Das Jahr 2021 Corona-Krise erschwert Planungen des Papstes

29.12.2020

Der Terminkalender von Franziskus ist bisher übersichtlich. Auslandsreisen oder Massenveranstaltungen sind aufgrund des Pandemie-Risikos schwierig. Ein erstes Highlight wurde dennoch angekündigt.

Papst Franziskus
Der Terminkalender von Papst Franziskus ist bisher noch nicht abschließend gefüllt. © imago images / ULMER Pressebildagentur

Vatikanstadt – Wer wissen will, an welchen Großereignissen der Papst 2021 teilnimmt, sollte zur Glaskugel greifen. Der Kalender des Heiligen Stuhls bietet diesmal nur wenig Orientierung. Gesetzt sind freilich die Gottesdienste zu den hohen Feiertagen. Ansonsten besteht der Ausblick für das nächste Jahr aus vielen Corona-Fragezeichen. Die Wirren der Pandemie machen eine zuverlässige Planung kaum möglich.

Vieles wird davon abhängen, ob die zur Verfügung stehenden Impfstoffe so reibungslos verteilt und angenommen werden wie von den Experten prognostiziert. Nur dann ist mit einer Entspannung der Lage zu rechnen und die geltenden Restriktionen könnten aufgehoben werden.

Papstreise in den Irak

Die Reisebranche geht von einer allmählichen Normalisierung des internationalen Verkehrs ab der zweiten Jahreshälfte aus. Für die Organisatoren im Vatikan heißt das: Papstreisen ins Ausland, die stets einen erheblichen Planungsaufwand bedeuten, dürften im ersten Halbjahr mit allerhand Schwierigkeiten verbunden sein.

Umso überraschender war die kürzliche Ankündigung, dass Franziskus Anfang März in den Irak reisen will. Entsprechende Überlegungen gab es zwar schon länger. Aber Sicherheitslage und Gesundheitsnotstand sorgten immer wieder für Verzögerungen.

Verehrung der Eucharistie in Budapest

Die Zusage nun zeigt, wie sehr Franziskus daran gelegen ist, in der Arabischen Welt ein erneutes Signal des interreligiösen Dialogs zu setzen. Er knüpft damit an die Unterzeichnung des "Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen" Anfang 2019 in Abu Dhabi sowie einen anschließenden Besuch in Marokko an. Wie aus der vatikanischen Mitteilung hervorgeht, muss man jedoch die Entwicklung der Pandemie berücksichtigen - zumal ganz aktuell die britischen Berichte über eine gefährliche Virus-Mutation für neue Aufregung sorgen.

Abgesehen vom Irak ist eine Stippvisite des katholischen Kirchenoberhaupts beim 52. Eucharistischen Weltkongress Anfang September in Budapest denkbar. Die Veranstaltung, die Verständnis und Verehrung der Eucharistie fördern soll, war ursprünglich für 2020 geplant. Wegen Corona wurde sie um ein Jahr verschoben.

Über eine persönliche Teilnahme des Papstes wird eifrig spekuliert. Der Budapester Kardinal Peter Erdö versucht seit Monaten, Franziskus zu überzeugen. Auch Ungarns Regierung würde ihn aus Prestigegründen nur allzu gern willkommen heißen. Sollten am Ende nicht alle Bedenken ausgeräumt sein, dürfte es der Argentinier - wie so oft in diesen Tagen - bei einer Videobotschaft belassen. Schließlich wäre es eine Katastrophe, sollte sich bei einer Großveranstaltung mit ihm das Coronavirus unter den Teilnehmern verbreiten.

Veröffentlichung der neuen Kurienordnung möglich

Sehr wahrscheinlich ist indes ein päpstliches Erscheinen beim für Herbst angedachten Treffen "Economy of Francesco" im italienischen Assisi. Von Rom aus ist es nur ein relativ kurzer Weg. Die Begegnung mit jungen Wirtschaftsakteuren sollte ebenfalls bereits in diesem Jahr stattfinden; Corona durchkreuzte das Vorhaben. Aus dem Event wurde im November eine virtuelle Veranstaltung. Doch damit gab man sich nicht zufrieden. 2021 soll es eine physisch-reale Konferenz geben, um mit dem Papst über Wege zu einer gerechteren, nachhaltigen Wirtschaftsordnung zu diskutieren.

Weitere Reisen sind derzeit nicht vorgesehen. Die Unwägbarkeiten zwingen den Vatikan, auf Sicht zu fahren. Umso mehr Zeit bleibt Franziskus, sich jenen Projekten zu widmen, die sich auf seinem Schreibtisch stapeln. Der neu ernannte Kardinal Marcello Semeraro stellte kürzlich in Aussicht, dass vor Ostern mit einer Veröffentlichung der neuen Kurienordnung zu rechnen ist.

