Kreuze im Erzbistum: Enghausen Das älteste Monumentalkruzifix der Welt

28.03.2018

1,82 Meter groß ist die Figur des Gekreuzigten, die in Enghausen im Landkreis Freising hängt. Etwa um das Jahr 890 ist sie entstanden.

Christus wird als gütiger Herrscher dargestellt.
Christus wird als gütiger Herrscher dargestellt. © SMB/Fleischmann

Enghausen – Enghausen ist ein winziges und stilles Dorf am Rand der Holledau. Eine kleine Kirche hat Enghausen auch und in der befindet sich ein großes Kunstwerk: 2006 haben Wissenschaftler bei der Restaurierung herausgefunden, dass dort das älteste Monumentalkruzifix der Welt hängt. Zum Papstgottesdienst im selben Jahr ließ es die Erzdiözese München und Freising auf das Messegelände nach München-Riem bringen, wo es hinter Benedikt XVI. hing und während der Fernsehübertragung in aller Welt gesehen wurde.

Über 1100 Jahre ist das Kruzifix alt und stellt Christus nicht als Leidenden, sondern als gütigen Herrscher mit eleganten Haarlocken vor. Seine beiden Füße ruhen auf einem grünbraunen Dämonenkopf, der völlig erledigt die Zunge herausstreckt. Er symbolisiert, dass Christus den Tod und das Böse besiegt hat.

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Kreuze im Erzbistum München und Freising: Enghausen

Mesnerin Therese Hösl spricht vor dem ältesten lebensgroßen Kruzifix der Welt fast jeden Tag ein Gebet.
Mesnerin Therese Hösl spricht vor dem ältesten lebensgroßen Kruzifix der Welt fast jeden Tag ein Gebet. © SMB/Fleischmann

Tränen vor dem Kreuz

Natürlich ist das Kruzifix alarmgesichert und die Mesnerin Therese Hösl hütet es wie ihren Augapfel. Fast jeden Tag läutet sie im Enghauser Kirchlein um punkt 12 Uhr die Glocken zum Angelus und betet „Den Engel des Herrn“ dazu. Bevor sie aber das Glockenseil zieht, betet sie vor dem Kruzifix, das vorne an der Nordwand hängt. Und wenn sie Sorgen hat, dann setzt sie sich oft ganz lange vor dieses Kruzifix, das fast zur Familie gehört. Vor ein paar Jahren gab es Überlegungen, das Kreuz ins Diözesanmuseum zu bringen. Nachdem das aus Moosburg stammende Kruzifix aber seit über 500 Jahren in Enghausen aufbewahrt wird, blieb es dann doch in dem Kirchlein hängen. Therese Hösl erzählt, dass Besucher immer wieder vor dem Kreuz zu weinen beginnen, „weil sie wahrscheinlich ein schweres Anliegen haben“. Hier, in diesem kleinen Dorf können sie es vor Christus tragen. In einem Museum würde das ziemlich sicher niemand tun.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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