Salzburger Hochschulwochen Debatte um Theologie versus Glaube

01.08.2019

Macht die Theologie den Glauben unnötig kompliziert? Muss wieder mehr "authentisch" geglaubt werden, damit es mit der Kirche "aufwärts" geht? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt einer Debatte bei den Salzburger Hochschulwochen 2019.

Der Salzburger Domplatz (Archivbild)
Der Salzburger Domplatz (Archivbild) © wjarek - stock.adobe.com

Salzburg – Am Ende sind es dann doch noch die aktuellen kirchlichen Streitfragen, die die Gemüter in der gut besuchten Großen Aula der Salzburger Universität erregen: der Zölibat, das Engagement von Frauen in der Kirche und der Umgang mit Homosexualität. Dieser Umstand mag nicht weiter verwundern, schließlich steht bei den Salzburger Hochschulwochen die Diskussionsrunde „Theologie kontrovers“ auf dem Programm.

Während die genannten katholischen Reizthemen aber erst später zur Sprache kommen, geht es eingangs vor allem um das diesjährige Thema der Reihe, das mit „Einfach glauben?!“ betitelt ist. Unter diesen Schlagworten soll darüber diskutiert werden, inwieweit die Theologie den Glauben verkompliziert oder ihm erst zur nötigen Differenzierung verhilft.

Nachfolger Jesu heranbilden

Für die Theologin und Religionspädagogin Bernadette Lang stellt sich die Frage, was die Theologie jungen Erwachsenen bieten könne, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Langs Verdacht: Mit ihren komplexen Disziplinen kann die Theologie zu einer Überforderung bei den Menschen führen, ihre Lehre ist oft wenig praxistauglich beziehungsweise muss erst „alltagskonform“ heruntergebrochen werden. Lang versucht dies in der Salzburger „HOME Mission Base“ umzusetzen – einer Einrichtung der katholischen Loretto-Gemeinschaft, die unter anderem ein Gebetshaus beherbergt. Die Theologin leitet dort ein „Jüngerschaftsprogramm“ und will „leidenschaftliche Nachfolger Jesu heranbilden“.

Von links: Franca Spies, Oliver Wintzek, Bernadette Lang und Astrid Schilling
Von links: Franca Spies, Oliver Wintzek, Bernadette Lang und Astrid Schilling © SMB/Schlaug

Im Kontext der Theologie nicht zu „ideologisieren“, ist dem Theologen und Priester Oliver Wintzek ein Anliegen. Er plädiert beispielsweise dafür, biblische Texte nicht kritiklos eins zu eins in die Gegenwart zu übernehmen. Zumal dem Leser in der Heiligen Schrift ein sehr komplexer Gott begegne, und sich je nach Bibelstelle unterschiedliche Bilder von Gott zeichnen ließen. „Die Reflexion über den Gottesbegriff hört nie auf“, betont Wintzek, der Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn lehrt. Gegen „einfach glauben“ habe er nichts einzuwenden, doch dürfe es nicht in „kritiklosen Gottesgewissheits-Blasen“ enden. „Wir betreiben Theologie nicht, um fromm zu werden, sondern, um zu verstehen, warum wir fromm sein dürfen“, sagt Wintzek.

Keine finalen Antworten

In eine ähnliche Richtung argumentiert Franca Spies, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Das Ideal des einfachen Glaubens mache sie skeptisch, so die Gründerin des Theologie-Blogs „y-nachten.de“. Vielmehr könne die Theologie dann, wenn der Glaube hinterfragt werde, Orientierung geben. Etwa um zu verdeutlichen, welcher tiefere Sinn hinter Glaubenssätzen wie „Jesus Christus ist der Herr“ wirklich stecke. Finale Antworten dürfe niemand erwarten, so Spies, aber sie wünsche sich ein offenes Gespräch darüber, das auch „außerkirchliche und außerchristliche Positionen“ miteinbeziehe.

Von "theologischem Schrott" trennen

Die von Astrid Schilling von der Katholischen Akademie in Bayern moderierte Debatte geht auch auf Fragen aus dem Publikum ein. Ein Besucher will von den Diskutanten wissen, welches Bild von Kirche sich aus ihrem Theologieverständnis folgern lasse. Bernadette Lang betont, dass Kirche „einen Rahmen bietet, in dem Glaube möglich ist“. Wenn man Glaube als Beziehung mit Gott denken würde, könne man die Kirche als dazugehörige Familie begreifen. Kritischer blickt Oliver Wintzek auf die aktuelle Situation der Kirche. Positionen „aus der charismatischen, evangelikalen Ecke“, die der Forderung nach Reformen ein authentisches Christsein entgegenhalten, sind für ihn nicht hinnehmbar. Für das Zölibat und die von Männern dominierte Kirche etwa gäbe es seiner Meinung nach „kein theologisches Argument“. Wenn in diesem Zusammenhang von Traditionen der Kirche die Rede sei, „dann verwechselt man Tradition mit dem 19. Jahrhundert“. Erst dann hätten lehramtliche Verlautbarungen eine starke Betonung erfahren. Seine deutliche Forderung: Die Kirche muss sich von „theologischem Schrott“ trennen, auch wenn dieser mit der Zeit „vergüldet“ worden sein mag. Dafür gibt es von einem Teil des Publikums lautstarken Applaus.

Auch Franca Spieß missfällt der plakative Ruf nach mehr authentischem Christsein. „Es gibt in den Gemeinden so viele Engagierte, die sich nicht wegen des Pfarrers, sondern trotz des Pfarrers engagieren.“ Auch dafür gibt es Beifall von den Zuhörern, für deren zahlreiche Nachfragen am Ende der kurzweiligen 90 Minuten schlicht keine Zeit mehr ist.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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