SkF betreut psychisch kranke Mütter Das Leben neu ordnen

14.08.2019

Laura hat in ihrem Leben schon viel erlebt. Ihr Sohn und sie bekommen Hilfe, um ihren Alltag in Zukunft alleine zu meistern.

Mittagessen in der Einrichtung für psychisch erkrankte Frauen mit Kindern
Mittagessen in der Einrichtung für psychisch erkrankte Frauen mit Kindern © SkF

München – Wenn Laura (26) morgens aufwacht, herrscht meistens ein Durcheinander in ihrem Kopf. Sie schläft schlecht und träumt viel und manchmal sind es Alpträume. Laura hat in ihrem jungen Leben schon viel erlebt, was nicht schön war – Gewalt in der Familie, eine alkoholkranke Mutter, die sie früh verlassen hat, und eine wechselvolle Schulkarriere. Durch die traumatischen Erlebnisse entwickelte sich eine psychische Erkrankung. Und die Beziehung zum Vater ihres kleinen Sohnes hatte sie sich auch leichter vorgestellt.

Seit einem halben Jahr lebt Laura mit dem acht Monate alten Anton in der stationären Mutter-Kind-Einrichtung für psychisch erkrankte Mütter „Lucia“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) München. Dort wird sie intensiv betreut und begleitet, damit sie eines Tages ohne Unterstützung mit sich, ihrem Kind und ihrem Alltag klarkommt. Damit der Tag für die Mütter gut beginnen kann, versucht man hier, ihnen Übungen an die Hand zu geben. Zum Beispiel, direkt nach dem Aufwachen an etwas Positives zu denken. Ein schöner Gedanke soll Halt und Sicherheit vermitteln und die Anspannung senken. Das ist nur ein Ritual von vielen. Ziel ist es, dass die Frauen solche Rituale so fest in den Alltag integrieren, dass sie irgendwann ganz automatisch ablaufen.

Feste Regeln

Von Montag bis Freitag gibt es ein gemeinsames Frühstück, an dem alle teilnehmen. Auch hier gelten feste Regeln: Es gibt einen Plan, wer den Tisch deckt, wer ihn später abräumt und die Gemeinschaftsküche wieder sauber macht. Erst wenn alle am Tisch sitzen, wünscht man sich einen guten Appetit und beginnt mit dem Frühstück. Zusätzlich finden einmal in der Woche ein gemeinsames Mittag- und ein Abendessen statt. Das stärkt die Gemeinschaft unter den Bewohnerinnen, schafft Bindungen und nebenbei lernen die Frauen zu kochen, sich gesund zu ernähren und erfahren, wie positiv es sein kann, gemeinsam mit den Kindern am Tisch zu essen.

Diese Alltagsstrukturen geben den jungen Frauen Sicherheit für sich selbst, aber auch für ihre Rolle als Mutter. Sie haben es meistens nicht erlebt, wie man ein Kind versorgt, beschäftigt, es zu Bett bringt, beruhigt oder tröstet. Auch dafür erarbeiten die Bezugsbetreuerinnen in der Einrichtung mit den Frauen individuelle Pläne, mit deren Hilfe sie lernen, ihrer Rolle als Mutter gerecht zu werden und eine gute Bindungsbeziehung zu ihrem Kind aufzubauen und zu pflegen. Dazu gehört auch die tägliche Mutter-Kind-Gruppe, in der den Frauen Anleitungen und Ideen zum Spielen mit ihren Kindern gegeben werden.

Stimmungsschwankungen und ein negatives Selbstbild

Viele der Frauen, die hier leben, haben Schwierigkeiten im Umgang mit ihren eigenen Gefühlen. Manche spüren sie nicht, andere spüren sie extrem. Sie leiden unter Stimmungsschwankungen und einem negativen Selbstbild. Für diese Frauen bietet „Lucia“ eine verpflichtende sogenannte „Skillsgruppe“ an. Hier werden gezielt Rituale und Fertigkeiten eingeübt, die helfen, Anspannungen zu reduzieren und den Umgang mit heftigen Gefühlen zu erleichtern. Beispielsweise bei hoher innerer Anspannung und Selbstverletzungsdruck einen Schmerzreiz zu setzen, etwa durch das Beißen auf eine Chilischote.

Laura hat mittlerweile gelernt, eine Tagesstruktur für sich und ihr Kind zu erarbeiten – diese kontinuierlich durchzuhalten, ist ihre große Herausforderung. Besonders, wenn sie von ihrer traumatischen Vergangenheit in der Gegenwart eingeholt wird. Aber sie arbeitet sich Schritt für Schritt vorwärts. Sie besucht mit Anton eine Mutter-Kind-Therapie und geht wöchentlich zu ihrer eigenen Psychotherapeutin. Auch dies gibt ihrem Alltag Struktur und Halt. Mit Hilfe ihrer Bezugsbetreuerin konnte sie ein Abendritual für ihren Sohn entwickeln, das es ihr ermöglicht, ihn abends in Ruhe und ihm Geborgenheit vermittelnd ins Bett zu bringen. Dies hilft Anton und auch Laura, deren Anspannung abnimmt. (Elisabeth Tyroller)


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