Demonstrationen von Asylbewerbern Caritas: Proteste nicht abwürgen

04.09.2013

Der Protestzug von Asylbewerbern durch Bayern ist Dienstagnacht in München friedlich zu Ende gegangen. Das Einschreiten der Polizei bei den Demonstrationen im Freistaat sei insgesamt aber zu hart gewesen, sagt der Migrationsbeauftragte der Münchner Caritas, Wilhelm Dräxler.

Proteste der Asylbewerber am Dienstag in der Münchner Innenstadt (Bild: Sankt Michaelsbund)

Der Protestmarsch der Asylbewerber aus Würzburg und Bayreuth wurde am Dienstagabend aufgelöst, nachdem eine schwangere Asylbewerberin vermutlich aus Erschöpfung ohnmächtig geworden war. Die Nacht haben die Flüchtlinge im Gewerkschaftshaus des Deutschen Gewerkschaftsbunds in München verbracht – wohl aus Angst vor weiteren Polizeikontrollen. Derzeit beraten sie dort über weitere Proteste. Bei den Demonstrationen in Bayern hatten die Flüchtlinge wiederholt gegen ihre Residenzpflicht verstoßen und wurden von der Polizei zurück in ihre jeweiligen Asylunterkünfte geschickt.

Dies kritisierte Wilhelm Dräxler von der Münchner Caritas im Gespräch mit dem Münchner Kirchenradio. Zumindest für Protestaktionen, „um sein Anliegen vorzubringen“, sollte die Residenzpflicht gelockert werden, so der Migrationsbeauftragte. Dräxler schlägt grundsätzlich vor, dass die Asylbewerber die Unterkünfte verlassen dürfen, wenn sie eine Wohnung oder Arbeit nachweisen können.

In den vergangenen Jahren habe die Münchner Caritas immer mehr Flüchtlinge in München gezählt. Ein schneller Zugang zu den zuständigen Behörden und auch Angebote wie Deutschkurse seien in den Ballungsräumen leichter greifbar. Mehr Flüchtlinge in München bedeuteten aber, dass mehr Wohnräume gefragt sind. Es sei heute aber nicht mehr so einfach möglich, in der bayerischen Landeshauptstadt ungenutzte Häuser anzumieten. „Man hat Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre sehr viele Unterkunftskapazitäten abgebaut“, kritisierte Dräxler.

Die Kirchen versuchen bei den Engpässen zu helfen und neue Unterkünfte für Asylbewerber zu schaffen. Dazu ging im Juli ein Schreiben von Kardinal Reinhard Marx an alle bayerischen Bistümer. (ksc/es)

Das komplette Interview mit Wilhelm Dräxler hören Sie um 21.20 Uhr im Münchner Kirchenradio


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