Mensch mit Widerspruch Das Denkmal Döpfner

10.07.2013

Wer war Julius Döpfner? Wer war dieser Mensch, der zuweilen wie ein Denkmal in einen verklärten zeitgeschichtlichen Rahmen gestellt wird:

Winfried Röhmel war von 1970 bis 2008 Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariates München (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Jüngster katholischer Bischof Europas, wortgewaltiger Prediger, Moderator beim Zweiten Vatikanum, Präsident der Würzburger Synode, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz , Brückenbauer der Ökumene, Wegbereiter der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen. In diesen Aufgaben und Diensten war er ein ebenso nüchterner und realistischer wie zugleich leidenschaftlicher und zupackender Mann der Kirche.

Vor allem aber war er ganz und gar Mensch mit seinem Widerspruch, durchaus kantig, sogar schmerzhaft aneckend, aber gerade darum eine überzeugende Persönlichkeit. Die katholische Kirche in der alten Bundesrepublik, in die Zerreiß- und Bewährungsprobe innerkirchlicher und gesellschaftlicher Umbrüche der 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts gestellt, brauchte einen wie ihn. Die Exponenten der notwendigen geistigen Auseinandersetzung aber auch der mit geschlossenem Visier geführten Flügelkämpfe in der Kirche testeten seine Belastbarkeit. Er schien mit Leib und Seele ausgespannt zwischen den Kontrahenten, einer der das Auseinanderstrebende zusammenhalten, das Gegeneinander versöhnen wollte und dabei die eigene Lebenskraft nicht schonte.

Auf ihn war Verlass, und man verließ sich auf ihn. „Wir haben gemeint, wir brauchen ihn. Gott hat gemeint, es sei genug!“ Die Worte des mit ihm befreundeten Mainzer Kardinals Volk bei seiner Beisetzung im Münchner Liebfrauendom waren kaum ohne Hintersinn gewählt. Julius Döpfner hat vorgelebt, entgegen Widerständen und Anfechtungen, auch aus den eigenen Reihen, auf den gekreuzigten Christus zu schauen, ihn als Maß aller Lebensorientierung zu sehen. Die Aufrichtung des Kreuzes, im Altarbild seiner Heimatpfarrkirche im unterfränkischen Hausen eindringlich dargestellt und ihm so von Kindheit an vertraut, war der immer neu ihn voran drängende Impuls seines priesterlichen und bischöflichen Dienstes. Darin bleibt er herausforderndes Vorbild.

Winfried Röhmel war von 1970 bis 2008 Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariates München


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