Peter Huber engagiert sich in Dorf und Kirche Das "Miteinander" ist sein Leben

15.08.2018

Wenn Peter Huber aus seinem Leben erzählt, verwendet er selten ein „Ich“, immer ein „Wir“. Allein in fünf Vereinen ist er Mitglied. Dazu kommt noch der Vorsitz im Pfarrgemeinderat.

Wenn Peter Huber aus seinem Leben erzählt, verwendet er selten ein „Ich“, immer ein „Wir“.
Wenn Peter Huber aus seinem Leben erzählt, verwendet er selten ein „Ich“, immer ein „Wir“. © Feichtner

Wildenwart – „Miteinander und zusammen“ – können diese Wörter einen Menschen beschreiben? Schwer vorstellbar, aber bei Peter Huber trifft das zu. Wenn er in der Stube seines Hofes in Siegharting, einem Drei-Höfe-Weiler, der zu dem kleinen Dorf Wildenwart im Chiemgau gehört, sitzt und aus seinem Leben erzählt, verwendet er selten ein „Ich“, immer ein „Wir“. Allein in fünf Vereinen ist er Mitglied, der Trachtenverein „Die lustigen Wildenwarter“ und die Feuerwehr liegen ihm besonders am Herzen. Dazu kommt noch der Vorsitz im Pfarrgemeinderat.

"Kein Zeit - das gibt's nicht"

Der Trachtenverein begleitet Peter Huber praktisch schon sein ganzes Leben, ist fast sein Leben. 1973, als fünfjähriger Bub, marschierte er bereits an der Hand seiner Mutter beim Gautrachtenfest mit: ein Erlebnis das Fest, ein Familienereignis die Vorbereitungen. So war der Vater als zweiter Vorstand stark eingebunden. „Da war ich natürlich bei allen Festen dabei und habe geholfen – beim Daxenschneiden im Wald für die Dekoration, beim Herrichten – das hab ich immer gerne gemacht“, erzählt der heute 50-Jährige. Wenn er begeistert von den Feierlichkeiten und Festen berichtet, von denen es in dem kleinen Dorf überraschend viele gibt, ist klar: Das ist bis heute so. „Keine Zeit, das gibt's bei mir nicht. Wenn jemand etwas braucht, dann nehme ich mir die Zeit.“

Beim Gautrachtenfest 1993 war er zweiter Vorplattler, vor kurzem hat er das Amt des Fahnenbegleiters abgegeben, das er 30 Jahre lang innehatte. Aber es sind nicht die offiziellen Ämter, für die er lebt. „Es ist das Miteinander- Reden, das Zusammenhelfen, das Gemeinsam von Jung und Alt, das mir Spaß macht. Wir haben eine super Dorfgemeinschaft“, schwärmt Huber. Daraus zieht er seine Kraft. „Ich brauche kein Hobby, keinen Sport – das gibt mir die Arbeit für die Vereine.“

„Die Kraft gibt uns der Herrgott.“

Eine andere und wichtige Kraftquelle ist die Kirche. Schon als Kind war der regelmäßige Gottesdienstbesuch eine Selbstverständlichkeit. „Hier finde ich Ruhe und kann auftanken.“ Besonders seit einer schweren Erkrankung seiner Frau Christine im Jahr 1996, nur ein Jahr nach der Hochzeit, ist sich Peter Huber ganz sicher: „Die Kraft gibt uns der Herrgott.“ Wenn er von dieser schweren Zeit erzählt, die er gemeinsam mit seiner Frau durchgestanden hat, ist er immer noch sehr bewegt. „Wie viel wir gebetet haben, gemeinsam gekämpft haben, das hat uns geholfen und uns zusammengeschweißt“, beschreibt er, wie der Glaube damals noch vertieft wurde. Dass er sich seit 14 Jahren im Pfarrgemeinderat engagiert, seit den Wahlen im Frühjahr als Vorsitzender, verwundert nicht mehr. Auch in diesem Amt ist für ihn klar, dass er hundertprozentig anpackt – egal, ob er die große Fronleichnamsprozession federführend organisiert, für alle Vereine Ansprechpartner in kirchlichen Angelegenheiten ist, Baumaßnahmen rund um die Kirche miteinander anzupacken sind oder auch nur die Friedhofshecke zu schneiden ist. Überall ist er dabei.

Ein großes Glück hat er dabei mit seiner Familie – nicht nur seine Frau, auch sein 22-jähriger Sohn Stefan, der im Vorstand der katholischen Landjugend Wildenwart ist, und seine 16-jährige Tochter Regina als Oberministrantin bringen sich ins Dorfleben ein.

Der große Schnitt

Doch gerade seit dem vergangenen Jahr erfährt das Familienleben noch mal ein neues „Miteinander“. „Einen großen Schnitt in meinem Leben“ nennt es Huber, dass er sich mit seiner Familie entschlossen hat, die Landwirtschaft aufzugeben. „Wir haben in den vergangenen Jahren den Hof immer erweitert und vergrößert, jetzt hätten wir wieder investieren müssen. Das hätte bedeutet, dass ich dem Sohn Schulden übergebe.“ Auch wenn es bestimmt schwer war – Huber war nicht nur sein Leben lang die Arbeit auf dem Hof gewohnt, sondern seit 25 Jahren auch sein eigener Chef –, berichtet er nur von dem vielen Positiven, das mit dem „Schnitt“ einhergegangen ist. So hat er nicht nur ohne Probleme eine neue Arbeitsstelle gefunden, bei der er mit Holz und auch landwirtschaftlich arbeiten kann. „Das macht mir Spaß und das Zusammenarbeiten mit meinem Chef ist ein echter Glücksfall“, betont er. Zusätzlich schätzt er das neue Familienleben sehr. „Dieses Jahr waren wir das erste Mal im Urlaub, der nächste ist schon geplant und die Kinder sind dabei“, erzählt er mit einem Lachen. Nicht mehr am Hof angebunden zu sein, am Abend einfach noch mit der Frau auf einen Berg zu gehen, gemeinsame Ausflüge – das genießt Huber jetzt sehr. „Miteinander“ ist eben sein Leben. (Yvonne Feichtner)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Brauchtum

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