Eine Woche vor Ostern Das passiert in der Karwoche

24.03.2018

Die letzte Woche vor Ostern wird auch als Karwoche bezeichnet. Doch was passiert da eigentlich genau?

Am Palmsonntag werden in Deutschland Buchsbaumzweige gesegnet.
Am Palmsonntag werden in Deutschland Buchsbaumzweige gesegnet. © AdobeStock/Karin Isopp

Die letzte Woche vor Ostern wird auch als Karwoche bezeichnet. Das Wort "Kar" stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Trauer", "Klage" oder "Kummer".

Palmsonntag

Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag: In Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem versammeln sich die Gläubigen zur Segnung der Palmen - in Deutschland meist Buchsbaumzweige - und ziehen dann in einer Prozession zum Gotteshaus. In manchen Gemeinden tritt am Palmsonntag ein lebendiger Esel auf. Andere Orte spielen die Palmsonntagsgeschichte nach, zum Beispiel mit Holzfiguren. Theologen erklären, dass Jesus das Transportmittel bewusst gewählt habe: Als Fürsprecher der Armen kam er auf einem einfachen Esel statt auf einem edlen Ross.

An diesem Tag wird im Gottesdienst das Evangelium von der Passion aus einem der synoptischen Evangelien gelesen. Erstmals in der Karwoche wird vom Leiden und Sterben Jesu berichtet. Meist wird die gesamte Passionsgeschichte vorgelesen.

Gründonnerstag

Mit der Vesper beginnt am Abend des Gründonnerstags das so genannte Triduum Sacrum (oder Triduum Paschale), also die Feier der drei österlichen Tage (Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag). Am Gründonnerstag gedenkt die Kirche des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern hielt, und damit der Einsetzung der Eucharistie. Nach alter Überlieferung wird in den Gemeinden auch der Ritus der Fußwaschung vollzogen. In der Darstellung des Johannesevangeliums (Joh 13,1–17) wusch Jesus beim Mahl mit seinen Jüngern am Vorabend seiner Hinrichtung ihnen die Füße und sagte: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen“ (Vers 14). 2016 erlaubte Papst Franziskus, dass der Ritus in der Messe vom Letzten Abendmahl auch an Frauen vollzogen werden kann.

Nach dem Gloria-Gesang im Gottesdienst verstummen Orgel und Glocken; nach der Messfeier werden Blumenschmuck und Kerzen beiseite geräumt. Eine schlichte Prozession mit dem Allerheiligsten steht für den Gang Jesu zum Ölberg. In stiller Anbetung vor dem Allerheiligsten gedenken die Gläubigen in dieser Nacht Jesu Verhaftung und Geißelung. Auch das Ewige Licht wird gelöscht.

Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung Christi.
Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung Christi. © AdobeStock/Javier C. Acosta

Karfreitag

Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung Christi. Dieser Tag ist in der katholischen Kirche neben dem Aschermittwoch einer von jährlich zwei strengen Fast- und Abstinenztagen. Am Nachmittag findet zur Stunde der Kreuzigung Jesu ein Wortgottesdienst mit Kommunionfeier statt. Im Mittelpunkt steht die Leidensgeschichte Jesu. Seit dem frühen Christentum ist es Tradition, dass am Karfreitag kein mit Festfreude verbundenes Sakrament gefeiert wird, somit auch keine Heilige Messe Der Altar ist schmucklos, ohne Kerzen und Altartücher. Die Kreuze sind verhüllt, Triptychen und Flügelaltäre sind häufig zugeklappt. Das ewige Licht brennt nicht, Kerzen brennen nur beim provisorischen Aufbewahrungsort des Allerheiligsten.

Karsamstag

Karsamstag ist der Gedächtnistag der Grabesruhe. Es finden keine Gottesdienste statt, die heilige Kommunion wird nur als Wegzehrung (Sterbekommunion) gereicht. Auf den Altären stehen weder Kerzen noch Blumen. Die karge Ausgestaltung der Kirchen weist auf Leiden und Tod Jesu hin.

