Rabbiner Homolka Christlich-jüdische Zusammenarbeit wichtiger denn je

10.07.2018

Der Hass auf Juden nimmt zu in unserer Gesellschaft, so der Rabbiner Walter Homolka.

Christlich-jüdischer Dialog: Papst Franziskus beim Besuch der Synagoge in Rom im Januar 2016.
Christlich-jüdischer Dialog: Papst Franziskus beim Besuch der Synagoge in Rom im Januar 2016. © imago

München – Einen zunehmenden Antisemitismus in der Gesellschaft sieht der Berliner Rabbiner Walter Homolka. Wie selten zeige sich dieser Judenhass "öffentlich, ungeschminkt und unverhohlen", sagte er laut Redemanuskript am Montagabend in München. Deshalb bleibe auch das Engagement der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) so wichtig wie eh und je. Der Rektor des Abraham Geiger Kollegs und Professor für Jüdische Religionsphilosophie an der Universität Potsdam hielt den Festvortrag zum 70-jährigen Bestehen der GCJZ München. Die am 9. Juli 1948 gegründete Vereinigung war die erste ihrer Art in Deutschland.

Heute setzen sich bundesweit 83 Gesellschaften mit zusammen rund 20.000 Mitgliedern für den christlich-jüdischen Dialog, die Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen sowie für die Aufarbeitung des Holocaust ein. Dazu richten sie unter anderem jedes Jahr im März die "Woche der Brüderlichkeit" aus.

Besonderes Projekt

Homolka rief zugleich dazu auf, in einer mehr und mehr säkularisierten Gesellschaft verstärkt Allianzen zu bilden und solidarisch zu sein. Dazu gehöre auch das Engagement in der Flüchtlingsarbeit. Als Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland verwies er auf ein "ganz besonderes Projekt" dieser Union mit dem Zentralrat der Muslime. So sei für Anfang August geplant, dass 20 junge Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak gemeinsam mit jungen Juden aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau reisen.

Die Erfahrung der GCJZ habe gezeigt, dass jede Begegnung eine persönliche Beziehung brauche, betonte der Rabbiner. Von dieser Begegnung erhoffe er sich mehr Einsicht, wie das Miteinander von Geflüchteten aus Ländern gelingen könne, die ein Zerrbild des Judentums in sich trügen. Die Arbeit mit diesen Menschen und das Zugehen auf sie sei heute "eine der wichtigsten Herausforderungen für uns Juden", sagte Homolka und fügte hinzu: "Die letzten 70 Jahre haben wir das erfolgreich mit unserer christlichen Umwelt erlernen können." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt 70 Jahre Israel

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