Der Schritt war bereits für Anfang 2019 erwartet worden. Der aktuelle Entwurfstext mit dem Arbeitstitel "Praedicate evangelium" wird seit Monaten überarbeitet. Das Dokument soll die aktuelle Kurienverfassung von 1988 ablösen. Dem Vernehmen nach müssen noch Einwände und Änderungsvorschläge der Kurienchefs abgearbeitet werden.

Wie wird mit dem Haushaltsdefizit 2021 umgegangen?

Neue Schlagzeilen verspricht auch die Affäre um ein dubioses Immobilien-Investment des Vatikan in London. Die genauen Hintergründe des missglückten Deals in dreistelliger Millionenhöhe sind immer noch nicht aufgeklärt. Kardinal Giovanni Angelo Becciu, früherer Stabschef im Staatssekretariat, verlor darüber seinen Posten als Heiligsprechungspräfekt. Er streitet beharrlich jedes Fehlverhalten ab und kämpft um seinen Ruf.

Spannend wird überdies, wie die Hüter der vatikanischen Kassen mit dem sich abzeichnenden Haushaltsdefizit für 2021 umgehen. Für das laufende Jahr kalkuliert man mit einem Minus von 53 Millionen Euro. Die Zukunftsaussichten sind angesichts der Pandemie-Auswirkungen düster. Besorgte Stimmen gehen davon aus, dass sich die Finanzlücke verdoppeln könnte.

Wenn der Papst all diese Herausforderungen gemeistert hat und bei guter Gesundheit bleibt, kann er sich am 17. Dezember 2021 feiern lassen: Dann wird Franziskus 85 Jahre alt. Überbordende Festivitäten sind allemal nicht zu erwarten. Mit seiner Wahl im März 2013 führte der Jesuit im Vatikan einen von Einfachheit geprägten, unkonventionellen Stil ein. (kna)

 


Das könnte Sie auch interessieren

Papst Franziskus
© imago images/Independent Photo Agency Int.

Papst: "Es wird ein gutes Jahr, wenn wir für andere sorgen"

Weil Papst Franziskus an einer Ischiasneuralgie leidet, wurde die Neujahrsmesse im Vatikan ohne ihn gefeiert. In seiner verlesenen Predigt rief das Kirchenoberhaupt zu Sorge für Mitmenschen, für die...

01.01.2021

Papst Franziskus
© imago images / Independent Photo Agency Int.

Papst ruft Deutsche zu Dankbarkeit trotz Corona auf

2020 war geprägt durch die Corona-Pandemie. In einer Videobotschaft betont Papst Franziskus, dass alles was einem wiederfährt ein Geschenk sei.

30.12.2020

Petersdom und Petersplatz
© imago images / imagebroker

Vatikan wirft Impfgegnern Gefährdung anderer vor

Seit Weihnachten wird in Europa geimpft. Der Vatikan hat nun ein 20-Punkte-Papier veröffentlicht. Patientenschützer üben daran Kritik.

30.12.2020

Wunderkerzen
© phive2015 - stock.adobe.com

Prosit Neujahr Altes Brauchtum rund um den Jahreswechsel

Rund um das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres gibt es einen reichen Brauchtums-Schatz. Dabei geht es fast immer um Glück oder Unglück in der Zukunft.

30.12.2020

Pilgerin sitzt auf dem Obradeiro-Platz in Santiago de Compostela
© Soloviova Liudmyla - stock.adobe.com

Das Heilige Jakobusjahr steht im Schatten der Corona-Krise

Bei den vergangen Heiligen Jahren 2004 und 2010 fielen Rekordmarken auf dem Jakobsweg. Daran ist gegenwärtig nicht zu denken. Statt Vorfreude macht sich Verunsicherung breit.

28.12.2020

Durch die Drehung wird aus den Holzbausteinen, die die Zahl 2020 zeigen, 2021
© gesrey - stock.adobe.com

Was bedeutet "Zwischen den Jahren"?

Die Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag werden landläuflig "zwischen den Jahren" bezeichnet. So ist es dazu gekommen:

28.12.2020

Das Wort "Rückblick" in einem Lexikon
© Marco2811 - stock.adobe.com

Aufreibendes Jahr für katholische Kirche in Deutschland

Es war ein Jahr voller Krisen: Vielleicht wird 2020 in der Rückschau ein Meilenstein in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland sein.

27.12.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren