Ist Biosprit eine glaubwürdige Alternative? CONTRA: Ganzheitliche weltweite Sichtweise nötig

05.10.2013

Karin Silbe ist Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung KLJB (Bild: KLJB)

Der Einsatz von Biomasse zur Gewinnung neuartiger Biokraftstoffe ist vom Grundgedanken her ein hervorragender Ansatz. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: „Biosprit“ birgt enorme Risiken und führt bei verfehlter Agrarpolitik eher zu einer Verschärfung der globalen Umweltsituation, statt einen wirklich nachhaltigen Beitrag zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen zu leisten.

Die Herkunft, Transportwege, die Arbeitsbedingungen vor Ort und die lokalen Wirkungen der Landwirtschaft auf den Naturhaushalt bringen weitreichende Probleme mit sich. So stammt ein Großteil der bei uns zur Kraftstoffherstellung verwendeten pflanzlichen Stoffe aus nicht-heimischer weltweiter Palmölproduktion in weitläufigen Plantagen. Für diese werden zunehmend Regenwaldflächen in Anspruch genommen und unwiderruflich zerstört, Mensch und Natur verlieren ihre Lebensgrundlage. Der industrielle Anbau in Großplantagen ist darüber hinaus äußerst energieintensiv und hat einen enormen Wasserverbrauch.

Des Weiteren besteht eine gewisse Konkurrenz zwischen der Nutzung von Flächen zur Nahrungsmittelproduktion und zum Anbau von Energiepflanzen. Es wird beispielsweise vermutet, dass die gesteigerte Nachfrage an Biokraftstoff ein Mitauslöser der Nahrungsmittelpreiskrise vor sechs Jahren war. Eine Kontrolle oder Vermeidung dieser Flächenkonkurrenz stellt auf globaler Ebene eine enorme Herausforderung dar. Dass die EU so stark auf Biokraftstoffe setzt, hat auch politische Gründe: Die extreme Abhängigkeit von erdölfördernden Staaten wie Russland soll reduziert werden. Jedoch sollte für eine nachhaltige Mobilität nach Alternativen Ausschau gehalten werden. So wäre es hilfreich, sparsamere Autos zu bauen, anstatt den stetig wachsenden Energiehunger auf Kosten anderer zu stillen.

Es ist dringend notwendig, dass wir mit einer ganzheitlichen, effektiveren und auch wirklich klimawirksameren Energie- und Kraftstoffpolitik beginnen. Der Anbau und die Verwendung von Energiepflanzen bergen hierbei sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Potenzial. Die Produktion von Biokraftstoffen muss allerdings auch stets einen tatsächlichen ökologischen Nutzen bringen, den Anbau notwendiger Lebensmittel in den Vordergrund stellen und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards gewährleisten. Bis dahin ist es ein langer Weg, auf den wir uns jedoch auch für ein weltweit friedliches Miteinander begeben sollten.

Karin Silbe ist Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB)


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