Virtuelle Landesversammlung Chancen der Digitalisierung nutzen

20.05.2020

Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Bayern plant aufgrund der Corona-Pandemie ihre Landesversammlung virtuell durchzuführen. Benedikt Brandstetter, ehrenamtlicher Landesvorsitzender, erzählt im Interview wie das funktioniert.

Benedikt Brandstetter
Ehrenamtlicher Vorsitzender der KLJB, Benedikt Brandstetter im Interview. © KLJB/Tammena

Ursprünglich war die 71. Landesversammlung der Katholischen Landjugendbewegung Bayern vom 21. bis 24. Mai mit mehr als 100 Teilnehmern in der Landvolkshochschule Petersberg bei Dachau vorgesehen. Nun wird es im selben Zeitrahmen gleichfalls einen Wechsel von Konferenzteilen, Berichten, Wahlen, einen Gottesdienst sowie einen Studienteil zum neuen Klima-Projekt „HITZEfrei“ geben – aber alles im Netz. Im Interview Benedikt Brandstetter (25), ehrenamtlicher KLJB- Landesvorsitzender. Er ist zuständig für Politik und Öffentlichkeitsarbeit im 26.000 Mitglieder zählenden Landesverband der KLJB Bayern.

mk online: Mit einer virtuellen Landesversammlung betreten Sie tagungstechnisches Neuland. Was hat Sie bewogen, diesen digitalen Weg zu wählen und die Versammlung nicht einfach auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben?

Benedikt Brandstetter: Für uns ist es wichtig, als KLJB Bayern zu zeigen, dass Jugendarbeit auch und gerade in diesen Zeiten wichtig ist und weitergeht. Eine digitale Landesversammlung als wichtigstes beschlussfassendes Gremium durchzuführen, bietet einerseits die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zu begegnen, bedeutet aber auch mehr: Als größter ländlicher Jugendverband in Bayern wollen wir Teil eines gesellschaftlichen Diskurses sein und uns zu Wort melden. Mit dem Start des landesweiten Projekts „HITZEfrei. Auszeit für die Erde“ soll ein Zeichen gesetzt werden, welche Erwartungen junge Menschen an die Politik in einer Zeit nach der Krise haben – mehr Klimaschutz, nachhaltige Wirtschaftspolitik und kein Wachstum auf Kosten zukünftiger Generationen.

Wie hat man sich eine virtuelle Versammlung mit über 100 Teilnehmenden vorzustellen? Da können ja nicht alle gleichzeitig an einer gemeinsamen Videokonferenz teilnehmen und miteinander diskutieren, oder? Wie ist das gesamte Prozedere geplant?

Große Teile der Versammlung werden als Videokonferenz stattfinden – wichtig sind dafür gute technische Voraussetzungen und eine gute Moderation. Das Programm, das sich über vier Tage in verschiedene Blöcke – mit vielen Pausen zwischendurch – gliedert, ist sehr vielfältig, es gibt Konferenzteile, digitale Vorträge, Ideen und Anregungen zum Austausch in Kleingruppen und für Aktivitäten alleine, einen Quizabend, Wahlen und als Highlight am Sonntag einen interaktiven Gottesdienst. Es werden verschiedene digitale Tools genutzt: Ein spezielles Programm, auch rechtlich abgesichert und von anderen mit guten Erfahrungen genutzt, mit dem sich eine geheime Wahl durchführen lässt, verschiedene Social-Media-Kanäle, über die Grußworte und Bilder geteilt werden können, und Möglichkeiten zum Austausch der Delegierten untereinander.

Was, wenn technische Schwierigkeiten auftreten?

Als Jugendverband ist es eine unglaubliche Ressource, dass wir sehr viele kompetente und engagierte junge Menschen in unseren Reihen haben, die ihre technische Kompetenz und ihre Erfahrungen aus Beruf und Studium einbringen – und so Landesstelle und Landesvorstand technisch hervorragend unterstützen. Und doch bleibt es ein Experiment, das scheitern kann. Sollte das passieren, ist aber eine spätere physische Versammlung immer noch möglich.

Was wird Ihnen bei diesem virtuellen Treffen vor allem fehlen?

Ganz klar die persönliche Begegnung und die besondere Stimmung, die nur eine „echte“ Versammlung haben kann.

Wenn sich diese Verfahrensweisen bewähren und als tragfähig erweisen sollte, werden Sie dann auch in Nach-Corona-Zeiten hiervon weiterhin Gebrauch machen?

Schon jetzt ist klar, dass Gremienarbeit sich nachhaltig verändern wird. Viele digitale Arbeitsformen werden gerade ausprobiert und bewähren sich. Wir alle lernen hier dazu. Doch auch Kirche und Politik sind hier in der Verantwortung, diese Entwicklungen zu unterstützen und zu fördern – von der entsprechenden technischen Ausstattung hauptamtlicher Fachkräfte in der Jugendarbeit bis hin zu einer adäquaten Internetanbindung in allen ländlichen Räumen. Die Frage nach Teilhabe wird hier besonders relevant. Digitalisierung ist eine Entwicklung, die spätestens jetzt in alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche Eingang gefunden hat, jetzt liegt es an allen Einzelnen, die vielfältigen Chancen zu nutzen!

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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