Heiraten auf dem Wendelstein Das Ja-Wort in der Bergkirche

11.09.2020

Eine Hochzeit am Südseestrand oder am Eiffelturm – der schönste Tag des Lebens muss etwas Besonderes sein. Kein Wunder, dass das Wendelstein-Kircherl zu den beliebten Hochzeits-Orten im Erzbistum München und Freising gehört.

Kirche auf dem Wendelstein
Die Kirche auf dem Wendelstein ist die höchstgelegene Kirche Deutschlands. © imago images / imagebroker

Brannenburg – Manchmal klingelt bei Pfarrer Helmut Kraus das Telefon und der Anrufer ist in den Niederlanden oder in Belgien zu Hause. Dann hat wieder ein Brautpaar die wildromantisch gelegene kleine Kirche auf dem Wendelstein entdeckt und will unbedingt dort oben heiraten. Das der Gottesmutter Maria geweihte Gotteshaus auf dem Wendelstein ist, anders als die Zugspitzkapelle, nämlich eine echte Kirche.

Technisch gesehen ist eine Hochzeit dort oben nicht unbedingt ein Problem, sagt der Seelsorger. Denn die Hochzeitsgesellschaft muss sich nicht die gut vier Stunden Gehzeit auf den Gipfel antun: eine Zahnradbahn fährt hinauf und mit der kann der Pfarrer auch transportieren, was er für eine Eheschließung braucht. Besonders praktisch ist, dass ein Brautpaar zuerst im Wendelsteinhaus standesamtlich heiraten und dann zur Kirche hinüberspazieren kann. So sind es etwa 10 Trauungen, die der Brannenburger Pfarrer hoch über dem bayerischen Voralpenland vornimmt. Das Kirchlein liegt auf dem Gebiet des Pfarrverbandes Brannenburg-Flintsbach, auch wenn oben auf dem Gipfel die Grenze zwischen den Landkreisen Rosenheim und Miesbach verläuft.

Manchmal wird aus der Hochzeits- eine Bergpredigt

Natürlich schaut sich der Pfarrer an, wer da mit dem etwas ausgefallenen Hochzeitswunsch zu ihm kommt: „Meistens sind es Menschen, für die die Berge eine besondere Bedeutung haben. Etwa, weil sie von einem Urlaub geprägt sind oder weil sie durch ihre Hobbies eine große Nähe zu den Bergen haben.“ Da kann es schon mal vorkommen, dass das Brautpaar (und auch die halbe Hochzeitsgesellschaft) in schweren Bergschuhen vor dem Altar steht. Und dass Pfarrer Kraus sich in seiner Predigt Anleihen aus dem Alpinismus nimmt. Dann spricht er von „aneinander binden“, „sich gegenseitig Halt geben“, aber nicht „aneinander ketten“ – denn so manche Ehe verläuft ja tatsächlich wie eine lange Bergtour: mit Höhen und Tiefen, wundervollen Momenten, aber auch gefährlichen Stellen, mit Erschöpfung, mit dem Vorwärts- und Zurückschauen.

Als „Location“ nicht für jedes Paar geeignet

Pfarrer Kraus hat es aber auch schon erlebt, dass Hochzeitspaare nach einem Gespräch mit ihm wieder einen Rückzieher gemacht haben. Denn die kleine Kirche ist nur von Mai bis Oktober geöffnet, außerdem hat sie keine Orgel, und auch für andere Instrumente nebst Musikern oder einen Chor ist wenig Platz, außerdem passen gerade mal 35 Hochzeitsgäste hinein. Der Hauptgrund, warum Paare aus der Umgebung nicht mal dran denken, sich hoch über dem Inntal trauen zu lassen: „Wenn bei uns in einem bayerischen Dorf zwei junge Leute heiraten, dann heiraten die mit mindestens achtzig, eher mit einhundertzwanzig Personen. Wer bei uns in der Burschenschaft oder in der Landjugend ist, der fährt da nicht hinauf, und wir haben herunten jede Menge schöne Kirchen.“


Nach der Renovierung der Wendelsteinkirche vor drei Jahren ist bei schönstem Wetter ein Film entstanden, der ein großes Echo hervorgerufen hat: sogar bei Kai Pflaume ist Pfarrer Kraus schon in der Sendung gewesen. Film und Fernsehauftritt haben natürlich noch mehr zu einer bundesweiten Bekanntheit des kleinen Gotteshauses beigetragen. Deshalb ist Pfarrer Kraus auch ein bisschen hin- und hergerissen, was er von dem etwas exotischen Trauungsort halten soll: einerseits befürchtet er, dass manche Paare der spektakulären Umgebung und dem Show-Charakter mehr Bedeutung bemessen, als dem Ehesakrament. „Aber, wenn Menschen kirchlich heiraten wollen und damit offenkundig einen Anknüpfungspunkt an Kirche suchen, versuche ich schon, das als Chance zu sehen.“ Und so wird der Pfarrer auch weiterhin das Ehesakrament in 1730 Metern Höhe spenden.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirchlich Heiraten

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