Käferfund in Maria Eich Das große Krabbeln

14.01.2016

Einen ganz besonderen Fund hat es im Wallfahrtsort Maria Eich in Planegg gegeben. Hier wurde aber kein wertvoller Klosterschatz, sondern ein einmaliger Naturschatz entdeckt: der Eremit und andere sehr seltene Käferarten...

Eremit oder Juchtenkäfer - seltener Fund in Maria Eich (Bild: Fotolia.com)

Planegg - Die Fallen habe er natürlich gesehen und vermutet, dass da eine Untersuchung gemacht werde, als er aber das Ergebnis erfahren habe, wäre es  eine riesige Überraschung gewesen, erzählt Pater Matthäus Klein, Prior des Klosters und Wallfahrtskurat in Maria Eich. Jetzt ist er natürlich stolz auf die Artenvielfalt, die der Wald um den Wallfahrtsort beheimatet. Und das zu recht: Bei einer Untersuchung im vergangen Jahr wurden 240 holzbewohnende bzw. holzliebende Käfer gefunden, von denen 88 auf der Roten Liste Bayerns stehen. Acht Arten davon seien sogenannte Urwaldreliktarten, die auf alte, tote oder absterbende Bäume angewiesen seien. erklärt Michael Wagner, Mitarbeiter im Fachgebiet 6.3 Naturschutz im Landratsamt München. Über das Ergebnis war auch er erstaunt.

Schutzmassnahmen

Der Wald rund um Maria Eich mit 56 wirklich alten Bäumen sei eine echte Rarität, wie man ihn nur noch sehr selten fände. Die Erhaltung der Artenvielfalt sei ein großer Auftrag und natürlich müsse man jetzt alles tun um die alten Bäume, die noch leben, zu sichern, damit die Heimat für Käfer, Vögel und Fledermäuse erhalten bleibe. Man habe in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum München und Freising, den Bayerischen Staatsforsten - Forstbetrieb München, der Gemeinde Planegg und dem Kloster bereits einen Plan entwickelt in einem angrenzenden Gebiet der Bayerischen Staatsforsten dafür zu sorgen, dass ein solcher Baumbestand nachwachse. Derzeit sei geplant, so Wagner, vier solcher Zonen einzurichten, damit der Käfer etwa alle 100 Jahre ein Gebiet weiter wandern könne und immer entsprechend alte Bäume fände. In vierhundert Jahren würde er dann wieder in das Gebiet direkt um den Wallfahrtsort zurückkehren, hofft Wagner.

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Das wichtigste sei es jetzt, die Öffentlichkeit für diesen Schatz zu sensibilisieren. Das ist auch Pater Matthäus wichtig. Er habe früher oft von Spaziergängern gehört, er solle "seinen" Wald nicht so verkommen lassen. Jetzt ist er froh, dass das Kloster immer den Schöpfungsgedanken verfolgt habe und nicht in die Natur eingegriffen habe. In Zukunft müsse man überlegen, ob man möglicherweise manche Trampelpfade mit Totholz versperrt, damit die Tiere noch mehr Rückzugsmöglichkeiten haben. Auch der Betreiber des Parkplatzes wird, so Pater Matthäus, andere Leuchtmittel einsetzen müssen. Die herkömmlichen locken die Käfer von den Bäumen weg und bringen sie in große Gefahr. Im Herbst ist eine Ausstellung der im Wald um Maria Eich gefunden Fledermaus, Vogel- und Käferarten geplant und natürlich wird dann auch dargestellt werden, was zum Schutz dieser getan werden kann und muss. Möglicherweise wird es auch Exkursionen geben. Dass man dabei die seltenen Käferarten zu Gesicht bekommt, da muss Michael Wagner die Naturfreunde enttäuschen, sei unwahrscheinlich. Die Arten leben sehr zurückgezogen und seien nur durch die Fallen überhaupt nachweisbar gewesen.

Begeisterung in Maria Eich

Pater Matthäus begeistern seine tierischen Nachbarn und er amüsiert sich darüber, dass eine der seltenen Käferarten, der Juchtenkäfer, den Namens Eremit trägt. Bekanntheit erlangte dieser übrigens im Zusammenhang mit Stuttgart 21, wo das seltenen Krabbeltier den Bau des neuen Bahnhof behinderte. In Maria Eich ist er herzlich willkommen, sagt der Augustinermönch, auch wenn der Orden längst das Wort "Eremit" aus seiner eigenen Ordensbezeichnung, Eremiten des heiligen Augustinus, gestrichen habe, weil es nicht mehr mit der Lebensart der Augustiner zusammenpasse. Er ergänzt lachend: "Wir leben nicht in Höhlen, sondern in normalen Häusern und auch nicht alleine, sondern in Gemeinschaft." Und da seien natürlich auch die bislang unbekannten Nachbarn, die Käfer, herzlich willkommen. Er selbst habe sie noch nicht zu Gesicht bekommen, aber spannend sei das allemal und so will er nicht ausschließen, selbst vielleicht noch ein richtiger Käfer-Fachmann zu werden. (sts)


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