Wissenschaftliche Aufarbeitung DBK startet Forschungsprojekt zum Missbrauch

24.03.2014

Die katholischen Bischöfe nehmen einen neuen Anlauf bei der wissenschaftlichen Erforschung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Sie beauftragten einen Forschungsverbund von sieben Professoren um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

(Bild: Alfred Knapp - Fotolia.com)

Bonn - Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hat am Montag das neue Forschungsprojekt zum Thema "sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Geistliche" vorgestellt. Neben Harald Dreßing, der die Forensische Psychiatrie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim leitet, gehören dem Projekt auch der Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg, Dieter Dölling, und der Leiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, Andreas Kruse, an.

Dreßing betonte, das Projekt werde völlig unabhängig und nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt. Dazu sollten unterschiedliche und aus verschiedenen Bereichen stammende Methoden genutzt werden, darunter auch Strafrechtsakten. Das Problem des Missbrauchs sei nicht auf Zahlen zu reduzieren.

Vorheriges Projekt scheiterte am Datenschutz

Nach Ackermanns Angaben hatten sich drei interdisziplinäre Forschungsverbünde mit insgesamt 22 Wissenschaftlern für das Projekt beworben. Ein Beraterkreis um Ackermann traf die Entscheidung. Anfang 2013 hatten die Bischöfe die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer (70) aufgekündigt. Grund für das Zerwürfnis waren unterschiedliche Vorstellungen über den Datenschutz und den im Kirchenrecht vorgesehenen Umgang mit Akten.

Das neue Forschungsprojekt legt die Betonung stärker auf qualitative Untersuchungen. Wesentliche Ziele des Projekts "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" sind laut Ackermann eine Erhebung quantitativer Daten zur Auftretenshäufigkeit und zum Umgang mit sexuellen Missbrauchshandlungen an Minderjährigen durch Geistliche. Darüber hinaus sollen Täterstrategien, Opfererleben und das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche untersucht werden. Außerdem soll es eine Zusammenführung bereits vorliegender nationaler und internationaler Studienergebnisse mit den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen geben.

Personalakten von 1945 bis heute

Das Projekt soll von 2014 bis 2017 laufen. Zunächst werden in neun Bistümern die Personalakten von 1945 bis heute auf Hinweise nach Taten und Opfer untersucht werden, in 18 Bistümern von 2000 an bis heute. Der qualitative Teil soll sich der 'Täter-Opfer-Institutionen-Dynamik' widmen, um 'eine vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter und das Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten' zu erhalten, so Dreßing.

Geplant seien exemplarische Tiefeninterviews mit Opfern, Kirchenverantwortlichen und Tätern. Fester Bestandteil des Projekts solle 'der Austausch mit Betroffenen' des Missbrauchs sein. Sie seien die eigentlichen Experten, so Dreßing. Ackermann betonte vor Journalisten, die Kirche wolle "eine ehrliche Aufklärung, frei von falscher Rücksichtnahme", auch wenn uns Vorfälle gemeldet werden, die schon lange zurückliegen. Die Opfer haben ein Recht darauf."  (kna)

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