Andreas Wollbold Theologieprofessor und Krimiautor

11.01.2019

Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold hat einen Kriminalroman verfasst. Der Pfarrer darin erinnert verdächtig an einen hohen kirchlichen Würdenträger aus dem Erzbistum.

Professor Andreas Wollbold ist Pastoraltheologe an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität – und Krimi-Autor.
Professor Andreas Wollbold ist Pastoraltheologe an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität – und Krimi-Autor. © Regina Frey

München – „Lautlos ließ sich Robert aus der Hocke rücklings auf den Boden gleiten, rollte sich zusammen und zog die Beine an den Rumpf, bereit, Waffe und Körper des anderen mit der Macht seiner Beinmuskulatur von sich zu schleudern. Nichts rührte sich. Wenn doch nur ein winziger Lichtschein Orientierung böte! Angestrengt lauschte Robert, ob er nicht wenigstens den fremden Atem vernähme.“

Diese Zeilen stammen nicht etwa von einem bekannten Thriller-Autor, sondern aus der Feder des Münchner Professors für Pastoraltheologie, Andreas Wollbold. Nach zahlreichen Fachbüchern hat er seinen Debütroman „Felapton oder Das letzte Glück“ veröffentlicht.

Dass Theologen plötzlich anfangen, Kriminalromane zu schreiben, passiert in jüngster Zeit häufiger. So ließ etwa der Augsburger Religionspädagoge Georg Langenhorst in seinem Krimi „Toter Dekan – guter Dekan“ den Dekan der katholisch-theologischen Fakultät ermorden. Wollbolds Handlung kreist jedoch nicht um Theologie, sondern um Philosophie – was letztlich schon am Buchtitel abzulesen ist, der mit „Felapton“ einen Fachbegriff aus der philosophischen Logik enthält.

Den Anstoß gab der frühere Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger

Die Geschichte beginnt damit, dass in einem Kloster die Leichen von fünf jungen Männern gefunden werden, die eine alte Ordensregel wieder aufleben lassen wollten. Wer mit ihrem Anblick konfrontiert wird, macht eine überraschende Entdeckung: Auf ihren Gesichtern liegt ein mysteriöses Lächeln. Wollbold erklärt, dass er damit die Frage stellen will: „Was ist Glück angesichts dessen, dass junge Menschen auf tragische Weise umkommen?“ Zu diesem Thema habe ihn ein Gespräch mit dem verstorbenen Kardinal von Paris, Jean-Marie Lustiger, inspiriert. Beide waren sich einig, dass Theologen zu sehr die Frage nach der Freiheit beschäftige, während die Menschen vor allem interessiere, wie sie wirklich glücklich werden könnten.

Im Roman übt das „Gesicht gewordene Glück“ dann auch tatsächlich eine große Anziehung auf die Figuren aus. Ein Fotograf ist so fasziniert von der Mimik, dass er Bilder davon macht, der Chefredakteur einer Wochenzeitung will mit der Geschichte Geld verdienen, und es tritt sogar eine geheimnisvolle Organisation auf den Plan, die unbedingt wissen möchte, warum diese Männer so glücklich gestorben sind.

Verbeugung vor Benedikt XVI.

Wirklich herausfinden, was hinter der Sache steckt, wollen dann vor allem die Protagonisten Jens – der Fotograf, der das Verkaufen der Bilder inzwischen bereut – und Julia, die als Praktikantin der Pathologie am Tatort war. Bei ihren Ermittlungen hilft ihnen Pfarrer Joseph Kerninger mit entscheidenden Hinweisen. Er war der Beichtvater von Robert, dem Leiter der kleinen Klostergemeinschaft, der seit der Tragödie verschwunden ist. Der ältere Geistliche, der seine Ausbildung im Freisinger Priesterseminar erhielt und so gutmütig wie geistreich erscheint, erinnert verdächtig an Joseph Ratzinger.

Wollbold bestätigt diese Beobachtung: „Die Figur Joseph Kerninger ist eine kleine Verbeugung vor und eine Hommage an diesen großen Papst“, verrät der 58-Jährige. Inspiriert habe ihn die Idee, was passiert wäre, wenn Ratzingers Habilitation nicht angenommen worden wäre. Diese war in den 50er Jahren vom Zweitkorrektor, dem Dogmatiker Michael Schmaus, zunächst zurückgewiesen worden. Nur indem Ratzinger sie noch einmal verkürzt einreichte, konnte er doch noch Professor werden.

Suche nach dem „letzten Glück“ als Thema

In Wollbolds Roman nimmt die Geschichte von „Kerninger“ eine ganz andere Wendung – hier verhindert der Professor „Gabriel Kraus“ endgültig die weitere wissenschaftliche Laufbahn des Priesters. So fristet Kerninger sein Dasein als Landpfarrer, wirkt aber bei dieser alternativen Karriere alles andere als unglücklich. Im Gegenteil, der Leser hat den Eindruck, dass er der Einzige ist, der das viel beschworene Glück tatsächlich gefunden hat. Laut Wollbold besteht es darin, dass er ihm gerade nicht nachjagt und sich stattdessen ganz in den Dienst Gottes und des Nächsten stellt.

Wer den Verdacht hat, ein Theologieprofessor, der „trockene Wissenschaft“ gewöhnt ist, könne nicht spannend schreiben, den wird „Felapton“ eines Besseren belehren. Auf den rund 400 Seiten fiebert der Leser vom ersten bis zum letzten Satz mit den Figuren mit. Dabei ist der Roman keine flache Unterhaltungsliteratur, sondern regt durch das Thema, die Suche nach dem „letzten Glück“, zum Nachdenken an. Besonders philosophisch und theologisch interessierte Leser werden ihre Freude daran haben. (Theresia Kamp)


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