Selbstständigkeit Caritas-WG für junge Wohnungslose

24.02.2018

Jung, ohne Arbeit und ohne Wohnung: In Fürstenfeldbruck hat die Caritas jetzt eine Wohngemeinschaft für Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation eröffnet.

Junge Wohnungslose lernen in einer Wohngemeinschaft der Caritas, wieder Struktur in ihr Leben zu bringen © Caritas/Wieland

Fürstenfeldbruck – Johann ist 25 Jahre alt und hat eine Ausbildung als Wäschereifachkraft. Er hat die Lehre in einer Caritas-Einrichtung gemacht, wo er auch wohnen konnte. Das Lernen ist ihm immer schwergefallen, doch in dem geschützten Rahmen hat er es gut geschafft. Durch seine psychischen Probleme hat er Schwierigkeiten, sich selbst zu organisieren und einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Zu seiner Familie hat er nur selten Kontakt und eine Vermittlung in „einen ganz normalen Job“ habe nicht geklappt, erzählt er der Leiterin des Projekts „junge wohnungslose Menschen“, Katharina Lahmann-Mansour. Schließlich landete Johann in einer Pension für Wohnungslose mit meist alkoholkranken und psychisch kranken Männern. Er rutschte immer tiefer in eine scheinbar ausweglose Lage. Doch seit ein paar Wochen schöpft er neue Hoffnung. Als Erster konnte er in eine Wohngemeinschaft einziehen, die die Caritas im Januar für junge Wohnungslose im Landkreis Fürstenfeldbruck einrichtete.

Probleme mit Ausbildung oder Drogen und Alkohol

„Junge Wohnungslose brauchen einen geschützten Raum, um für sich den Weg in ein selbstständiges Leben zu finden“, betont Lahmann-Mansour. In einem denkmalgeschützten Haus, dem ehemaligen Warmbadehaus der Gemeinde auf der Lände, hat die Stadt Fürstenfeldbruck eine 100 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung zur Verfügung gestellt. Es gibt drei Schlafzimmer mit je zwei Betten, ein Bad, eine Küche und ein kleines Büro für die Beraterinnen. Bis zu einem Jahr sollen junge Frauen und Männer dort wohnen können. „Junge Menschen, die wohnungslos werden, haben fast alle den Übergang ins Erwachsenenleben nicht bewältigt“, erklärt die Sozialpädagogin. Es fehle meist ein familiäres Netz, es gebe Probleme mit der Ausbildung oder mit Drogen und Alkohol. Luca zog Mitte Januar ein. Er hat sich mit seinen 24 Jahren aus einer schweren Alkoholabhängigkeit befreien können. Sie war der Grund, warum er keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern hat. Auf dem Höhepunkt seiner Alkoholexzesse hat ihn seine Familie auf die Straße gesetzt. Heute ist er trocken. Bis zum Einzug in die Wohngemeinschaft wohnte er in einer Containeranlage für Obdachlose in Maisach. „Das war schon hart“, erzählt er. Die meisten Männer dort seien schwer alkoholkrank und es sei oft laut. „Und mit der Hygiene war es schlecht bestellt“, sagt Luca.

Verhältnis zu Eltern verbessern

Er genieße es, nur mit einigen Menschen zusammenzuwohnen und selbst dafür sorgen zu können, dass die Küche sauber ist. Erst gestern hat er das Bad gründlich geputzt. Luca wird von der Fachambulanz für Suchtkranke auch weiter betreut. Sein großer Wunsch ist, wieder in seinem erlernten Beruf als Landschaftsgärtner arbeiten zu können. Lahmann-Mansour bespricht mit ihm die anstehenden Termine im Job-Center. Im Frühjahr gehe es in den Gärtnereien ja wieder richtig los, weiß Luca. Dann möchte er dabei sein. Luca wünscht sich nichts mehr als ein geordnetes Leben, eine eigene Wohnung und eine feste Partnerschaft und Familie. Letztlich will er auch wieder ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern bekommen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

„Wir erarbeiten mit den jungen Menschen Ziele und weisen ihnen mit dem Unterstützungsnetz der Caritas Wege in ein selbstständiges Leben“, erklärt die Beraterin. Manchmal seien die Schritte auf diesem Weg ganz klein. „Wir beginnen damit, dass sie erst mal für sich selbst sorgen, sich regelmäßig duschen oder rechtzeitig zum Arzt gehen.“ Sie müssten lernen, sich selbst anzunehmen und achtsam mit sich umzugehen. Aber auch das Zusammenleben mit Kochen, der Gestaltung der Freizeit, Putz- und Waschdiensten würde dazu beitragen, dass junge Menschen ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen.

Achtsam mit sich umgehen

In Kooperation mit Arbeitsprojekten der Caritas, dem Hofcafé und dem Gebrauchtbuchladen würde regelmäßiges Arbeiten trainiert und die Belastungsfähigkeit erprobt. „Natürlich brauchen wir auch Regeln und Grenzen“, ergänzt Lahmann-Mansour. In der Wohnung dürfe nicht geraucht und kein Alkohol getrunken werden. Noch sieht sie keine Probleme: „Die Jungs trinken nur Tee und rauchen gar nicht.“ Wenn die jungen Menschen sich so weit stabilisiert haben, sollten sie in eine eigene Wohnung ziehen. Dann würde die Sozialpädagogin mit ihrem Team auch eine Nachsorge übernehmen, Ansprechpartnerin bleiben.

Auf Initiative des Landratsamtes und des Kreistages wurde vor drei Jahren der Arbeitskreis „Jung und obdachlos“ gegründet. Eine Umfrage habe ergeben, dass es 2015 im Landkreis Fürstenfeldbruck 199 wohnungslose junge Menschen gegeben habe, 2014 waren es nur 149. Insgesamt gebe es im Landkreis zu wenig Angebote für junge Wohnungslose. Darauf habe der Kreistag dieses Modellprojekt mit der Caritas auf den Weg gebracht. „Ohne Hilfe der Stadt hätten wir wohl keine Wohnung für das Projekt gefunden“, sagt die Projektleiterin. „Der Bedarf ist so groß, dass wir sofort eine zweite Wohngemeinschaft aufmachen könnten.“ Es habe für die Einrichtung der Wohnung einige Spenden gegeben. Da alle Bewohner zunächst aber Empfänger von Arbeitslosengeld II seien, wären vor allem Spenden willkommen, um gemeinsame Ausflüge oder auch täglich ein Frühstück für alle zu finanzieren. (ua)

Frühjahrssammlung der Caritas 2018


Der Auftaktgottesdienst zur Caritas-Frühjahrssammlung 2018 findet am Sonntag, 25. Februar, um 9 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes in Erding statt. Caritaspräses Pfarrer Augustinus Bauer feiert ihn gemeinsam mit Ortspfarrer Martin Garmaier. Kirchenkollekte, Haus-, Straßen- und Briefsammlung finden dann in der ganzen Erzdiözese von Sonntag, 25. Februar, bis Sonntag, 4. März, statt.


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