Hilfe während Corona Caritasverband trotzt der Krise

21.07.2020

Der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands musste erst lernen, mit der Corona-Krise umzugehen. Viele Angebote wurden pandemiebedingt umstrukturiert, aber auch neue Projekte entstanden.

Zwei ineinander gelegte Hände halten ein rotes Herz.
Die Caritas hat viel getan, um Menschen auch während der Corona-Krise die nötige HIlfe anbieten zu können. © stock.adobe.com - sewcream

München – Bei der Caritas arbeiten fast 700.000 Menschen haupt- und noch viele Hunderttausend mehr ehrenamtlich. Rund 13 Millionen Menschen wenden sich jedes Jahr an den Verband und bekommen Hilfe ganz unterschiedlicher Art. Auch in der Erzdiözese München und Freising betreibt die Caritas hunderte Einrichtungen, darunter Altenheime, Beratungsstellen, Behindertenwerkstätten und Jugendhäuser. Die Corona-Krise hat den Verband zwar richtig durchgeschüttelt, aber auch gezeigt, wie wichtig seine Arbeit ist. Außerdem wurden auch neue Projekte gestartet, um auf die durch Corona entstandenen Probleme zu reagieren.

Ein Foodtruck gegen Hunger auf der Straße

Geschlossene Suppenküchen, keine Tafeln und nirgends etwas Warmes zu Essen: Als Bayern in den Lockdown geschickt wurde, bedeutete das erst einmal das Ende vieler Essensangebote für Bedürftige. Die Caritas charterte deshalb kurzerhand zwei Foodtrucks und versorgte damit hunderte Obdachlose und Hilfsbedürftige mit warmer Suppe, Kaffee und Lunchpaketen. „Einmal am Tag etwas Warmes zum Essen, das ist wichtig“, weiß Yvonne Möller vom Caritas Freiwilligenzentrum München Ost, die die beiden Foodtrucks mitbetreute. „Einer am Karl-Stützel-Platz und einer in der Schwanthalerstraße 146.“ In zwei Schichten wurde vormittags und nachmittags gearbeitet, um die etwa 400 Menschen zu versorgen, die täglich zu den Foodtrucks kamen. Unterdes baute die Caritas am Standort in der Schwanthalerstraße eine stationäre Essensausgabe auf, die inzwischen in der Lage ist, allein alle Menschen zu versorgen, die zuvor auf die Foodtrucks angewiesen waren.

Der Caritas gelang es mit der Aktion außerdem auf die Nöte vieler Münchner aufmerksam zu machen – und fand Unterstützer: Ein amerikanischer Computerchiphersteller spendete 160.000 Dollar, Starkoch Alfons Schuhbeck bekochte die Bedürftigen sogar höchst selbst und zeigte sich hinterher begeistert vom Projekt: „Da helfen‘s alle mit Elan und Schwung mit und ich habe es auch wirklich gern gemacht.“

Kirchlich soziale Hilfsfonds

Egal ob Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, viele Menschen wurden von der Corona-Krise vor allem finanziell hart getroffen. Aber auch hier bekommt man im Erzbistum Hilfe, erklärt Martin Schopp, der die kirchlich sozialen Hilfsfonds im Caritas-Ressort des Ordinariats verwaltet. Vor allem mit dem „Allgemeine Notlagenfond“ kann schnell geholfen werden, verspricht Schopp: „Eine Beratungsstelle muss nur den Antrag stellen und wenn das genehmigt ist, dann wird das Geld sehr schnell überwiesen.“ Möglichst unbürokratisch soll alles sein. Neben dem allgemeinen Notlagenfond gibt es außerdem einen Hilfsfond für Schwangere und Mütter in Notsituationen, einen Hilfsfond für Flüchtlinge und mit dem „Monsignore Fellerer Fond“ auch noch einen Geldtopf, der speziell für bedürftige Künstler gedacht ist.

Gegeben hat es diese finanziellen Unterstützungen auch schon vor Corona, so wichtig wie jetzt waren sie aber wohl selten. In der außergewöhnlichen Situation soll außerdem noch zusätzlich Geld lockergemacht werden: Der für internationale Hilfe mit einer Million ausgestattet Kathastrophenhilfsfond des Erzbistums kann in diesem Jahr auch für Notleidende im Bistum genutzt werden, sagt Schopp: „Da steht dann auf alle Fälle eine größer Summe zur Verfügung, die wir dann auch verwenden können.“ Gemeinsam mit den staatlichen Hilfsangeboten will das Erzbistum so sozial Schwächere unterstützen. Das ist nötig, denn auch, wenn München als wohlhabende Stadt gilt, lebten schon vor der Corona-Krise mehr als eine viertel Million Münchner in relativer Armut.

Beratungsangebote in Flüchtlingsunterkünften

Auch in 20 Flüchtlingsunterkünften in München ist die Caritas aktiv. Dort bietet sie Beratungen, verschiedene Förderungen und Betreuungsangebote an. So zum Beispiel auch in der Gemeinschaftsunterkunft in der Triebstraße. Hier hilft die Caritas mit Übersetzungsdiensten, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder. Mit dem Lockdown durften die Mitarbeiter die Unterkünfte aber teilweise gar nicht mehr betreten. Die Caritas versuchte trotzdem alles, um die Menschen nicht allein zu lassen. „Dafür mussten wir unsere Arbeit komplett anders organisieren“, erzählt die zuständige Fachdienstleiterin Kerstin Forster, „um an den Klienten dran zu bleiben und sie nicht alleine zu lassen.“

Gerade Homeschooling sei in den Flüchtlingsunterkünften besonders schwierig gewesen. Normalerweise werden die Kinder in Gruppen zwischen zehn und 20 Kindern betreut, was durch die Coronabeschränkungen aber nicht mehr möglich war. Das Angebot einfach zu digitalisieren sei ebenfalls kaum umsetzbar gewesen, denn Computer stünden den Familien in den Unterkünften nur selten zur Verfügung und auch die Sprachbarriere mache das Lernen schwierig, sagt Forster. Die Caritas-Mitarbeiter wollten den Kindern aber trotzdem helfen sagt sie: „Teilweise haben die Mitarbeiter dann auch per Telefon Hausaufgabenbetreuung gemacht, obwohl das natürlich extrem anstrengend und aufwändig ist.“ Forster befürchtet, dass die Folgen des Lern-Lockdowns für viele Geflüchtete vor allem langfristig zu spüren sein werden. Inzwischen ist die Hausaufgabenbetreuung zwar wieder möglich, allerdings nur mit bis zu vier Kindern gleichzeitig. Damit es für die so entstandenen vielen Kleingruppen genügend Betreuer gibt, hofft die Caritas jetzt auch verstärkt auf freiwillige Helfer.

Podcast-Tipp

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Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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