Pandemiebekämpfung Corona-Impfstation im Münchner Dom

13.08.2021

Die Münchner Dompfarrei unterstützt die Kampagne gegen Covid-19. Im Pfarrsaal an der Nordseite der berühmtesten Kirche der bayerischen Landeshauptstadt werden deshalb an diesem Wochenende Spritzen gesetzt.

Offene Tür zum Impfen - die Münchner Dompfarrei öffnet am Wochenende ihren Pfarrsaal. © Kiderle/SMB

München - Philipp sitzt im Pfarrsaal an der Nordseite des Münchner Doms. Sein Oberarm ist frei und er verzieht ein bisschen das Gesicht, als er den Nadelstich spürt. Doch der 17-jährige wollte sich unbedingt impfen lassen. Weil er noch minderjährig ist, hat ihn seine Mutter begleitet. Philipp will noch in den Urlaub fahren und hat es außerdem satt, sich im Schulunterricht immer testen lassen zu müssen. Er war zuvor schon an einer anderen Impfstation, „aber die haben nur fünf Leute pro Stunde geimpft, wenn man keinen Termin hatte“.  Im Münchner Dom „geht´s deutlich schneller, kann ich sehr empfehlen und die Leute sind sehr nett“, sagt Philipp und schiebt den Ärmel seines T-Shirts wieder nach unten. Dompfarrer Klaus Peter Franzl hat in den vergangenen Wochen einen enormen Aufwand getrieben, um in der Kirche ein Wochenende lang eine Impfstation einzurichten.

Weiteren Lockdown verhindern helfen

„Wir waren im ständigen Kontakt mit dem Impfzentrum, der Aicher Ambulanz und haben in allen Apotheken der Innenstadt Flyer ausgelegt, um das zu organisieren und darauf aufmerksam zu machen.“ Die ehrenamtlichen Mitarbeiter können sogar gelbe Impfpässe ausgeben, wenn jemand seinen eigenen nicht dabei hat. Passanten, die vorbeikommen, sollen spontan und ohne großen Aufwand sich die schützende Spritze setzen lassen können. Gerade hat das eine junge Frau genutzt, die demnächst nach Rom reisen will, eine andere findet das Angebot attraktiv, dass „man hier unter verschiedenen Impfstoffen wählen kann“. An solchen Beispielen merkt Dompfarrer Franzl, „dass sich die Arbeit gelohnt hat“. Die Dompfarrei will mithelfen, „einen weiteren Lockdown zu verhindern“. Der Geistliche kennt die Angst davor aus vielen Gesprächen mit Ladeninhabern in der Innenstadt und ihren Mitarbeitern, „die Angst um ihre Existenz haben, wenn noch einmal alles zugesperrt wird“. Da wolle die Kirche „mitten in der Stadt Solidarität zeigen“

"Akt der Nächstenliebe"

Den bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek freut das sehr. Er ist eigens zur Eröffnung der Impfstation an der Nordseite des Doms gekommen. „Das ist ein Leuchtturm“, sagt er, schaut sich genau um und diskutiert sogar kurz mit dem jungen Mann, der mit einer Bibel in der einen und einem beschrifteten Pappschild in der anderen Hand gegen die Impfungen protestiert. „Die Impfung ist Mord“ steht auf dem Schild, das er vor dem Eingang zum Pfarrsaal in die Höhe hält. Der Gesundheitsminister bleibt sachlich und nüchtern. „Es geht darum Menschen vor schweren Covid-19-Verläufen zu schützen, besonders in den Pflegeeinrichtungen“, sagt er ins Mikrofon des Münchner Kirchenradios. Jeder Geimpfte trage dazu bei, das Ansteckungsrisiko zu senken: „Deswegen denke ich, ist das Impfen auch in vielerlei Hinsicht ein Akt der Nächstenliebe.“ Holetschek hofft, dass durch Angebote wie im Münchner Dom, „die Menschen noch einmal aufgerüttelt werden, denn es gibt noch keinen Grund zur Sorglosigkeit“. Der Minister würde auch eine Wiederholung  der Kirchenaktion begrüßen. „Für die Zweitimpfung mit dem Biontechstoff machen wir am 11. September sowieso noch einmal auf“, erklärt Dompfarrer Franzl. Ob die Kirche danach ein weiteres Mal gefordert sei, werde sich aber erst im Herbst zeigen. „Die Logistik für eine solche Station hätten wir jetzt jedenfalls drauf.“ Trotzdem wünscht er sich, dass sie nicht mehr gebraucht wird, weil dann genügend Menschen geimpft sind.

Die Impfungen gegen SARS-CoV-2 an der Nordseite des Münchner Doms werden am Freitag, 13. August, von 13 Uhr bis 17 Uhr und am Samstag, 14. August, von 10 Uhr bis 17 Uhr angeboten. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig, sofern vorhanden, sollte ein Impfausweis mitgebracht werden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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