Ute Groth will DFB-Präsidentin werden "Dem DFB ein neues Gesicht geben"

23.05.2019

Ute Groth will die erste Frau an der Spitze des Deutschen Fußball-Bunds werden. Doch ob die Vertreterin des katholischen DJK-Sportverbands überhaupt bei den Wahlen im September antreten kann, ist noch unklar. Im Interview spricht sie darüber, was sich im weltgrößten Fußballverband ändern muss.

Ute Groth ist seit 2007 Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf.
Ute Groth ist seit 2007 Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf. © DJK

mk online: Frau Groth, ist aktuell gesichert, dass Sie bei der DFB-Präsidentenwahl antreten können, beziehungsweise, dass Sie auf der Kandidatenliste stehen werden?

Ute Groth: Das Verfahren ist für den Justitiar des DFB sehr einfach. Wahlvorschläge können von den ordentlichen Mitgliedern oder Organen und Ausschüssen des DFB benannt werden. Ordentliche Mitglieder sind die Landes- und Regionalverbände und die Deutsche Fußball Liga (DFL). Wie es dazu kommt, dass ein Verband einen Kandidaten vorschlägt, ist in den Satzungen der jeweiligen Verbände nicht ersichtlich. Es ist nur von Anträgen die Rede, die fristgerecht zu Verbandsitzungen eingereicht werden müssen. Unser Verein hat einen Antrag eingereicht, mit meiner Kandidatur. Was damit passiert - der Fußballverband Niederrhein tagt am 15. Juni - ist unklar.

Für mich sieht es so aus, dass es den Fall, dass eines der sieben Millionen Mitglieder des DFB sein passives Wahlrecht - jedes geschäftsfähige Mitglied kann sich zu einer Wahl stellen - wahrnehmen möchte, noch nie gegeben hat. Die Wahlvorschläge kommen aus den Kreisen der Personen, die schon im Verband eine Position haben, oder öffentlich bekannt sind - fußballerisch, politisch oder gesellschaftlich - und zufällig auch noch Mitglied sind. Da bei mir weder das eine noch das andere gegeben ist, ich bin nur Mitglied, kann ich noch nicht sagen, ob ich auf der Kandidatenliste stehen werde.

mk online: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, sich für dieses Amt zu bewerben und rechnen Sie sich unter diesen Umständen ernsthafte Chancen aus?

Groth: Mein Anliegen ist, dem DFB ein neues Gesicht zu geben. Drei Präsidenten haben ihre Amtszeit vorzeitig beenden müssen. Es sollte mal jemand die Arbeit machen, der nicht in Klüngel verwickelt ist. Ich habe mich ernsthaft beworben, habe schon viel Energie in den Plan gesteckt, erhalte unglaublich viel Zuspruch und Unterstützung, etwa auch vom DJK-Verband, rechne aber nicht mit einer Chance, aus den in meiner vorherigen Antwort beschriebenen Gründen.

Ute Groth

Ute Groth (60) ist Projektleiterin im Krankenhausbau und seit 2007 Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, einem Verein mit einer der größten Fußball-Nachwuchsabteilungen der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, vor allem im Mädchenbereich. (kna)

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Reinhard Grindel trat im April 2019 als DFB-Präsident zurück. Zuvor war bekannt geworden, dass Grindel eine Luxusuhr als Geschenk eines ukrainische Oligarchen angenommen hatte.
Reinhard Grindel trat im April 2019 als DFB-Präsident zurück. Zuvor war bekannt geworden, dass Grindel eine Luxusuhr als Geschenk eines ukrainische Oligarchen angenommen hatte. © imago images/Jan Huebner

mk online: Was wollen Sie an der Spitze des weltgrößten Fußballverbands bewegen?

Groth: Es gibt einige Themen, die mich bewegen: Ehrlichkeit in der ehrenamtlichen Arbeit und Transparenz nicht nur in den veröffentlichten Geschäftsberichten, auch in der Frage der Bezahlung von Aufwandsentschädigungen, in der Einhaltung der Satzungszwecke, in der Entscheidungsfindung. Eine stärkere Ausrichtung auf den Amateurbereich, hier stehen über 24.000 Vereine nur 56 Profivereinen in den oberen drei Spielklassen gegenüber.

Starke Standpunkte zum Thema Rassismus, Gewalt und anderen gesellschaftlichen Themen, die auch im Fußball eine Rolle spielen, sind mir wichtig. Für sieben Millionen Mitglieder muss der DFB eine deutliche Vorbildfunktion übernehmen. Zudem: Eine Unterstützung der Vereine zur Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs. Wir haben im Verein die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der Mädchen und Frauen deutlich ansteigt, wenn man sie bei der Ausübung des Sports genauso ernst nimmt wie die männlichen Sportler.

mk online: Was ist aus Ihrer Sicht beim DFB in den vergangenen Jahren schief gelaufen?

Groth: Der DFB hat durch die ständigen Personalwechsel an der Spitze an Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren. Die starke Ausrichtung auf das Profigeschäft und die Kommerzialisierung hat die Arbeit mit den Amateurvereinen in den Hintergrund gerückt. Dort ist die Basis des Fußballs, was die Ausbildung und die Ausübung angeht, aber auch die Begeisterung.

DJK-Sportverband

Der DJK-Sportverband ist ein katholischer Sportverband in Deutschland mit Sitz im rheinischen Langenfeld. Er versteht sich als christlich wertorientierter Sportverband unter katholischem Dach und nimmt laut eigenen Angaben jeden auf, der diese Orientierung mitträgt. Die drei Buchstaben DJK stehen für Deutsche Jugendkraft und gehen auf die Gründerzeit zurück. Heute ist jedoch nur noch die Kurzform gebräuchlich: die DJK.
Etwa 500.000 Sportler betreiben in rund 1.200 DJK-Vereinen über 100 Sportarten. Präsidentin ist seit 2015 Elsbeth Beha. Geistliche Bundesbeirätin ist seit Mai 2018 Elisabeth Keilmann, die zugleich Olympia- und Sportseelsorgerin der Deutschen Bischofskonferenz ist. (kna)

mk online: Inwiefern spielt das Thema „Werte“ im Fußball und Sport für Sie eine besondere Rolle?

Groth: Im Sport geht es um Bewegung, Ehrlichkeit und Fairness, ein gemeinsames Ziel, Erfolg und Misserfolg, Anerkennung der Leistung des Anderen, um Freude, und darum, an die eigenen Grenzen zu gehen. Werte, die ohne Kommerz eine Bedeutung haben, Sport eben. Das sind die Werte, die wir Sportler vertreten müssen.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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