Reformationsgedenken "Christus hat uns einander näher gebracht"

30.10.2017

Der Reformationstag 2017 sei kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt - lesen Sie hier, was Kardinal Reinhard Marx exklusiv in der Münchner Kirchenzeitung zum Ende des Reformationsjahres schreibt.

Kardinal Reinhard Marx (links) und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Kardinal Reinhard Marx (links) und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm © Kiderle

Zu Beginn der vorbereitenden Reformationsdekade habe ich mich schon mit einer gewissen Skepsis gefragt, welche Bilanz wir am Ende des Jahres wohl 2017 ziehen werden. Und nach anfänglichen Irritationen und einigen Schwierigkeiten ist es uns gemeinsam gelungen, die gängigen Interpretationsmuster vergangener Reformationsjubiläen zu durchbrechen. Dabei war besonders entscheidend unsere ökumenische Verabredung, 2017 gemeinsam als Christusfest zu begehen. Wir wollten deutlich machen, dass uns der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus miteinander verbindet – und das ist deutlich mehr als uns noch voneinander trennt. Denn die Reformatoren wollten keine Kirche gründen, sie wollten neu auf Jesus Christus und seine Frohe Botschaft hinweisen, sie von Verdunkelungen

befreien und den Menschen den Weg zum Heil ebnen. Dass es uns doch gelungen ist, gemeinsam Jesus Christus zu verkünden, zeigt, wie tragfähig die Ökumene in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren geworden ist. Ich bin unseren evangelischen Geschwistern dankbar, dass sie das Reformationsgedenken in dieser Offenheit mit uns gefeiert haben. Das Jahr 2017 konnte so für die Christen ein besonderes Ereignis werden, ein wirkliches Ökumenejahr.

Um Verzeihung gebeten

Wenn ich nach meiner persönlichen Bilanz und meinen Höhepunkten in diesem Jahr gefragt werde, so denke ich zunächst an die beeindruckenden Gottesdienste, die wir gemeinsam gefeiert haben: in Hildesheim, Trier, Bochum und an Pfingsten im Münchner Dom. Darin schließe ich auch die vielen Gottesdienste auf den verschiedenen Ebenen ein: sei es das herausragende ökumenische Zeichen von Papst Franziskus in Lund oder die vielen Gottesdienste und Begegnungen in unserem Erzbistum, in den Pfarrgemeinden. Besonders nachhaltig sind für mich die Buß- und Versöhnungsgottesdienste in Hildesheim und andernorts, in denen wir einander und vor Gott unsere Schuld bekannt und um Verzeihung gebeten haben. Die Selbstverpflichtungen, die wir darin ausgesprochen haben, sind uns Mahnung und Aufgabe für die Zukunft. Auf diesem Weg gehen wir auch gemeinsam weiter. Deshalb ist der 31. Oktober 2017 kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt!

Christus in den Mittelpunkt gestellt

Das Reformationsjahr war ein Weg der Annäherungen. Ich bin sehr dankbar für die vielen ökumenischen Begegnungen, sie haben zu einer spürbaren Vertiefung der Freundschaft beigetragen. Es ist immer schwierig, solche Veränderungen in zwischenmenschlichen und -kirchlichen Beziehungen treffend zu beschreiben. Vielleicht am besten so: Wir sind miteinander einen Weg gegangen und haben gemeinsam Jesus Christus in den Mittelpunkt gestellt, der uns alle miteinander verbindet.

Nicht alle Probleme gelöst

Er hat uns einander näher gebracht, als wir es noch zu Beginn des Jahres waren. Natürlich sind auch mit diesen positiven Erfahrungen des vergangenen Jahres nicht alle Probleme gelöst. Die uns noch trennenden Fragen werden uns weiterhin beschäftigen, in Theologie und Praxis. Aber wir sind gestärkt: Gestärkt durch die Erfahrung, ein in der Vergangenheit oft konfessionell aufgeladenes und voneinander abgrenzendes Jubiläum miteinander genutzt zu haben, um aufeinander zuzugehen; gestärkt auch durch die vertiefte Freundschaft auf den unterschiedlichen Ebenen, die die Zusammenarbeit erleichtert und das Verstehen fördert; gestärkt durch die vielen auch öffentlich sichtbaren Zeichen, die gezeigt haben, dass man die Christen in Deutschland nicht mehr auseinander bekommt. Und wir sind gestärkt von Gottes Zusage, dass wir durch die Taufe alle Glieder seines Leibes sind. Das macht Mut, weiter für die noch sichtbarere Einheit der Christen zu beten und zu arbeiten.

Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising.


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