Weltklimakonferenz Bonn Das Großgedruckte des Papstes

20.11.2017

Dass Deutschland in einer Regierungskrise steckt und die Jamaika-Sondierungen gescheitert sind, macht den Klimaschutz nicht einfacher. Trotzdem – er kommt voran, auch weil es einen Papst gibt.

Klimaschutz ist vielfältig, auch eine Magna Charta wie die Sozial- und Umwelenzyklika Laudato Si gehört dazu.
Klimaschutz ist vielfältig, auch eine Magna Charta wie die Sozial- und Umwelenzyklika Laudato Si gehört dazu. © Imago

Und sie bewegt sich doch! Die Weltklima-Konferenz in Bonn ist vorbei. Die Vertreter aus den Regierungen, aus Hilfswerken und Initiativen bohren ein dickes Brett, aber sie arbeiten engagiert, lösungsorientiert und im Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung. Der Bohrer für das dicke Brett Klimaschutz dreht sich nicht im Schneckentempo, auch wenn die höchste Drehzahl noch lange nicht erreicht ist. Die an der Konferenz beteiligten kirchlichen Hilfswerke berichten jedenfalls, dass die Verhandlungen konstruktiv verlaufen sind. Auch wenn sie zurecht fordern, dass der Umschwung für die bedrohten Länder noch viel schneller kommen muss. Das Brett is auch durch die Kohlekraftwerke in der Bundesrepublik dicker als nötig. Und es wird nicht einfacher dadurch, dass soeben die Jamaika-Verhandlungen gescheitert sind und Deutschland in einer Regierungskrise steckt. Aber jeder, der einmal einen Vertrag unterschrieben hat, weiß, wie zäh Details, wie zäh das Kleingedruckte zu regeln ist.

Vor dem Kleingedruckten kommt das Großgedruckte

Doch vorher braucht es das Großgedruckte, damit klar wird, um was es überhaupt geht. Das aber gibt es und es hat ausgerechnet die katholische Kirche geliefert. Die Enzyklika Laudato si ist die Magna Charta, dieser Weltklima-Konferenz gewesen. Papst Franziskus hat darin etwas ins Werk gesetzt, was nationale Politiker oder Vertreter von Bündnissen nicht leisten, vielleicht nicht leisten können. Der Bischof von Rom hat die Pflicht, nicht zuerst auf die Interessen einer bestimmten Weltregion zu blicken, sondern die ganze Welt im Auge zu behalten. Für ihn gibt es kein Vatikan first. Und weil er im Gegensatz zu früheren Päpsten keinen eigenen Flächenstaat zu führen hat, kann er das mit Glaubwürdigkeit tun. Sein Amt ist im wahrsten Sinn katholisch, was nichts anderes als „allumfassend“ heißt. Diese moralische Autorität hat mitgeholfen, der größten zwischenstaatlichen Konferenz, die Deutschland jemals gesehen hat, ihre Dynamik zu geben. Das macht deutlich, dass die Welt solche Autoritäten braucht. Es zeigt, dass Kirche und Papsttum nicht von gestern sind, sondern heute wichtiger denn je, um der christlichen Botschaft Gewicht zu verleihen.

Ohne Land und deshalb moralische Großmacht

Diese Stimme weiß seit jeher, dass die Welt Schaden nimmt und Unrecht geschieht, wenn sie nur von Einzelinteressen und Einzelgruppen bestimmt wird. Sogar die Renaissance-Päpste, die mächtigen Kirchenfürsten im 16. Jahrhundert spürten das. Selbst damals versuchten sie immer wieder, eine ausgleichende Ordnungspolitik zu begründen und standen sich dabei als Mitwirkende im Ränkespiel der Staaten selbst im Weg. Erst seit es diesen Kirchenstaat nicht mehr gibt, sind die Päpste zu der weltweit gehörten und geachteten Stimme geworden, die sie seit 150 Jahren sind.
Darin liegt auch eine theologische Botschaft: Vielleicht müssen sich Kirchenvertreter in der Welt erst klein machen, damit sie Großgedrucktes glaubwürdig schreiben können. Es ist jedenfalls ein Segen für die Menschheit, dass die katholische Kirche diesen Weg gehen kann. Ungeachtet der persönlichen Uzulänglichkeiten, die es dort natürlich auch gibt und diese Kirche immer wieder entstellen. Im Zeitalter der Globalisierung ist sie ein Anker der Hoffnung für alle, die sich um das Wohl der Menschheit sorgen. So schwebte denn der Geist von Laudato Si über der Weltklimakonferenz und niemand kann mehr sagen, ein päpstliches Lehrschreiben sei ein moralisches Feigenblatt, das nichts bewirkt. Seit seinem Erscheinen ist es ein geistiger Motor, der beim Bohren der dicken Bretter entscheidend mitwirkt und für Bewegung im Denken und Handeln sorgt.

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Das Großgedruckte zum Klimaschutz

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz

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