Ostersonntag

Am Abend des Karsamstags geht die Fastenzeit zu Ende. Mit dem Ostersonntag beginnt die Osteroktav, die mit dem Weißen Sonntag endet. An Ostern feiern Christen ihr wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz.

Wie sich die Auferstehung Jesu vollzog, wird in der Bibel nicht beschrieben. Das Neue Testament erwähnt auch keine Augenzeugen. Hingegen enthalten die Evangelien und Paulus-Briefe Berichte über das leere Grab, die Verkündigung der Auferstehung durch einen Engel, über Erscheinungen des Auferstandenen und die Bekenntnisse, die diesen Glauben bezeugen.

Die Speisen für das Osterfrühstück können im Gottesdienst gesegnet werden.
Die Speisen für das Osterfrühstück können im Gottesdienst gesegnet werden. © AdobeStock/ManEtli

Die Liturgie des Ostersonntags wird durch die Feier der Osternacht eingeleitet. Die Feier der Osternacht ist ein Vigildienst, beginnt also frühestens nach Sonnenuntergang und endet spätestens vor der Morgendämmerung. Sie umfasst die vier Hauptteile: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier und Eucharistie. Beginn ist vor der Kirche mit der Segnung des Osterfeuers. Danach wird mit der Osterkerze unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ in die dunkle Kirche eingezogen und allen Gläubigen wird das Licht der Osterkerze gereicht. Danach wird das Exulte, das Osterlob gesungen. Es folgen die alttestamentlichen Lesungen mit Antwortpsalm und Oration. Im Anschluss daran wird das Gloria gesungen, alle Glocken läuten, die Orgel erklingt und die Altarkerzen werden wieder angezündet. Es folgt das Tagesgebet, die Lesung der Epistel und zum ersten Mal seit dem Aschermittwoch erklingt das Halleluja. Im Anschluss wird das Evangelium gelesen und es folgt das Homilie (eine spezielle Predigt).

Danach wird die Allerheiligenlitanei für die Täuflinge gebetet, es findet eine Taufwasserweihe und gegebenenfalls die Taufen und Firmungen statt. Es folgt eine allgemeine Erneuerung des Taufversprechens, das Besprengen der Gläubigen mit dem Taufwasser und die Fürbitten. Dann finden die Eucharistiefeier und der Segen statt. Oft werden die mitgebrachten Speisen gesegnet.

Während die in der Osternacht gelesenen Schrifttexte das Osterereignis als Erfüllung des Alten Bundes darstellen und die Auferstehung Jesu Christi im Evangelium erst angedeutet wird weisen die Schrifttexte des Ostertages bereits über diesen hinweg auf die Bedeutung des Osterfestes für die Kirche hin. In den fünfzig Tagen der Osterzeit vom Ostersonntag bis Pfingsten werden nach der Leseordnung der römisch-katholischen Kirche keine Lesungen aus dem Alten Testament vorgetragen, sondern Lesungen aus den Paulusbriefen und der Apostelgeschichte. Als Evangelium am Ostersonntag wird Joh 20,1–18 (Entdeckung des leeren Grabes, Maria von Magdalenas Begegnung mit dem Auferstandenen) gelesen.

Ostermontag

Der Ostermontag steht als „zweiter Feiertag“ ganz im Zeichen des Osterfestes. Kirchlich gesehen steht am zweiten Feiertag die Emmausgeschichte im Mittelpunkt: Zwei Jünger gehen in tiefer Trauer über Jesu Tod von Jerusalem zu dem Dorf Emmaus. Unterwegs gesellt sich Jesus zu ihnen, doch sie erkennen ihn lange nicht. Hier zeigt sich Jesus nach biblischer Überlieferung erstmals nach seiner Auferstehung den Jüngern. Viele führen den Brauch des Osterspaziergangs auch auf diese biblische Geschichte zurück.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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