Aus dem Archiv: Weltmissionssonntag 1974 "Christus Sein für andere"

26.10.2014

Zum Weltmissionssonntag am 27. Oktober 1974 brachte die Münchner Kirchenzeitung seinerzeit unter der Überschrift „Christ ist man für andere“ einen zweiseitigen Beitrag von Karl Wagner. Hier in Auszügen.

Vier bayerische Ordensfrauen der Englischen Fräulein (heute „Congregatio Jesu“) 1974 in Patna/Indien, darunter ganz links Schwester Friederike Schöner aus dem Münchner Erzbistum. (Bild: Archiv/Missio)

München - Die Mission befindet sich heute vor einer neuen Situation. Die jungen Völker der Dritten Welt sind weitgehend Herren im eigenen Haus. Und wir, in den Ländern der alten Christenheit, wir spüren, daß wir in einem gewissen Sinn selber Missionsland geworden sind. Nicht als Alibi für die geringere Zahl an Kräften, die wir heute den Kirchen in den eigentlichen Missionsländern zur Verfügung stellen, sondern weil wir die weltumspannende und befreiende Kraft des Evangeliums neu erlernen müssen. Papst Paul VI. sagt es in seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag so: „Auf unserem Konto stehen tatsächlich viele Unterlassungssünden und Ungerechtigkeiten. Bevor man das Evangelium predigt, muß man es leben.

Das Leben eines Christen und einer christlichen Gemeinschaft ist es, was die erste missionarische Botschaft bildet. Wer nicht zuerst persönlich erfahren hat, daß Christus unser Erlöser ist, wird schwerlich in sich den unausweichlichen Drang spüren, ihn den anderen bekanntzumachen. Die Entwicklung der Missionstätigkeit der Kirche geht allzu langsam voran. Wir vergessen dabei, daß wir es sind, mit unseren schuldhaften Egoismen, mit unserer Lauheit und unserem trägen Missionseifer, die Gott sozusagen nötigen, geduldig zu sein und sich, gleichsam jenem Tempo anzupassen, das uns gerade paßt.“

Die Kirche ist nicht nur Rom

Die unmittelbare Verwirklichung des Missionsauftrags hat vor Ort zu geschehen. Sie ist Sache der jungen Kirche und ihrer Helfer, der Missionare aus unseren Ländern. Die Kirchen in Asien, Afrika, Lateinamerika und Ozeanien sind dabei auf die Hilfe der Gesamtkirche angewiesen. Auf dem letzten Konzil wurde in aller Deutlichkeit unterstrichen strichen; daß mit der Gesamtkirche nicht allein Rom mit den Päpstlichen Missionswerken gemeint ist, sondern jedes Bistum, jede Gemeinde, jeder Christ. Und die in weiter Ferne gehen uns nicht nur etwas an, weil ihre Kraft allein nicht reicht.

Nach Professor Karl Rahner SJ geht es nicht nur um Almosen, solidarische Hilfe und ein frommes Gebet. Unser Heil ist im Spiel. Er meint: „Es kann einer das ewige Leben finden, auch wenn er – allerdings ohne eigene Schuld – nicht ausdrücklich Gott gekannt und angerufen hat. Aber niemand findet Gott und damit sein Heil, der seinen Nächsten nicht ausdrücklich in Tat und Wahrheit liebt. Wenn Christen durch ihre Liebe zum Nächsten bezeugen sollen, daß Gott uns liebt, dann dürfen sie dabei nicht vergessen, daß heute alle in der Welt solidarisch werden müssen, wenn es überhaupt noch weitergehen soll. Dann müssen sie auch die in weiter Ferne lieben. Man braucht sich nicht geschäftig um den Weltmissionssonntag als solchen zu kümmern. Aber sein Aufruf gilt allen Christen, allerorts und zu jeder Zeit. Hört man diesen Aufruf, hat man Gott und den Nächsten, in der Nähe und in der Ferne, in einem geliebt. Das aber ist Christentum in seiner Eigentlichkeit – nämlich: Christus sein für andere.“

Worum geht es? Mission, Missionare und die jungen Kirchen brauchen personelle und finanzielle Hilfe. Viele Priester und Missionare, Schwestern und Katechisten retten sich mit einem Existenzminimum äußerer Mittel dahin. Kardinal Döpfner schreibt anläßlich der diesjährigen Kollekte an die Seelsorger in Bayern: „Es geht schlicht darum,, den Bischöfen in den Missionsländern die Sorge für den Unterhalt der Träger der Glaubensverkündigung wenn nicht abzunehmen, so doch leichter zu machen.“ Glaubensverkündigung kann nicht länger aus Mangel an Personal und Mitteln mit steinzeitlichem Werkzeug betrieben werden. (kw)


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