Rosenheimer Caritasprojekt „Dahoam gut leben“

12.07.2019

Ein Pilotprojekt in Rosenheim soll Senioren befähigen, möglichst lange zu Hause zu wohnen.

Machen sich stark für Senioren (von links): Alfons Maierthaler, stellvertretender Vorsitzender der Gertraud Stumbeck Stiftung, Rosmarie Gebert, Fachdienstleitung Soziale Dienste bei der Caritas, Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann, Stadtdirektor Michael Keneder und Sozialamtsleiter Christian Meixner. © Schlecker

Rosenheim – „Dahoam gut leben“: Der Titel ist Programm bei dem Pilotprojekt, das die Caritas jetzt in Rosenheim zusammen mit der Stadt auf den Weg gebracht hat: Präventive Hausbesuche und ein Allgemeiner Sozialdienst sollen dafür sorgen, dass Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrem gewohnten Lebensumfeld führen können. Das wünschen sich die meisten Menschen. Fakt ist aber auch, mit zunehmendem Alter benötigen viele in irgendeiner Form Hilfe, damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird.

„Dahoam leben“ mit Vorbildcharakter

Für die Caritas ist es eine Herzensangelegenheit, die nötige Hilfestellung zu bieten. „Die Grundlage für unser Handeln ist das christliche Menschenbild. Dieses beinhaltet auch, die Würde und den Willen der älteren Menschen zu respektieren“, erklärte Caritas-Sozialpädagogin Sabine Fischer bei einer Pressekonferenz im Bürgerhaus Miteinander. Zusammen mit ihrer Kollegin Ramona Gehrlicher betreut sie das Pilotprojekt „Soziale Dienste Seniorinnen und Senioren“, kurz SDS. Vorerst ist es auf drei Jahre angelegt. Finanzielle Unterstützung kommt von der Gertraud-Stumbeck-Stiftung und der Deutschen Fernsehlotterie. Sowohl Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann als auch Stadtdirektor Michael Keneder sind davon überzeugt, dass SDS sich langfristig innerhalb der Rosenheimer Seniorenarbeit etablieren kann. „Ich bin mir sicher, dass darauf auch bald andere Städte aufmerksam werden“, betont Lehmann.

Aktuell ist das Projekt noch auf Anwohner ab dem 75. Lebensjahr rund um das Bürgerhaus Miteinander in der Lessingstraße beschränkt. Nach und nach soll es dann auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Bereits seit Februar dieses Jahres besuchen Fischer und Gehrlicher Senioren in ihrem Zuhause, um bereits präventiv zu schauen, wo Hilfen für diese erforderlich und möglich sind. „Bisher war die Freude über unseren Besuch immer groß“, berichten die beiden Sozialpädagoginnen. Ihre Hausbesuche sind kostenlos. Für alle Gespräche gilt Schweigepflicht.

Individuelle Bedürfnisse der Senioren

Besucht werden nur Senioren, die sich diesen neuen Service von Caritas und Stadt ausdrücklich wünschen und ihn anfordern. Für Bürger, die ihr Zuhause nicht für Fremde öffnen wollen, gibt es Alternativen. Geplant sind beispielsweise Beratungstermine in den Bürgerhäusern. Fischer und Gehrlicher können sich sogar Gespräche auf einer Parkbank vorstellen. Grundsätzlich sehen sie aber durch die Beratung im direkten Lebensumfeld der Senioren den Vorteil, passgenaue Lösungen für die jeweiligen Probleme zu finden. Diese sind ganz unterschiedlicher Natur, wie die Sozialpädagoginnen bereits festgestellt haben. „Aktuell prüfe ich beispielsweise, ob es für einen Senior mit einem uralten Rollstuhl nicht die Möglichkeit gibt, einen Leichtlaufrollstuhl zu bekommen“, berichtet Gehrlicher. Häufig bedürfe es sogar noch weit weniger Hilfe, um die Lebenssituation eines älteren Menschen wesentlich zu verbessern, etwa durch die Unterstützung bei Einkäufen oder Arztbesuchen oder durch den Kontakt zu Nachbarn, um die Einsamkeit zu mildern.

Senioren, die sich für das Projekt interessieren, können sich mit Sabine Fischer und Ramona Gehrlicher unter Telefon 08031/20370 oder per E-Mail an czrosenheim@caritasmuenchen.de in Verbindung setzen.

Nach den Gesprächen mit den Senioren beginnt für die Sozialpädagoginnen die Recherchearbeit: „Zuerst einmal geht es für uns in den Sozialgesetzbüchern rauf und runter. Es gibt bereits sehr viele Unterstützungsmöglichkeiten. Man muss nur wissen, wo man sie findet“, erläutert Gehrlicher. Ämterübergreifend wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Mit individuell ausgearbeiteten Vorschlägen geht es dann zurück zu den Senioren.

Das Projekt SDS besteht aus zwei Standbeinen: Neben den präventiven besteht auch die Möglichkeit für anlassbezogene Hausbesuche. Diese werden vom Sozialamt beauftragt, wenn sich eine Notlage abzeichnet oder bereits besteht. (Karin Wunsam)


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