Segnung Das Pfarrheim von Hohenlinden schlägt Wellen

02.09.2019

Das Pfarrheim in Hohenlinden besticht durch innovative Wellen-Architektur und steht beispielhaft für einen neuen Weg Pfarrprojekte zu realisieren. Nun wurde es gesegnet.

Das Pfarrheim besticht durch seine extravagante Wellenform.
Das Pfarrheim besticht durch seine extravagante Wellenform. © Kiderle

Hohenlinden - „Gehet hin in Frieden – aber davor geht’s noch da rein!“ Mit diesen Worten schloss Hohenlindens Pfarrer Christoph Stürzer die Segnung des neuen Pfarrheims ab. Das neue Gebäude, das sich auf dem Grund des alten direkt hinter der Kirche St. Josef befindet, steht in mehrfacher Hinsicht für ein gelungenes Projekt.

„Eigentlich hätte das alte Pfarrheim saniert werden sollen“, erinnert sich Kirchenpfleger Josef Gallenberger. „Die Gelder waren vom Ordinariat bereits bewilligt.“ Doch die Pfarrgemeinde, respektive die Kirchenverwaltung, war gegen eine Sanierung. „Und so haben wir die Gelder zurückgegeben.“ Da das nicht alle Tage vorkommt, dass bewilligte Gelder nicht dankend angenommen werden, war das Interesse im Ordinariat für die kleine Pfarrgemeinde geweckt und man setzte sich vor Ort mit den Wünschen und Vorstellungen auseinander. Heraus kam ein Pilotprojekt bezüglich der Umsetzung des Neubaus.

Mut für Neues

Die Pfarrgemeinde hielt zwar Rücksprache mit dem Ordinariat, aber man durfte in Hohenlinden die Ausschreibungen für die Architekten genauso wie die für die Handwerker selbstständig tätigen. „Das hat viel Zeit erspart und so sind wir innerhalb von eineinhalb Jahren Bauzeit zu unserem neuen Pfarrheim gekommen“, freuen sich Kirchenpfleger und Pfarrer. Das sei übrigens für kirchliche Bauprojekte wirklich Lichtgeschwindigkeit, schmunzelt Gallenberger. Auch Frieder Lohmann, der ausführende Architekt, ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. „Es freut uns sehr, dass nicht die konservativeren Vorschläge das Rennen gemacht haben, sondern der Mut da war, etwas Neues zu wagen“, erklärt Lohmann bei der Einweihung.

Der Innenraum mit viel Holz ist lichtdurchflutet.
Der Innenraum mit viel Holz ist lichtdurchflutet. © Kiderle

Barrierefreies Gebäude ohne Flachdach

Die Grundvorgabe sei gewesen, so der Architekt, dass ein wartungsarmes absolut barrierefreies Gebäude ohne Flachdach entstehe. Also sei die extravagante Wellenform konsequent aus der Funktion heraus entstanden. Um den niederen Eingangsbereich mit dem hohen Gebäudeteil, in dem sich der Pfarrsaal befindet zu verbinden, wurde ein wellenförmiges Dach über das gesamte Gebäude gezogen. Dass sich diese Verkleidung über den gesamten westlichen Eingangsbereich des Pfarrheims zieht, stößt allerdings – bei aller Freude über den innovativen Neubau – bei vielen der Gemeindemitglieder auf wenig Gegenliebe. Doch verfährt man nach der Prämisse „Augen zu und durch“ und betritt das Pfarrheim, fällt auch vom letzten Zweifler die Skepsis ab.

Gelungenes Projekt

Hell, lichtdurchflutet und mit viel Holz freundlich und warm muten die neuen Räumlichkeiten an. Ob Platz für die Jugend – sogar mit eigener Küche – oder für Zusammenkünfte und Feste der Pfarrgemeinde im großen Pfarrsaal, der sich mit einer bodentiefen Fensterfront zu einer überdachten Holzterrasse ins Grüne hin Richtung Friedhof öffnet. Das neue Pfarrheim in Hohenlinden wird sich genauso selbstverständlich, wie es sich in die Landschaft einfügt, in das Leben der Gläubigen integrieren. Die beste Voraussetzung dafür: Die zufriedenen Gesichter der Gäste am Einweihungstag beim offiziellen Empfang. Und so freut sich Pfarrer Christoph Stürzer über ein gelungenes Projekt in seiner Gemeinde, bei dem alle Beteiligten für das Gelingen an einem Strang gezogen haben. „Jetzt ist´s fertig, jetzt wird’s belebt!“ (Maria Greckl)


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