Pfingsten Das Pfingstwunder im Selbstversuch

09.06.2019

Laut Apostelgeschichte, kam der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herab und sie konnten plötzlich in mehreren Sprachen sprechen. In Vorbereitung auf das Pfingstfest wagt Autorin Franziska Zimmerhackl einen Selbstversuch und besucht dazu muttersprachliche Gottesdienste in München. Wie ist es an einem Gottesdienst teilzunehmen ohne die Sprachen zu können?

in der ukrainisch-griechischen katholischen Gemeinde ist die Vorderfront mit goldenen Ikonen bestückt. © Zimmerhackl

München – Wenn an Pfingsten aus der Apostelgeschichte vorgelesen wurde, hat es mich bereits als kleines Mädchen fasziniert, als es da hieß „[...] und die Kraft des Heiligen Geistes erfüllte sie. Sie begannen in unterschiedlichen Sprachen zu sprechen und jeder […] verstand ihre Worte“. Inzwischen frage ich mich: Wie viel kann von der Frohen Botschaft ankommen, wenn man die Sprache nicht versteht? Kann ich trotzdem teilhaben? Ich entschließe mich, einen Selbstversuch zu wagen und vor Pfingsten muttersprachliche Gottesdienste in München zu besuchen.

Dienstag, 08. Mai, 18.45 Uhr. In einem eher unscheinbaren Wohnhaus in der Heßstraße befindet sich die Hauskapelle der „Polska Misja Katolicka Monachium“, in der gerade der Rosenkranz gebetet wird. Als ich mich wie die 30 weiteren Gläubigen in eine der schmalen Holzbänke „einfädele“ und dabei als Nicht-Muttersprachlerin „oute“, informiert mich meine Sitznachbarin auf Deutsch über den Ablauf des Gottesdienstes.

Ikonenbild wird geküsst

Christi Himmelfahrt, 17.30 Uhr. Beim Betreten der Kathedrale Maria Schutz und St. Andreas der ukrainisch-griechischen katholischen Gemeinde fällt sofort die goldene, mit Ikonen bestückte Vorderfront ins Auge, die ich bisher nur aus orthodoxen Kirchen kenne. Nach und nach kommen ca. 15 Personen herein, bekreuzigen sich und küssen das Ikonenbild auf dem Altar. Der Kantor drückt mir die deutsche Übersetzung der Chrysostomos-Liturgie (byzantinischer Ritus) in die Hand

Die chaldäisch katholischen Gemeinde feiert ihren Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Wolfgang in München-Haidhausen.
Die chaldäisch katholischen Gemeinde feiert ihren Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Wolfgang in München-Haidhausen. © Zimmerhackl

Sonntag, 13. Mai, 13.30 Uhr, Pfarrkirche St. Wolfgang in Haidhausen. Unter den ca. 200 Gläubigen der chaldäisch katholischen Gemeinde (ostsyrischer Ritus) sind viele Familien und junge Menschen, einige Frauen haben sich weiße oder schwarze durchsichtige, bestickte Kopftücher locker über die offenen Haare gelegt. Der Chorleiter entlockt dem Keyboard entspannte Klänge. Um 14 Uhr betritt der Priester in Begleitung von fünf Männern, einer Frau und sechs Ministranten/-innen die Kirche.

Meditative Wirkung

Nur zuzuhören und zu beobachten, ist für mich anfangs sehr ungewohnt. Durch meine Grundkenntnisse in Russisch und Arabisch verstehe ich einzelne Wörter wie „Gott“, „Sohn“, „Seele“, „Friede“, „Gast“ und „Danke“, was es mir ein wenig erleichtert die einzelnen Teile des Gottesdienstes zu identifizieren. Als ich im polnischen Gottesdienst Gebete wiedererkenne, kann ich mich nur schwerlich davon abhalten direkt auf Deutsch mitzusprechen.

Mit der Zeit beginnen die Gottesdienste jedoch eine Art meditative Wirkung zu entfalten. Auf einmal nehme ich meine Umgebung deutlich intensiver wahr: die festlichen Gewänder des polnischen Priesters sowie die große Anzahl an Zischlauten in der polnischen Sprache, das energische Weihrauch-Schwenken und die vielen Gebets-Gesten im chaldäischen Gottesdienst, die volle, wohltönende Stimme des Kantors, aber auch die räumliche Distanz des Priesters zu seiner Gemeinde in der ukrainischen Kathedrale. Vor allem die Lieder bescheren mir Gänsehaut-Momente und lassen mich spüren, wie wichtig diesen drei Gemeinden ihr Glaube ist.

Familiäre, feierliche Atmosphäre

Um Fettnäpfchen zu umgehen, beobachte ich die Leute und stelle fest, dass die Kommunion und der Friedensgruß jedes Mal ein wenig anders ablaufen. In der polnischen Messe erhalten die Gläubigen die Mundkommunion und in der ukrainischen flößt der Pfarrer ihnen mit einer Art Löffel aus dem Kelch ein. In der chaldäischen Gemeinde küsst eine junge Ministrantin zum Friedensgruß ihre eigenen Hände, die Gemeinde tut es ihr – einer nach dem anderen – gleich und gibt den Friedenskuss über eine Art Handschlag weiter. Eine fast familiäre, feierliche Atmosphäre stellt sich ein. Die Leute kennen sich, nicken sich beim Friedensgruß zu. Im Anschluss an den chaldäischen Gottesdienst gibt es vor der Kirche sogar noch ein zwangloses Beisammensein mit orientalischem Fingerfood. Ich fühle mich wohl.

Was am Ende bleibt, ist der Eindruck, wie vielfältig man den Glauben und die Frohe Botschaft leben kann. Und dass es nicht von ungefähr kommt, wenn man von der universellen „Sprache des Herzens“ spricht. (Franziska Zimmerhackl)

Pfingsten

Pfingsten ist für Christen das Fest des Heiligen Geistes und gilt als Geburtsfest der Kirche. Damit endet die 50-tägige Osterzeit. Das Wort Pfingsten leitet sich ab von "Pentekoste", dem griechischen Begriff für "fünfzig". Die Bibel versteht den Heiligen Geist als schöpferische Macht allen Lebens. Er ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um Person, Wort und Werk Jesu Christi lebendig zu erhalten. Die Apostelgeschichte berichtet, wie die Jünger Jesu durch das Pfingstwunder "mit Heiligem Geist erfüllt wurden und begannen, mit anderen Zun-gen zu reden". Das sogenannte Sprachenwunder will darauf hinweisen, dass die Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus sprachübergreifende Bedeutung für die ganze Welt hat.

Der Artikel wurde erstmal im Mai 2018 veröffentlicht.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pfingsten

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