Mission im Jahre 2018 Cookies und Gesang in Südafrika

15.10.2018

Anfang September hieß es für die 12-köpfige Familie Hochhäusler aus München auf nach Südafrika. Sie wurden für die "Mission ad gentes" ausgelost und sind nach Kapstadt "berufen" worden. Wie liefen die ersten Wochen dort und wie sieht Mission heute aus? Wir haben nachgefragt...

Wolfgang Hochhäusler singt auf der Straße in Südafrika © Wolfgang Hochhäusler

Sie sind noch ganz frisch in der Mission in Kapstadt. Sie sind seit sechs Wochen dort. Haben Sie schon wirklich "Mission gelebt" oder waren Sie erstmal mit „Einleben“ beschäftigt?

Hauptsächlich ging es tatsächlich darum, den Alltag in Kapstadt zu organisieren. Eine Großfamilie ist wie ein kleines Unternehmen, wo es einfach bestimmte Gerätschaften und Ordnungen braucht, um den Alltag zu meistern. In München kommt man mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln ganz gut über die Runden, in Kapstadt läuft ohne Auto so gut wie nichts. Einmal hatten wir bereits die Gelegenheit zur Straßenmission. Zur Ankündigung einer Katechese, die in diesen Tagen in Stellenbosch (Stadt in Südafrika) gestartet ist, haben wir in einem nahen Township zu dieser Verkündigung eingeladen und sind dazu singend und tanzend durch die Straßen gezogen. Am meisten davon angezogen waren die Kinder, die unsere Kinder an den Händen hielten, von mir wissen wollten, wie man die Gitarre zupft, mit uns im Kreis mittanzten und stolz den Gitarrenkoffer trugen, bis wir wieder mit unseren Autos verschwanden.

Im Grunde jedoch hat die Mission bereits damit begonnen bei unseren Freunden und Kollegen ein Fragezeichen zu setzen, warum wir unserer geliebten Heimat den Rücken kehren, um in die Ungewissheit eines fernen Landes zu gehen. Jeder, der uns kennt, weiß, dass es nicht Abenteuerlust war, welche uns bewogen hat, diesen Schritt zu tun, sondern allein die Dankbarkeit Gott gegenüber und das Vertrauen darauf, dass er uns als unser Vater auch dort nicht im Stich lässt.

Wie sieht Mission heute im Jahr 2018 aus? Sie gehen ja nicht von Haus zu Haus und überzeugen die Menschen von Ihrem Glauben?

„Transparent werden für Christus“ ist für mich das Stichwort, wenn es um die Frage geht, wie Mission heute im Jahr 2018 aussieht. Wer sind wir, dass wir Menschen überzeugen könnten? Letztlich ist es Christus, welcher uns überzeugt hat, dass es sich lohnt ihm nach zu folgen. Nach einer Podiumsdiskussion über „Christsein heute“ in einer Universität in Krakau vor einigen Jahren, wurde ich von einem Studenten gefragt, wie man so eine hübsche Frau findet, um eine Familie zu gründen. Ich antwortete ihm, dass es zu aller erst darum geht die Liebe zu ihm zu finden und alles Weitere von Gott kommt.

In den ersten Tagen haben wir hier versucht, Kontakt zu unseren Nachbarn aufzunehmen. Die Kinder haben Cookies gebacken und wir wollten damit unseren Nachbarn „Hallo“ sagen. Das Unternehmen ist indes daran gescheitert, dass hier alle hinter dicken Stacheldrahtmauern leben, keine Klingel haben und durch das laute Bellen der Hunde nicht hören, wenn jemand an der Tür klopft oder ruft. Ein Gespräch mit den Nachbarn kam jedoch trotzdem noch zu Stande als wir zum ersten Mal ein paar Surfbretter auf unseren Leihwagen geschnallt haben. Sofort entspann sich ein Gespräch, wo es die besten Wellen gibt, das Eis war gebrochen.

Warum glauben Sie, dass Sie gerade in Südafrika etwas erreichen können? Was ist es, was die Menschen dort brauchen/suchen?

Man muss einmal dabei gewesen sein in Porto San Giorgio im „Tenda della Reunione“ (Zentrum des Neokatechumenalen Weges in Mittelitalien) wo alljährlich die Missionen gelost werden. Brüder und Schwestern aus aller Welt, welche sich für die Mission gerufen fühlen, kommen hierher und werden Zeuge, wie gleichsam der Heilige Geist durch den runden Raum weht und zum Dienst in der Welt ruft. Natürlich kann man an diesem Punkt in der gleichen Freiheit, wie man seine Bereitschaft erklärt hat, die Anmutung des Heiligen Geistes zurückweisen. Jedenfalls haben wir hier erfahren, dass uns Gott nach Südafrika ruft. Es wäre absurd zu denken, dass wir gerade in Südafrika etwas erreichen könnten, wenn die Sache von uns ausginge. Wenn ich jedoch sehe, welche bunte Menschenschar in diesem Land lebt, dann denke ich, dass Gott die Familien aus Indien, Brasilien, Mexiko und Deutschland nicht zufällig gewählt hat. „In Afrika ist der Himmel offen“, so sagt man, und in der Tat sind hier gefühlt alle religiös, „one hundred per cent“ - wie man hier sagt, um etwas zu bestätigen. In jedem Zusammenhang kann man hier frei über Gott sprechen, ohne für verrückt angesehen zu werden. Wenn ich beispielsweise bei der Besichtigung eines Hauses, die Tatsache erwähne, dass wir als Familie in Mission hierherkommen, ernte ich dafür Worte der Anerkennung bei der Maklerin und sie bekräftigt dies, indem sie sagt, dass es mehr Familien wie unsere hier bräuchte.

Missio ad gentes

Die Aussendung von Familien des Neokatechumenalen Weges als Missionare in alle Welt – die “Missio ad gentes” – wurde im Jahr 2006 von Papst Benedikt XVI. eingeführt. Eine Gemeinschaft “Missio ad gentes” besteht aus einem Priester und vier oder fünf Familien mit ihren Kindern, die, auf Anfrage des Ortsbischofs, in entchristlichte Gegenden gesandt werden, um dort, als christliche Gemeinschaft, die Kirche anwesend zu machen. Die Aussendung der Familien erfolgt regelmäßig durch den Papst. Johannes Paul II. unterstrich mit Blick auf die “Missio ad gentes” die Notwendigkeit, angesichts der zunehmenden Säkularisierung der modernen Welt, zum ‚Modell der ersten Apostel‘ zurückzukehren.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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