Welttag des Buches Das Wunder der gedruckten Seiten

25.04.2018

Das Buch ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit und hat einen eigenen Gedenktag verdient.

Welttag des Buches - aus Liebe zum Geist. © Adobe Stock

Es lebt noch das Buch, selbst wenn die Umsätze des Buchhandels zuletzt zurückgegangen sind. Wahrscheinlich wird es trotz gegenteiliger Prophezeiungen auch nicht so schnell untergehen. Denn es ist viel mehr als ein Wirtschaftsartikel, das Buch ist ein Kulturgut der Menschheit. Und das ist schon einen Gedenktag wert, der jedes Jahr am 23. April begangen wird, weil an diesem Tag im Jahr 1616 William Shakespeare und Miguel Cervantes gestorben sein sollen. Dabei hat das Buch auch fundamental mit Religion zu tun. Für die Juden ist es seit Jahrtausenden selbstverständlich lesen zu lernen, damit jeder die Heiligen Bücher entziffern kann. In den christlichen Klöstern sind in unsäglicher Mühe zahllose Schriften kopiert und dadurch erhalten worden. Und im Islam gilt der Koran sogar als ein Buch das der Prophet Mohammed direkt aus dem Mund Gottes empfangen hat. Von gedruckten Lettern auf Papier geht auch heute noch etwas Heiliges aus.

Ehrfurcht vor dem Buch

Mir fällt das immer auf, wenn ich selbst ein gebrauchtes Buch wegwerfen will, weil es kaum zu verkaufen ist, aber einfach nicht ins Regal passt. Ich bringe es dann doch lieber in den einige Kilometer entfernten öffentlichen Bücherschrank, von denen es in München einige gibt. Dort können Bürger ihre gedruckten Schätze hineinstellen und andere dürfen sie kostenlos mitnehmen. Vielleicht ist diese Ehrfurcht in Deutschland besonders ausgeprägt. Wenn ich mit Bücherfreunden spreche, die sich noch an die Nachkriegszeit erinnern, höre ich wie wertvoll jedes Buch war, wie wenige es davon gab und jeder Neudruck, auch in allerschlechtester Papierqualität sofort ausverkauft war. Das Buch ist ein Nahrungsmittel für Kopf und Seele und die waren damals in Deutschland bei vielen Menschen schwer ausgehungert. Das Buch ist verkörperter Geist, auch wenn es dazu missbraucht werden kann, Hass und Zwietracht zu säen. Es ist zunächst „nur“ ein Speichermedium, das grundsätzlich nicht unbedingt aus Druckerschwärze und Papier bestehen muss. Grundsätzlich kann es auch digital gelesen oder mündlich erzählt werden. Und dennoch ist das gedruckte Buch die Form, die am leichtesten verfügbar es ist und deshalb einen besonderen Zauber besitzt. Niemand braucht einen Stromanschluss um es zu öffnen oder muss einen Erzähler herbeirufen, so schön das sein mag. Es ist einfach sofort da und lässt sich in Händen halten und sofort aufblättern.

Das gedruckte Wort - ein Wunder

Mit einem Schlag kann er damit jahrtausendealten Erfahrungen gegenübertreten und Menschen zuhören, die längst nicht mehr unter den Lebenden sind. Der Welttag des Buches ist deshalb auch immer ein Tag zum Staunen über ein Wunder. Und ein Tag des Dankes an die vielen Menschen, die dieses Kulturgut weiterpflegen, gerade auch ehrenamtlich. Allein die katholischen öffentlichen Büchereien in Bayern haben über 12 000 freiwillige Mitarbeiter. Sie helfen mit, den in Büchern materialisierten Geist und die Freude daran weiterzutragen. Auch an sie muss am Welttag des Buches gedacht werden.

Audio

Zum Nachhören

Kommentar im Münchner KIrchenradio zum Welttag des Buches

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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