Pfarrhaus-WG „Das Wort Gottes will gelebt werden"

12.03.2019

Während der Faschingsferien haben sechs junge Menschen im Pfarrheim von Prien gewohnt, um das Wort Gottes im Alltag zu leben. Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen.

Gute Stimmung herrscht beim Vorbereiten des Abendessens.
Gute Stimmung herrscht beim Vorbereiten des Abendessens. © Feichtner

Prien – Mittwoch, Einzug in die WG: Helena und Anna sind die ersten, Rucksack geschultert, Marmorkuchen unterm Arm. Schon bald darauf platzt Priens Pfarrer Klaus Hofstetter in die Küche, ein wichtiger Termin hatte ihn aufgehalten. Wenig später kommt Regina die Treppe herunter, bepackt mit einer Matratze. Die Pfarrhaus-WG nimmt Formen an.

Fünf Tage während der Faschingsferien wohnten sechs junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren gemeinsam mit ihrem Pfarrer in der „Pfarrhaus-WG“ im Pfarrheim der Chiemseegemeinde Prien, um das Wort Gottes im Alltag zu leben, um „explizit als Christen zu leben“, wie Hofstetter die Idee formuliert. Es soll „wie in einer richtigen WG sein“ – also jeder kommt und geht, hat seine eigenen Pläne und Verpflichtungen, aber auch gemeinsames Programm. In der Pfarrhaus-WG ist das natürlich christlich orientiert: Morgengebet, ein biblischer Tages-Impuls, Gottesdienste und Andachten sowie soziales Engagement. Abends beim gemeinsamen Kochen und Essen erzählen alle von ihren Erfahrungen und haben einfach Spaß – eben wie in einer richtigen WG.

Ein ganz neuer Blickwinkel

Samstag, letzter WG-Abend: Die Vorbereitungen für das Abendessen laufen auf Hochtouren, alle sitzen um den Küchentisch, gelöste Stimmung. Die WG hat gut funktioniert, Streit gab es keinen, alle hatten positive Erlebnisse. Samuel (14) erzählt, dass der gemeinsame Impuls morgens im Meditationsraum einen einfach auf andere Gedanken gebracht hat. „Müde bin ich rein und mit guten Gedanken wieder raus.“ Michael (14) fand die Sache mit den Murmeln gut. Um sich den Impuls bewusster zu machen, wanderte immer dann, wenn das Wort des Tages erfüllt wurde, eine Murmel von der rechten in die linke Hosentasche. „So habe ich besser dran gedacht und außerdem war interessant, dass man mit der Zeit immer strenger mit sich selbst geworden ist.“

Regina (17) war sich sicher, dass „ich in Zukunft öfter und bewusster in die Kirche gehen werde. Ich habe einen ganz neuen Blickwinkel auf die Sache bekommen.“ Helena (18) hatte bei einem kurzen Besuch zu Hause ihr Aha-Erlebnis. „Im Gespräch mit meiner Mutter war ich erst mal wieder genervt, hab mich dann an unseren Impuls des Tages erinnert und konnte das Gespräch in eine positive Richtung lenken.“ Jessica (29) regte sich in der Arbeit über einen Lehrling auf, besann sich auf den Impuls und konnte die Situation zum Guten wenden. Anna (17), auch Ministrantin in Prien, erlebte die Gottesdienste, die sie jetzt einmal nicht als Ministrantin besuchte, „als Quelle der Ruhe ganz anders und neu“.

Lauter kleine Geschichten, die Pfarrer Hofstetter bestätigen, meinte er doch zu Beginn: „Das Wort Gottes will gelebt werden. Wenn nur einer das aus der WG mitnimmt, dann hat es sich gelohnt.“ Besonders gefreut hat ihn, dass er von Erwachsenen angesprochen wurde, ob es so etwas nicht auch mal für sie geben könnte. Dass es die Pfarrhaus-WG für junge Menschen wieder geben muss, sind sich alle Beteiligten sowieso einig. (Yvonne Feichtner)


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