Die Liturgie der Osternacht „Christus, das Licht“

15.04.2017

Christen in aller Welt feiern die Osternacht. Doch wie läuft so eine Osternachtsfeier ab? Und was bedeuten die einzelnen Elemente liturgisch überhaupt? Domzeremoniar Bernhard Stürber erklärt es.

Osternacht im Liebfrauendom in München © Kiderle

Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg“: So wird uns in der Osternacht im Exsultet zugerufen. In der Osternachtsfeier, dem Herzen des ganzen Kirchenjahres, geht es um die Mitte des christliches Glaubens, um Tod und Leben, darum, dass die Nacht des Todes ein für alle Mal erhellt ist durch die Auferstehung Jesu Christi.

Der Übergang vom Tod zum Leben, vom Dunkel ins Licht wird in der Feier der Liturgie zeichenhaft dargestellt. Im Dunkel der Nacht versammelt sich die christliche Gemeinde. Sie wartet im Glauben auf den Anbruch des lichtvollen Ostertages. Das Osterfeuer wird entzündet, und dabei wird gebetet: „Segne dieses neue Feuer, das die Nacht erhellt, und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergänglichen Licht […]“ An diesem Feuer aus dem Heiligen Geist wird die Osterkerze entzündet. Die Kerze ist geziert mit dem Kreuz, dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, Alpha und Omega, sowie mit fünf Nägeln, stellvertretend für die Wundmale Jesu, und schließlich der Jahreszahl. Christus, der Herr aller Zeiten, Anfang und Ende der ganzen Schöpfung, hält alle Zeit in sei- nen Händen. Das Kreuz soll schließlich daran erinnern, dass alle Osterfreude allein aus dem Kreuz, aus der liebenden Hingabe Christi, hervorgeht.

Sodann zieht die versammelte Gemeinde mit dem liturgischen Dienst hinter der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche hinein. Wenn Ursymbole sprechen, würde vieles Reden die Botschaft zerstören. Nur zwei Worte sind es, die genügen müssen, um das Geheimnis des Lichtes, das das Dunkel besiegt, zu benennen: „Lumen Christi!“ – „Christus, das Licht!“, „Deo gratias“ – „Dank sei Gott“, antworten alle. Was sollte man auch sonst auf ein solches Geschenk antworten? Wenn die Prozession in den Kirchenraum hineinschreitet, erscheint das Gottesvolk des neuen Bundes wie das alte Gottesvolk Israel in der Wüste: Der Herr geht im Lichtschein voran. Doch dieses Licht bleibt nicht für sich. Es strahlt umher, verschenkt sich, teilt sich mit an alle Anwesenden. Alle Getauften erhalten Anteil am Osterlicht und -leben. Es wird nicht weniger, wenn es sich verteilt und verschenkt.

Die Osterkerze wird auf den Osterleuchter gestellt, und der Diakon verkündet in überfließenden Worten das große Osterlob (Exsultet): jubelnde, preisende Theologie. Immer wieder wird die „selige Nacht“ betont. Dieser Lobpreis lässt alle menschlichen Grenzen hinter sich. Gottes Großtat ist zutiefst Verwandlung der Welt. Die ganze Schöpfung wird in das Osterlob mit hineingenommen. Nichts und niemand soll in dieser hochheiligen Nacht am Rande stehen!

Osterevangelium als Höhepunkt

Nach der Lichtfeier folgt die eigentliche Ostervigil, die Nachtwache mit dem Herrn, als ausgedehnter Lesegottesdienst, in seiner Vollform mit sieben alttestamentlichen Lesungen, einer Lesung aus dem Neuen Testament und als Höhepunkt das Osterevangelium. Die Geschichte Gottes mit seinem erwählten Volk, das heißt die ganze Heilsgeschichte, Schöpfung, Befreiung aus der Knechtschaft, das Mitgehen Gottes in der Geschichte, Vergebung der Schuld bis zur Verheißung des kommenden Messias werden gleichsam in einem Zeitraffer vor Augen geführt. Von Anfang an läuft die Geschichte auf Jesus Christus zu und gipfelt schließlich in seiner Teilhabe an Gottes eigenem Leben, da er nunmehr in der Herrlichkeit des Vaters vollendet und im Heiligen Geist ganz eins mit dem Vater ist.

An genau diesem Leben Jesu Christi beim Vater haben auch wir, die wir in der Taufe im Heiligen Geist mit Christus verbunden sind, Anteil erhalten. Ostern und Taufe sind die zwei Seiten einer Medaille. Daher sollen die österlichen Schrifttexte nicht nur die bereits Getauften an die Heilsgeschichte, die auch ihre ist, erinnern. Auch die Taufbewerber (Katechumenen) sollen durch die Besinnung auf die großen Taten Gottes in der Welt und im Leben der Menschen auf ihre Lebenserneuerung in Christus durch die Taufe gestärkt werden.

Diakon Bernhard Stürber ist Domzeremoniar und Dozent für Liturgie am Erzbischöflichen Priesterseminar in München

Nach der letzten Prophetenlesung wird das feierliche Gloria angestimmt. Die Orgel wie auch die Glocken melden sich festlich zurück, nachdem sie seit dem Gloria des Gründonnerstags verstummt waren. Die Osternachtfeier unterstreicht unser neues Leben in Christus. Davon kündet dann auch die Lesung aus dem Römerbrief: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus […] von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ Die Taufe ist also zugleich unser eigenes Ostern. Die Erkennungsfanfare dafür ist das österliche „Halleluja“, das nun erklingt und dem Osterevangelium einen Resonanzboden bereitet.

Für die Taufbewerber wird in der anschließenden Tauffeier die frohe Botschaft vom Leben in Christus Wirklichkeit. Im Taufbrunnen werden sie mit dem Wasser, dem das Osterlicht „eingemischt“ wurde, getauft und bekommen Anteil an Christi Tod und Auferstehung. Sie werden gleichgestaltet mit dem Lebensschicksal Jesu Christi. Die bereits Getauften erinnern sich nun dankbar ihrer eigenen Taufe, indem sie ihr Taufbekenntnis erneuern und sich mit dem Osterwasser besprengen lassen.

Vom Taufbrunnen schreitet die Kirche schließlich zum Altar. Alle, die die sakramentale Lebenskraft der Taufe empfangen haben, ruft der auferstandene Herr an seinen österlichen Tisch zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens.

Nach dem „Gehet hin in Frieden“, gefolgt noch einmal vom Halleluja, müsste die Gewissheit bleiben, dass Gott die Geschichte vertikal aufgesprengt und nach oben hin geöffnet hat, wir also heute schon zuhause sind im Auferstehungsreich Gottes und deshalb im Hier und Jetzt alles vorläufig ist. Und dass seit Ostern alle menschliche Not und der Tod mit dem Osterlicht beglänzt sind. (Bernhard Stürber)

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