Weltmissionssonntag „Das Gebet ist meine Kraft und Nahrung“

26.10.2019

Schwester Cecilia gehört den Visitation Sisters von Don Bosco an, die auch „touring sisters“ genannt werden. Sie wirkt und lebt dort, wo sie als Khasi-Frau geboren wurde – in Nordostindien. Und die Kirche in Indien hat der in Bayern manches vorraus.

Schwester Cecilia Sad gibt dem Volk der Khasi in den Bergregionen Nordostindiens Perspektive.
Schwester Cecilia Sad gibt dem Volk der Khasi in den Bergregionen Nordostindiens Perspektive. © Missio

München – Was Schwester Cecilia Sad uns deutschen Christen gerne ins Stammbuch schreiben würde? Die kleine Ordensfrau überlegt, ihre Stirn legt sich in Falten. Erstmals in ihrem Leben ist die 55-Jährige nach Deutschland gekommen. Als Gast von Missio München zum Monat der Weltmission ist sie derzeit unterwegs in Schulen und Pfarreien, um von ihrer Arbeit in den entlegenen Bergdörfern des nordostindischen Bundesstaates Meghalaya zu berichten, wo das Volk der Khasi lebt. Die Khasi kämpfen um bessere Lebensumstände am Rande der indischen Gesellschaft.

„Ihr habt hier alles. Materiell fehlt euch nichts“, sagt sie leise auf Englisch. Dann denkt sie wieder kurz nach. Man spürt es, wie sie versucht, die zahlreichen Eindrücke der vergangenen Tage vor ihrem geistigen Auge zu ordnen: „Überall stehen wunderschöne herrliche Kirchen mit so vielen Heiligenstatuen. München ist eine Stadt voller heiliger Ort. Bei uns ist eine Kirche oft nur eine Bambushütte die mit Schilf eingedeckt ist.“ Und doch, etwas vermisst Schwester Cecilia hier und sie kleidet es in ein Bild aus ihrem Alltag: „Wenn man bei einer Feuerstelle das Holz aus dem Kamin entfernt, erlischt das Feuer. So ist das bei euch. Es fehlt in Eurer Kirche an Begeisterung. Ihr müsst wieder Begeisterung bei den jungen Menschen für den Glauben und die Kirche wie das Herdfeuer neu entfachen“, sprudelt es nun plötzlich aus ihr heraus. „Ich habe in den Kirchen hier oft nur wenige Gottesdienstbesucher gesehen, häufig waren die Priester auch schon alt.“

"Geht hinaus zu den Menschen!"

Ja, Schwester Cecilias Diagnose ist nicht ganz unzutreffend. Ein Rezept hat sie auch parat, es schwingt wie ein Mantra in fast jedem Satz mit: „Gott hat nur meine Hände und deine Hände. Jeder Mensch ist ein Werkzeug, ein Instrument von ihm, jeder Getaufte ist eine Mission“, zitiert sie Papst Franziskus, dem ihre uneingeschränkte Bewunderung gilt. „Er ist von Gott gesandt.“

Schwester Cecilia und die „Visitation Sisters of Don Bosco“ sind selbst Khasi-Frauen. Sie kennen die Lebensumstände in den Bergen aus eigener Erfahrung. Vor über 30 Jahren gehörte Cecilia zu den ersten ihrer Ordensgemeinschaft, die sich als sogenannte „Touring Sisters“ zu Fuß auf den Weg in die Dörfer machten und eine Infrastruktur aufbauten, von der Schwestern wie Dorfbewohner heute profitieren. Eine stete Hilfe dabei war ihr, wie sie in schlichten Worten berichtet, „die Liebe zu Gott und den Menschen“. Und natürlich das Gebet: „Das ist meine Nahrung, wie das tägliche Brot. Es schenkt mir Kraft und Energie, besonders, wenn ich mich hilflos fühle.“ Und diese einfache und für sie doch so unumstößlich feste Erfahrung gibt sie als Novizenmeisterin auch ihren jungen Mitschwestern auf den Weg: „Geht hinaus zu den Menschen! Und mit Leidenschaft und Liebe für Christus werdet ihr so in Freiheit leben!“

Schwester Cecilia Sad wurde am 5. September 1964 in den West Khasi Hills in Meghalaya geboren. Beeindruckt von dem Einsatz von Ordensschwestern legte sie 1986 als eine der ersten Schwestern ihrer Ordensgemeinschaft überhaupt das Erste Gelübde ab. Zwischen 1988 und 1992 war sie als Pionierin im Missionseinsatz in den entlegenen Bergdörfern. 1992 legte Schwester Cecilia das Ewige Gelübde ab. 1998 wurde sie Direktorin der Novizinnenausbildung. Von 2004 bis 2016 leitete sie als Generaloberin die Geschicke ihrer Ordensgemeinschaft. Seitdem ist sie im Generalat tätig, verantwortet das Noviziat und bietet Programme in den Bergdörfern an. Bei ihren Besuchen lebt sie inmitten der Familien, teilt die Schlafstatt und das Essen, leistet pastoralen Beistand, hört die Probleme der Menschen und gibt Ratschläge in Lebensfragen. Darüber hinaus gibt sie Tipps zur Hygiene und leistet im Notfall medizinische Hilfe. Die Kollekte für die Weltmission wird am Sonntag, 27. Oktober, in allen Gottesdiensten einschließlich der Vorabendmessen durchgeführt.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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