Ortsbesuch: Buchhandlung Michaelsbund wieder offen "Das fühlt sich ein bisschen nach Normalität an"

10.03.2021

Deutschland wagt erste Öffnungsschritte im Einzelhandel. Auch die Buchhandlung Michaelsbund sperrte in dieser Woche wieder ihre Tür auf. Und die Freude bei Stammkunden und Angestellten fiel nicht gerade klein aus.

Eingang zur Buchhandlung Michaelsbund nahe des Münchner Stachus
Eingang zur Buchhandlung Michaelsbund nahe des Münchner Stachus © Kiderle

München – Genau 82 Tage lang war die Buchhandlung Michaelsbund nahe des Münchner Stachus seit Mitte Dezember 2020 geschlossen. Nun steht die Eingangstür wieder offen, ein Aufsteller vor dem Laden, der Bücher und Geschenke verspricht, lädt Passanten zum Shoppen ein. „Wir freuen uns auf Sie“ ist darauf noch zu lesen. Ein Spruch, den Buchhändlerin Simone Sauerbeck nach Lockdown und Kurzarbeit gerne unterstreicht: „Ich freue mich natürlich wahnsinnig, weil wir unsere Kunden wirklich vermisst haben und ich meinen Beruf unglaublich gerne mache.“ Es sei schön, endlich wieder persönlich mit Menschen zu reden und nicht nur per Telefon zu beraten, „und dass wir die Bücher nicht mehr nur für uns schön hinstellen“, sagt Sauerbeck augenzwinkernd.

"Einfach treiben lassen"

Da die meisten Geschäfte der Münchner Fußgängerzone an diesem Tag noch geschlossen sind, finden deutlich weniger Besucher den Weg in die 140 Quadratmeter große Buchhandlung als in Zeiten vor Corona. Julia Peter ist eine von ihnen. Sie hat einen Termin in der Innenstadt und freut sich darüber, spontan einen Blick in den Laden werfen zu können. Mit gebeugter Körperhaltung studiert sie die verschiedenen Grußkarten auf dem Drehständer im Eingangsbereich. Für Freunde suche sie nach einer Karte und für ihren kleinen Sohn nach einem Buch, aber sie genieße es auch, sich einfach mal wieder ein Stück weit treiben zu lassen und in ein Geschäft zu spitzen. „Das fühlt sich ein bisschen nach Normalität an“, so die Kundin.

Seelsorge am Telefon

Der Leiter des vierköpfigen Teams der Buchhandlung, Thomas Minten, steht hinter dem Verkaufstresen und verrät, dass auch während der Schließung wider Erwarten, „unglaublich viel zu tun“ gewesen sei. Zahlreiche Artikel aus dem Lager wie etwa Jahreskalender mussten zurückgeschickt werden, da der Lockdown das Weihnachtsgeschäft kaputt gemacht habe. Zudem sei die Beratung am Telefon deutlich länger und ausführlicher geworden, teilweise seien fast schon kleine „Seelsorgegespräche“ dabei entstanden, berichtet Minten.

Ein weiterer Schwerpunkt während der Schließung sei der Ausbau des Onlineshops gewesen. Dort will man in Zukunft auch vermehrt Geschenkartikel, Devotionalien, Kunstgegenstände und Foodartikel anbieten.

Buchhändlerin Simone Sauerbeck fragt unterdessen ihre Kollegin Ina Winkler um Rat, wie sie die Dekoration einer prominent platzierten Regalwand im Eingangsbereich gestalten soll. Noch hängen dort Handtaschen in verschiedenen Farben, doch die sollen Platz machen für Bücher. Man einigt sich auf den „Klassiker“ Kochbücher, schließlich sind die in Zeiten geschlossener Restaurants besonders gefragt. Gesagt, getan – kurze Zeit später werden die Kunden hier von Titeln zu veganer, indischer oder palästinensischer Küche angelacht.

Beziehung zum Buch aufbauen

Den beiden Stammkundinnen Sophia und Kristina sieht man auch trotz FFP2-Maske das breite Lächeln an, mit dem Sie durch den Laden schlendern. „Es ist sehr angenehm, dass man wieder stöbern darf und auch dieses haptische Gefühl wieder hat“, berichtet die 18-jährige Sophia. Vor Ort in der Buchhandlung habe sie viel mehr Auswahl, während ihr beim Online-Shopping vor allem die Bücher vorgeschlagen werden, die sie sowieso schon gelesen habe. „So greife ich auch mal zu einem Thriller, den ich normalerweise nicht lesen würde.“ Und ihre gleichaltrige Freundin Kristina ergänzt: „Hier im Laden baut man zu so einem Buch ja auch eine Beziehung auf, das geht im Internet überhaupt nicht.“

Um die Rückkehr der Stammkunden macht sich Teamleiter Minten zum Neustart so auch berechtigterweise weniger Sorgen. Anders sieht es bei der Laufkundschaft aus. Hier könne es durchaus zu einem Verlust an Besuchern und damit auch an Einnahmen kommen. Die drohende finanzielle Lücke soll wiederum das verstärkte Internetgeschäft schließen. Auch wenn sich die Online-Kunden dadurch, das wurde zur Wiedereröffnung deutlich, die familiäre Atmosphäre und kompetente Beratung der Michaelsbund-Buchhandlung entgehen ließen.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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