Beschädigte Gipfelkreuze Das Kreuz als Ausdruck der Liebe

14.09.2016

Zerstörungswut in den Bergen: Ein Unbekannter hat kürzlich das Gipfelkreuz am Schafreuter im Karwendelgebirge umgehackt. Kurz zuvor waren zwei andere Kreuze in der Gegend stark beschädigt worden. Die tiefere Bedeutung von Gipfelkreuzen kommentiert Weihbischof Bernhard Haßlberger.

Weihbischof Bernhard Haßlberger ist Bischofsvikar für die Seelsorgsregion Nord. © Erzbischöfliches Ordinariat

Im Sommer wurden drei Gipfelkreuze angesägt oder gar umgeschlagen. Jetzt im September hat in der Schweiz auf einem Berg ein Atheist einen großen Halbmond aufgestellt. Aus Protest gegen die Gipfelkreuze, um, wie er sagt, zu provozieren. Seither wogt in der Presse die Meinung hin und her. Es vergeht kaum ein Tag, in dem nicht darüber ein Artikel erscheint oder ein Leserbrief zu finden ist.

Das zeigt uns sehr deutlich, dass wir nicht mehr einfach in einer christentümlichen Gesellschaft leben. Es gibt mittlerweile bei uns viele Religionen und es gibt viele Menschen, die nichts glauben bis hin zu kämpferischen Atheisten. Ich glaube, das müssen wir einfach zur Kenntnis nehmen: Die Welt ist anders geworden, auch bei uns.

Andererseits kommen wir auch aus einer sehr christlichen Tradition, die unser Land und die Menschen hier nachhaltig geprägt hat. Die wesentlichen Werte, nach denen wir leben, wurzeln hierin. Die Menschenrechte, die für uns absolut verbindlich sind, stammen aus eben dieser Tradition. Der Grundsatz „die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist sozusagen ein biblisches Gedankengut.

Die Kreuze, die wir überall in unserem Lande auch sehen, die Kreuze vor allem auch auf unseren Berggipfeln sind Ausdruck unseres Glaubens, aber auch unserer christlichen Tradition und dieser Werte, die für uns absolut verbindlich sind. Mit großer Mühe haben viele in der Vergangenheit diese Kreuze auf die Gipfel gebracht und dort aufgestellt. Ein Zeichen ihres und unseres Glaubens.

Es ist aber, so meine ich, immer wieder auch sehr wichtig zu bedenken, dass diese Kreuze keine Machtdemonstration sind. Sie sind nicht Ausdruck eines Gefühls der Dominanz und der Stärke, schon gar nicht dafür, dass die Andersgläubigen oder Nichtgläubigen davor Angst haben müssten. Ganz im Gegenteil ist das Kreuz der Ausdruck der größten Liebe. Zunächst einmal der Liebe Gottes zu uns Menschen, denn das Kreuz Jesu zeigt in ganz besonderer Weise diese Liebe Gottes. In Jesus und in seinem Kreuz wirft Gott sich selbst für uns in die Waagschale, so wie Jesus es im Johannes-Evangelium ausdrückt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab.“ Das Kreuz ist also zunächst Ausdruck dieser Liebe Gottes zu uns, aber dann auch der Ausdruck der Liebe, die wir von Jesus her untereinander pflegen und leben sollen. In diese Liebe sind ausdrücklich alle Menschen mit hineingenommen, auch die Andersgläubigen und Nichtgläubigen.

Wenn wir unsere Welt anschauen, wird für mich eigentlich jeden Tag deutlich, wie sehr es diese Liebe in unserer Welt braucht. So bin ich überzeugt, dass es auch wichtig ist, dass diese Kreuze zu sehen sind, ja, dass sie auf den Gipfeln unserer Berge weit in das Land hineinleuchten als Ausdruck dieser Liebe und als Mahnung an uns, diese Liebe auch zu leben.


Das könnte Sie auch interessieren

Gipfelkreuz mit Wölkchen und ohne digitale Nachbearbeitung.
© Ludwig Watteler

Gipfelkreuze in kühner Optik

Wenn der Fotograf Ludwig Watteler ins Gebirge geht, dann kommt er mit atemberaubenden Bildern zurück. Dazu braucht er nur eine einfache Kamera und ein Kreuz.

25.08.2020

Weihbischof Haßlberger beim Gang über den Hof.
© umeyer

Situation der Landwirte Weihbischof Haßlberger besucht Bauernhof

Flächenfraß, Klimaveränderung und die zunehmend industrialisierte Landwirtschaft: Darüber hat das Ehepaar Keilhacker aus Langrain mit Weihbischof Haßlberger gesprochen. Danach folgte ein Rundgang über...

06.10.2017

© Screenshot

Aufregung um Google Wo sind die Kreuze der Kirchtürme hingekommen?

Im Kartendienst von Google fehlen in der 3-D-Ansicht bei vielen Kirchen die Kreuze. Weil der Rest der Bilder gestochen scharf ist, liegt der Verdacht nahe, dass schon wieder mutwillig Kreuze entfernt...

09.09.2017

Durch das Entfernen der Kreuze von Verpackungen hat Lidl einen Shitstorm auf sich gezogen.
© imago

Religiöse Vielfalt Lidl will Produkte ohne Kreuze wieder ändern

Die Supermarktkette hat auf Verpackungen von griechischen Produkten die Kreuze orthodoxer Kirchen entfernen lassen. Das wurde stark kritisiert. Auch Pfarrer Stephan Fischbacher aus dem Pfarrverband...

06.09.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren