Polit-Talk in Freising Das Kreuz vor der Wahl

13.07.2017

Im Jahr der Bundestagswahl ist die Politikverdrossenheit in Deutschland groß. Eine Diskussionsrunde in Freising soll dafür sorgen, dass aus der Last des Wahlkreuzes vielleicht doch wieder eine Lust wird.

Der Polit-Talk in Freising soll Hilfestellung für das Kreuz bei der Bundestagswahl geben. © Fotolia

Freising – Das Jammern und Wehklagen ist groß. Und laut. Und berechtigt. Der Frust sitzt tief, das lässt sich weder übersehen, noch überhören: Politik, ach bleib mir weg! Die machen doch eh alle, was sie wollen! Wählen geh ich schon lange nicht mehr. Ist doch eine Partei so schlecht wie die andere.

Ja, so kann man denken. Das ist allerdings nicht im Sinne der Erfinder, die uns in grauer Vorzeit einmal die Demokratie geschenkt haben, auf dass das Volk mitbestimmen möge, was sein eigenes Schicksal betrifft. Klar, auf der Verdrossenheit lässt sich bequem ausruhen. Für alle diejenigen allerdings, die es sich nicht ganz so leicht machen wollen, gibt es jetzt ein einmaliges Angebot der Stiftung Bildungszentrum auf dem Freisinger Domberg und dem katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund.

Am Freitag, 21. Juli, haben die beiden Organisatoren nämlich einen veritablen Polit-Talk auf die Beine gestellt. Mit echten Politikern, die sich, weil sie ja leibhaftig da sein werden, nicht verstecken können hinter wohlgedrechselten Presseerklärungen und Polit-Geschwurbel. Genauerhin werden sich Dr. Marcel Huber MdL (CSU), Florian Pronold (SPD), Margarete Bause (Bündnis 90/Die Grünen), Ates Gürpinar (Die Linke), Daniel Föst (FDP) und Martin Hebner (AfD) allen Fragen stellen müssen, die den Gästen unter den Nägeln brennen.

Vereinbarkeit mit christlichen Grundwerten

Ein Schwerpunkt soll sich damit beschäftigen, wie es um die Vereinbarkeit der verschiedenen Parteien mit den christlichen Grundwerten bestellt ist. Zu diesem Zweck werden ausgewiesene Kirchen-Experten aus verschiedenen Bereichen diese christlichen Positionen darlegen und die anwesenden Politiker auffordern, dazu ganz konkret Stellung zu beziehen. Getreu der Faustschen Frage „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“

Überschrieben ist die Veranstaltung, die um 18 Uhr auf dem Freisinger Domberg beginnt, mit dem Titel „Das Kreuz vor der Wahl“ und soll dazu beitragen, dass aus der Last des Wahlkreuzes vielleicht doch eher wieder eine Lust wird. Eingeladen sind politisch Engagierte, Verdrossene, Protest- und Wechselwähler, Langzeit- und Jungwähler, sowie alle, die einfach Interesse daran haben zu erfahren, was Sache ist im Staate Deutschland. Moderiert wird der Abend von Christian Krügel, dem Ressortchef München, Region und Bayern der Süddeutschen Zeitung.

Live-Übertragung auf Facebook

Übrigens kann man seine Fragen und Anmerkungen auch über die Sozialen Medien ein- und anbringen, denn der Abend wird von der Online-Redaktion des Sankt Michaelsbundes als Facebook-Stream live übertragen. Außerdem wird das Münchner Kirchenradio die gesamte Veranstaltung ebenfalls live übertragen und den Mitschnitt zur Verfügung stellen.

Themenpaten wollen Politiker mit ihren Überzeugungen konfrontieren

Thomas Steinforth, Vorstandsreferent der Caritas in München, zu „Soziale Gerechtigkeit“:
„In der christlichen Perspektive ist ausnahmslos jeder Mensch dazu berufen und auch berechtigt, seine Begabungen, seine Fähigkeiten, also sich selber in sozialen Bezügen zu entfalten und sich einzubringen. Das ist aber nur möglich, ohne die beständige Angst vor Abstieg, vor Ausgrenzung, vor Armut. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Etliche Kinder und Jugendliche haben viel zu wenig reale Chancen auf ein armutsfreies Leben, und einer wachsenden Zahl alter Menschen droht die Altersarmut. Und daher besteht eine Mindestanforderung sozialer Gerechtigkeit darin, Armut konsequent zu vermeiden und Teilhabe für alle zu ermöglichen. Für alle heißt bei dem Thema: auch verborgene Nöte, auch versteckte Armut wahrzunehmen. Und die Forderung von Franziskus, an die Ränder zu gehen, heißt politisch, eben auch die zu berücksichtigen, die hinter den Rändern der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit leben.“

Simone Leneis, Mitarbeiterin am Zentrum Flucht und Migration an der Uni Eichstätt, zu „Migration und Integration“:
„Migration und Integration – diese Themen emotionalisieren spätestens seit dem langen Sommer der Migration 2015. Dabei hat sich die Kirche aus dem Geist des Evangeliums heraus an die Seite der Flüchtlinge gestellt, mit Wort und Tat. Papst Franziskus machte seinen ersten offiziellen Besuch im Juli 2013 auf die Insel Lampedusa. Was für ein besonderes Zeichen, um zu Solidarität mit den Flüchtlingen zu mahnen. Er sagte: „Wir können nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird.“ Die Worte des Papstes werben für einen Perspektivenwechsel und eine Schärfung der Wahrnehmung. Der Papst spricht aus, was das Wesen der Kirche ausmacht. Jesus sagte: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ Auf dieser Grundlage sind alle Menschen zur Globalisierung der Nächstenliebe aufgerufen. Diesen Gedanken fühlen wir uns auch am Zentrum Flucht und Migration verpflichtet.“

Mattias Kiefer, Umweltbeauftragter für das Erzbistum München und Freising, zu „Umwelt“:
„Der Klimawandel gilt heute als eine der drängendsten globalen Herausforderungen überhaupt. Der Handlungsdruck ist immens. Es sind massive Anstrengungen quer durch alle Lebens- und damit auch Politikbereiche erforderlich. Unser Leben wird sich dramatisch ändern, ändern müssen. Die Bundesregierung hat einen ambitionierten Klimaschutzplan mit definierten Reduktionszielen quer durch alle Sektoren vorgelegt. Allein die Umsetzung, sie hakt, an allen Ecken und Enden. Die Beharrungskräfte der Menschen, aber auch in Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft, selbst in der Kirche, sind immens, dabei ist die kirchliche Position eigentlich klar. Abgeleitet aus dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu behüten, erklärt Papst Franziskus: Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle. Sein Aufruf zu Umkehr, ihm Folge zu leisten, ist dringender denn je.“

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bundestagswahl und zum Thema Bundestagswahl 2017

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