Unterstützung für Galeria-Belegschaft Da muss auch Trauerarbeit geleistet werden

30.06.2020

Drei seiner acht Häuser in München will der Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof schließen. Mehr als 350 Jobs stehen auf dem Spiel. Die Katholische Arbeitnehmerbewegung hilft den Betroffenen politisch und seelsorgerisch.

Galeria Kaufhof
350 Jobs sind von der Schließung der drei Häuser des Galeria-Karstadt-Kaufhof Konzern betroffen. © imago images / Ralph Peters

München - Der Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Michael Wagner, ist empört:
„Man hat das Verkaufspersonal gerade noch während des Lockdowns als systemrelevant bezeichnet. Man hat Beifall geklatscht. Jetzt, wo wir die vielleicht größte Krise nach dem zweiten Weltkrieg haben, sollten wir die soziale Verantwortung nicht vergessen.“

Die Gewerkschaften als Tarifpartner und der Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof verhandeln derzeit auf Hochtouren darüber, wie die Schließung der Filialen sozial abgefedert werden kann. Darüber hinaus setzt die KAB weitere Akzente in der Öffentlichkeit. Unter anderem durch politische Lobbyarbeit, erklärt Michael Wagner: „Wir als Verband sind eine politische Stimme der katholischen Kirche.“ Und diese Stimme wird durchaus wahrgenommen.

Grundsatz der katholischen Soziallehre

In einer Solidaritätsadresse an die Betriebsräte schreibt die KAB: „Viele der Beschäftigten haben sich über viele Jahre in den Dienst des Unternehmens gestellt und mit ihrer Tätigkeit den Erfolg und den Gewinn dieses Unternehmens erst ermöglicht.“ Weiter im Text geht es auch um den Grundsatz der katholischen Soziallehre, nach der die Arbeit für den Menschen da zu sein hat und nicht etwa der Mensch für die Arbeit. „Auf dieser Grundlage können wir natürlich sehr tief argumentieren“, meint Wagner.

Als zweite Säule bietet die KAB ihren Mitgliedern auch eine Rechtsberatung an. Drei Juristen arbeiten beim Diözesanverband. „Das heißt, wenn jetzt Mitarbeiterinnen betroffen sind, können die sich an unsere Rechtsstelle wenden und werden dann beraten und notfalls, wenn es sein muss, auch vor Gericht begleitet.“ Er nennt bewusst die weibliche Form, denn die meisten Betroffenen sind Frauen, oft Teilzeitkräfte und somit sowieso schon im unteren Einkommensbereich.

Die Rechtsberatung gibt es zwar nur für Mitglieder, aber kommen kann erstmal jeder: „Da wird keiner nach Hause geschickt,“ sagt der Diakon lachend, „wenn wir sehen, dass wir helfen können, können Ratsuchende auch kurzfristig in die KAB eintreten. Und dann wird auch sofort der Rechtsanwalt tätig. Da gibt es keine Wartefristen.“

Zutiefst menschliche Themen 

Neben der politischen Lobbyarbeit und der Rechtsberatung ist die Betriebsseelsorge eine weitere Säule der Arbeit der KAB. „Und da arbeiten übrigens auch unsere Rechtsanwälte sehr eng mit der Betriebsseelsorge zusammen, wenn sie merken, dass es Problemfälle gibt. Denn es gibt auch manchmal Probleme, die können Juristen nicht fassen.“

Da geht es oft um Existenzängste, finanzielle Nöte und ganz persönliche Gefühle, weiß der Diakon: „Wenn ich mich immer mit meinem Unternehmen identifiziert habe, wenn ich mich darauf verlassen habe und mich jetzt verlassen fühle, dann ist das Trauerarbeit, die da stattfindet. Dann müssen qualifizierte Seelsorger da sein, die die Mitarbeiterinnen auch in diesen zutiefst menschlichen Themen begleiten und da sind, wenn die letzte das Licht ausmacht und die Tür zusperrt.“

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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