Kerzen im Gotteshaus Das Licht der Welt

08.02.2019

An Mariä Lichtmess werden in den Kirchen im Erzbistum die Kerzen geweiht – für die Privathaushalte der Gläubigen und die Gottesdienste in den Gemeinden. Im Kirchenraum stehen die brennenden Lichter an ganz bestimmten Punkten. Dahinter steckt eine tiefe Symbolik.

Domzeremoniar Diakon Bernhard Stürber zündet eine Kerze an.
Domzeremoniar Diakon Bernhard Stürber zündet eine Kerze an. © SMB/WItte

München – Am Opferstock leuchtet ein kleines Licht. Daneben noch eines. Winzige Flammen machen die Dunkelheit des Liebfrauendoms ein wenig heller. Domzeremoniar Diakon Bernhard Stürber deutet auf die Opferlichter: „Ein paar von diesen Kerzen können in einer dunklen Kirche eine Helligkeit erzeugen, die ins Innerste, in die Seele eindringt und wärmt. Wenn die Menschen hier eine Kerze anzünden und dabei ein Gebet sprechen, wird das Gebet sozusagen sichtbar.“ Für den Domzeremoniar auch ganz wichtig: selbst die kleinen Opferlichter sind ein Zeichen für die Zuversicht, dass es da einen gibt, der das Dunkel der Nacht, das Dunkel des Todes besiegt hat.

Die Osterkerze – das Licht des Auferstandenen

In dieser Beziehung stehen alle Lichter in einem Gotteshaus zueinander: zuallererst kommt der Glaube an Jesus Christus, an den Auferstandenen natürlich in der Osterkerze zum Ausdruck, die in der Osternacht entzündet wird und die fünfzig Tage bis Pfingsten als Erinnerung brennt. Sie steht in dieser Zeit vorne im Altarraum, gut sichtbar für jeden Kirchenbesucher. Im Münchner Dom wird sie nach Pfingsten in die Taufkapelle gebracht, ein paar Meter neben dem Altarraum. Hier spielt sie bei jeder Taufe eine wichtige Rolle – als Symbol für das ewige Leben, das jedem Täufling in Aussicht gestellt wird. „Unterstützt“ wird die Osterkerze, wenn sie am Altar oder am Ambo steht, auch von – normalerweise – vier Altarkerzen. „Sie sind sozusagen die Fortsetzung des Lichts der Osterkerze, sie deuten die Gegenwart Jesu Christi, des Lichts der Welt, bei der Messfeier an“, erklärt Diakon Stürber. Außerdem verstärken die Altarkerzen mit ihrer wärmenden Helligkeit den festlichen Charakter, wenn sich die Gemeinde zur Eucharistiefeier versammelt. Wie bei einer weltlichen Feier auch geben die Flammen am Altar Geborgenheit, helfen den Gläubigen, sich das Besondere an der Situation vor Augen zu führen.

Beim Spenden des Lichts verzehrt sich die Kerze selbst

Dann geht der Domzeremoniar ein paar Schritte nach vorne und deutet auf einen kleinen hellen Punkt, den mancher auf den ersten Blick vielleicht gar nicht bemerkt: das „Ewige Licht“. Die kleine Lichtampel steht oder hängt meist in der Nähe des Tabernakels und zeigt die Gegenwart des Allerheiligsten an. Die Öllampe sollte deshalb nie ausgehen. Ihre rote Farbe hat die Ampel um die „Anwesenheit der überströmenden, göttlichen Liebe“ zu verdeutlichen, wie Diakon Stürber das erklärt.

Ähnliche Symbolkraft hat auch das Material aus dem die Kerzen gemacht sind. Das Wachs, früher vor allem Bienenwachs, verbrennt, während es die Flamme nährt. Es ist ein Zeichen des Sich-Verzehrens, vor allem für die Hingabe Jesu Christi am Kreuz. Dasselbe gilt aber auch für das Leben des Menschen, das aufgezehrt wird. „Und doch ist es umfangen vom Licht, vom Osterlicht, das uns in die Ewigkeit hinüberleuchtet.“

Fast unerschöpflich ist das Thema der Lichtsymbolik in der Kirche, sagt der Domzeremoniar. Das fängt schon beim natürlichen Licht an, das in manchem Gottesdienst eine Rolle spielt: weil in den meisten katholischen Kirchen der Hochaltar nach Osten ausgerichtet ist, fällt das Licht der aufgehenden Sonne zuerst durch die Fenster darüber. In Gemeinden, die die Osternacht noch am frühen Morgen begehen, hat das den Effekt, dass zum Ende der Lichtfeier langsam die ersten Sonnenstrahlen den Kirchenraum erhellen.

Zusätzliche Bedeutung bekommt die Lichtsymbolik auch an Mariä Lichtmess, betont Diakon Stürber. Das Fest hat seinen Namen im Volksmund aus der Tradition der Lichterprozession, die inzwischen in immer weniger Pfarreien durchgeführt wird. Noch relativ verbreitet ist die Segnung der Kerzen am Lichtmesstag, früher auch der schwarzen Wetterkerzen, die im Frühjahr und Sommer als Schutz gegen Unwetter angezündet wurden. Aber auch der offizielle Name des Lichtmesstags, „Darstellung des Herrn“ verweist wieder auf das Licht. Als Maria den Neugeborenen Jesus zum ersten Mal in den Tempel mitnimmt, preist der greise Seher Simeon das Kind: als Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit für sein Volk Israel. (ww)

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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