Generalvikar Beer über Reform im Ordinariat "Das ist der nächste logische Schritt"

29.11.2018

Eine Nachricht, die für Aufsehen sorgte in den vergangenen Tagen: Ab 2020 wird das Münchner Ordinariat nicht mehr von einem Priester geleitet, sondern von einer Frau oder einem Mann aus dem Laienstand. Der aktuelle Verwaltungschef, Generalvikar Peter Beer, erklärt im Interview die Hintergründe.

Generalvikar Peter Beer
Generalvikar Peter Beer © EOM

Münchner Kirchenzeitung (MK): Herr Generalvikar, Hand aufs Herz, wenn Sie sich heute auf das Amt des zukünftigen Ordinariatsleiters bewerben würden – hätten Sie mit ihrem Bewerbungs-Profil Chancen?

Generalvikar Peter Beer: Ich würde beziehungsweise werde mich erst gar nicht bewerben. Jetzt ist etwas anderes gefordert. Nach der Erledigung von Schlüsselaufgaben zur notwendigen Reform beginnt nun eine andere, neue Stufe der Weiterentwicklung der kirchlichen Verwaltung. Dafür können Menschen mit einer entsprechenden grundständigen Ausbildung und einer einschlägigen breiten beruflichen Erfahrung wichtige Impulse setzen sowie entscheidende Prozesse begleiten. In Zusammenarbeit mit dem Generalvikar, dessen Funktion und Rolle neu bedacht wird, können er und die neue Ordinariatsleiterin / der neue Ordinariatsleiter vieles weiter bringen und zum Wohl der Erzdiözese beziehungsweise der Gläubigen wichtige Akzente setzen. Damit Generalvikar und Ordinariatsleiter/in beziehungsweise der/die sogenannte Amtschef/in von Anfang an in ihren jeweiligen Aufgaben gut zusammenfinden und in den Gleichklang kommen, finde ich es gut, wenn beide Positionen zur gleichen Zeit mit neuen Personen besetzt werden.

MK: Welche Qualifikationen sind für diese Aufgabe ihrer Ansicht nach heute erforderlich?

Generalvikar Beer: Neben den für beide Ämter einschlägigen Qualifikationen brauchen beide vor allem die Bereitschaft aufeinander zu hören; den Willen voneinander zu lernen; das Gespür für den Sendungsauftrag der Kirche und die Fähigkeit entsprechende Schlüsse für das eigene berufliche Handeln zu ziehen; eine positive Grundeinstellung zu den Menschen in- und außerhalb des Ordinariats sowie die nötige Demut, sich in den Dienst nehmen zu lassen und nicht als Herrscher mit entsprechender Attitüde aufzutreten. Es könnte auch nicht schaden, wenn die Stelleninhaber nicht auf ihren Sesseln kleben, sondern bereit sind, sich und anderen auch zu gegebener Zeit einen Wechsel zu gönnen, damit neue Impulse und Ansätze eine Chance erhalten.

MK: Der zukünftige Amtschef wird sich um operative Geschäft kümmern, ein Priester als Generalvikar um thematische, inhaltliche und theologische Fragen. Wie soll dieses Zusammenspiel funktionieren und bei wem liegt die letzte Entscheidungskompetenz wenn es Spitz auf Knopf steht?

Generalvikar Beer: Wir sind gerade noch dabei das Zusammenspiel genau zu beschreiben und auf sichere Füße zu stellen. Da geht es um Haftungsfragen, kirchenrechtliche Aspekte, theologische Implikationen und vieles andere. Folgendes dürfte aber jetzt schon klar sein. Zum einen: wenn etwas wirklich Spitz auf Knopf steht, dann sollten beide sich mit den zuständigen Gremien beraten, denn in schwierigen, unübersichtlichen Situationen hat selten einer alleine recht. Und zum anderen: in rein verwaltungstechnischen Angelegenheiten sollte der oder die die Letztentscheidung haben, der oder die wirklich etwas davon versteht. Das gilt umgekehrt natürlich genauso für Theologisch-thematisches.

MK: Was antworten Sie Kritikern, die in dieser Entscheidung bloßen, dem Zeitgeist geschuldeten Aktionismus sehen?

Generalvikar Beer: Wir können darüber gerne reden, ob das so ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dann aber auch gerne wissen, ob es sich wirklich nur um den oberflächlichen Zeitgeist handelt oder vielmehr um die Zeichen der Zeit, durch die Gott zu uns spricht. Außerdem würde ich dann ebenso geklärt haben wollen, was denn noch alles passieren muss, bis man vom Reden ins Tun kommt, bis sich wirklich etwas ändert, damit unsere Kirche aus der zum Großteil selbst verschuldeten Krise wieder heraus kommt. Die Entscheidung bezüglich Generalvikar und Amtschef / Amtschefin ist weder Aktionismus noch Kurzschluss. Sie ist eigentlich nur der nächste logische Schritt auf dem Weg jener Reformen, den ich vor zirka acht Jahren gemeinsam mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begonnen habe, Schritt für Schritt zu gehen.

MK: Im Februar werden Sie 53 Jahre alt, 2020 scheiden Sie aus dem Dienst als Generalvikar aus. Welche Aufgabe wartet dann auf Sie?

Generalvikar Beer: Also für Ruhestand ist es mir schon ein bisschen zu früh, so dass ich mich auf eine neue Aufgabe freue. Zu tun gibt es in den unterschiedlichen Handlungsfeldern der Kirche wahrlich genug. Welche Aufgabe auf mich wartet, weiß ich noch nicht. Doch Entscheidungen wie die zur Umstrukturierung der Leitungsebene muss man eben fällen, wenn sie der Sache nach fällig sind und nicht erst dann, wenn man für sich selbst alles abgesichert beziehungsweise klar hat. Der Zeitpunkt, die Aufteilung der bisherigen Funktionen des Generalvikars jetzt anzugehen, lag nahe: der kirchliche Reformbedarf liegt nach Meinung vieler klar auf dem Tisch und wird auch immer wieder thematisiert; unser Kardinal ist nach zehn Jahren im Amt daran gegangen, seine nächsten zehn Jahre zu planen; am 1. Januar 2020 habe auch ich zehn Dienstjahre als Generalvikar hinter mir. Ich hoffe sagen zu dürfen, ich habe in gewisser Weise meine Schuldigkeit in diesem Amt getan und ein Wechsel der Personen in einem solchen Amt, tut nach einer bestimmten Zeit auch der Institution als Ganzes gut.
(Interview: Florian Ertl, Susanne Hornberger, Christian Moser)


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