Mehr als ein Symbol für Bayern Das Kreuz mit dem Kreuz

30.04.2018

Mit seiner Initiative, in allen bayerischen Behörden Kreuze aufzuhängen, hat Ministerpräsident Söder bundesweit für Aufsehen gesorgt. Warum der CSU-Politiker damit nicht mal bei der Kirche wirklich punkten konnte, das kommentiert Christian Moser.

In den bayerischen Behörden sollen künftig Kreuze im Eingangsbereich hängen © imago/Christian Ohde

Es ist wirklich ein Kreuz mit dem lieben Kreuz. Da hat Ministerpräsident Markus Söder von der Christ-Sozialen Union eine aus seiner Sicht grandiose Idee: In jeder Bayerischen Behörde soll ein Kreuz hängen – gleich im Eingangsbereich. Schließlich, so die Begründung, ist das Kreuz ein Zeichen der bayerischen Identität. Also sowas wie die Berge, die Biergärten, Trachtenvereine oder gar das Oktoberfest. Um dieses Bayern zu sehen und zu erleben, kommen Jahr für Jahr Millionen von Touristen nach Bayern. Da kann es doch nicht so falsch sein, das Kreuz in diese Aufzählung mitaufzunehmen?

Das Kreuz ist ein religiöses Symbol

Eines hat der Ministerpräsident – der selbst gläubiger Christ und Mitglied der evangelischen Landessynode ist - aber bei seinen Überlegungen übersehen: Das Kreuz ist zwar an vielen Orten und Ecken Bayerns präsent und prägt so tatsächlich auch das Landschaftsbild. Aber in erster Linie ist es ein religiöses Zeichen. Denn wie die Reaktionen von kirchlichen Würdenträgern und einfachen Gläubigen belegen: Das Kreuz ist zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens. Es symbolisiert den Tod und die Auferstehung Jesu. Die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern wir uns alle auf die Ewigkeit bei Gott freuen dürfen. Das ist die zentrale Aussage.

Bayern ist christlich geprägt

Unstrittig ist, dass Bayern starke christliche Wurzeln hat und diese heute noch in der Gesellschaft weit verbreitet sind, vielleicht am weitesten in Deutschland. Das wird vielleicht auch bei einigen Attributen sichtbar, die wir Bayern für uns beanspruchen: Wir sind weltoffen, behaupten wir gerne von uns. Und das berühmte „Leben und leben lassen“ kommt gleich danach. Ins Christliche übersetzt könnte das heißen, dass wir jeden Menschen so akzeptieren, wie er ist, dass wir Notleidende aufnehmen und ihnen helfen. Nicht aber, dass wir über Obergrenzen verhandeln und Hilfsbedürftige abweisen. Vielleicht überdenkt die bayerische Landespolitik vor dem Hintergrund der Kreuzesdebatte ja auch nochmal die ein oder andere politische Position. Zu wünschen wäre es jedenfalls – aus christlich-bayerischer Sicht.

Audio

Es ist ein Kreuz mit dem lieben Kreuz

Kommentar zur Kreuzdiskussion in Bayern

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kreuz-Debatte

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