit April bilden Gabriele Stark-Angermeier und Thomas Schwarz die Doppelspitze des Vorstands der Caritas München und Oberbayern. © SMB/Strauß-Richters

München - Im Corona-Jahr 2020 ist es beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising bei den Sach- und Personalkosten zu teils immensen Mehraufwendungen gekommen. Grund dafür seien unter anderem die behördlich angeordneten Schließungen gewesen, die Mindereinnahmen nach sich gezogen hätten, erklärte der für die Finanzen zuständige Vorstand Thomas Schwarz am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz in München. Viele der fehlenden Einnahmen und zusätzlichen Kosten seien durch Rettungsschirme und Ausgleichszahlungen der Kostenträger abgemildert worden. Doch hätte sich der Verband mehr Tempo bei den Behörden gewünscht.

Jahresüberschuss trotz schwieriger Bedingungen

Bisher habe die Caritas etwa in 280 Fällen wegen der vorgeschriebenen Quarantänesituationen Erstattung des Verdienstausfalls beantragt und sei dabei mit über 424.000 Euro in Vorleistung gegangen, so Schwarz.
Derzeit seien 42 Anträge bearbeitet worden, in 38 Fällen sei das Geld erstattet, vier Anträge seien abgelehnt worden.
Trotz der schwierigen Bedingungen betrage der Jahresüberschuss des Caritasverbands 2020 bei einer Bilanzsumme von 445 Millionen Euro rund 10,3 Millionen Euro, sagte Schwarz. Dieser resultiere jedoch im Wesentlichen aus dem Verkauf des Gebäudes des ehemaligen Altenheims in Scheyern. Das Geld werde im laufenden und nächsten Jahr dringend gebraucht, um wichtige Bauvorhaben durchzuführen. Dazu gehörten etwa der Neubau eines Altenheims in Germering sowie jener der Wendelstein-Werkstätten in Rosenheim.

Hoher Zuschuss der Erzdiözese

Der Großteil der Erträge, nämlich rund 57 Prozent, seien aus Umsatzerlösen und Leistungserträgen generiert worden, berichtete der Vorstand. Das umfasse die Vergütungen aus Pflege- und Krankenkassen und der überörtlichen Sozialhilfeträger sowie die Eigenanteile der betreuten Personen in den Einrichtungen und Diensten. Ein gutes Drittel der Einnahmen seien öffentliche und kirchliche Zuschüsse. So habe die Erzdiözese München und Freising die Caritas-Arbeit mit rund
30 Millionen Euro unterstützt. Unter den insgesamt 27 Diözesen sei dies der höchste Zuschuss für einen Diözesancaritasverband. Dazu kämen Spenden und Erbschaften in Höhe von rund 10 Millionen Euro.
Mit fast 10.000 Mitarbeitenden, zu 83 Prozent Frauen, ist die Caritas München und Oberbayern nach eigenen Angaben der größte soziale Arbeitgeber in dieser Region. An die 70.000 Personen pro Jahr nutzten die Angebote der mehr als 350 Einrichtungen und Dienste. Dazu kämen
27 Altenheime mit 3.000 Plätzen. Auch ambulante Pflege für Senioren und Menschen mit Behinderung und 102 Kindertageseinrichtungen halte man vor, außerdem mehrere Schulen. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Thomas Schwarz und Gabriele Stark-Angermeier
© SMB

Diözesan-Caritas richtet Forderungen an die Politik

Die Caritas veröffentlicht ihren Jahresbericht für das Coronajahr 2020. Davon ausgehend formuliert der Verband vier Forderungen für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt.

14.07.2021

Junge Frau kniet neben alter Dame im Rollstuhl.
© Fotolia.com/shootingankauf

"Eine durchweg positive Bilanz"

Vor zehn Jahren, am 1. Juli 2011, wurde in Deutschland der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Nach aktuellem Stand sind derzeit bundesweit mehr als 36.000 "Bufdis" im Einsatz.

01.07.2021

Seit 2018 ist Gabriele Stark-Angermeier im Vorstand des Caritasverbandes in der Erzdiözese München und Freising.
© Caritas

Viel gelernt und menschlich zusammengerückt

Ein Jahr Corona bei der Caritas: Eine Zwischen-Bilanz.

25.06.2021

Hand auf Rechnungen, daneben ein Taschenrechner und ein Laptop
© fizkes - stock.adobe.com

Caritas: Pandemie sorgt für Geld-Probleme in allen Schichten

Kurzarbeit, Verlust des Arbeitsplatzes: Die Corona-Pandemie hat bei vielen finanzielle Probleme verursacht. Dabei drohen nun Menschen in Überschuldung zu geraten, die vorher nicht damit gerechnet...

01.06.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren